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Panorama Prozess gegen Amtsvormund des zu Tode misshandelten Kevin eingestellt
Nachrichten Panorama Prozess gegen Amtsvormund des zu Tode misshandelten Kevin eingestellt
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20:28 11.08.2010
Quelle: dpa
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Als Auflage solle der 67-jährige Angeklagte 5000 Euro an eine Kinderschutzeinrichtung zahlen, schlug die Vorsitzende Richterin Barbara Lätzel vor. Bis kommenden Dienstag sollen die Beteiligten erklären, ob sie mit dieser Geldbuße einverstanden sind. Der Verteidiger signalisierte vor Journalisten sofort seine Zustimmung, die Staatsanwaltschaft äußerte sich noch nicht.

Der zweijährige Kevin war 2006 von seinem Ziehvater zu Tode misshandelt worden. Daraufhin wurde der inzwischen pensionierte Amtsvormund wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen angeklagt, weil er nicht rechtzeitig für eine räumliche Trennung des Kindes von seinem drogensüchtigen und gewalttätigen Ziehvater gesorgt habe. Als Kevin im Oktober 2006 doch noch ins Heim gebracht werden sollte, fanden Polizisten seine Leiche im Kühlschrank des Ziehvaters.

Nach Auffassung des Landgerichts könnte das Verfahren gegen den Amtsvormund zwar nicht mit einem „glasklaren Freispruch“ enden, aber eingestellt werden, da er damals unter starker Arbeitsbelastung gestanden habe und deshalb nur geringe persönliche Schuld trage. Der inzwischen pensionierte Sozialpädagogikprofessor Jürgen Blandow bestätigte am Mittwoch als Gutachter vor Gericht, dass jeder Bremer Amtsvormund für durchschnittlich 240 Kinder zuständig gewesen sei und sich praktisch nur zwei Minuten pro Woche um die Einzelfälle kümmern konnte, meist nur nach Aktenlage.

Die Sozialpolitik des damaligen SPD/CDU-Senats sei auf die „Deckelung von Kosten“ ausgerichtet gewesen, meinte der Sachverständige weiter. Überlastungsanzeigen der Behördenmitarbeiter seien „teilweise unbeantwortet geblieben“. Erst nach Kevins Tod sei das Personal schrittweise um ein Drittel aufgestockt worden. Heute müsse sich jeder Amtsvormund noch um etwa 100 Mündel kümmern; angemessen wären 50 bis 60.

Der hauptsächlich für Kevin verantwortliche Fallmanager der Jugendbehörde musste erst gar nicht vor Gericht erscheinen: Das Verfahren gegen ihn wurde wegen dauerhafter schwerer Krankheit eingestellt. Der inzwischen 45-jährige Ziehvater war bereits 2008 zu zehn Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden. Außerdem wies das Landgericht ihn in eine Entziehungsanstalt ein.

Gegenüber Journalisten begrüßte der Verteidiger des Amtsvormunds die geplante Verfahrenseinstellung. Sein Mandant sei „sehr glücklich“. Bisher habe er als schwächstes Glied „seinen Kopf hingehalten für die Versäumnisse einer ganzen Behörde“.

Wenn sich die Prozessbeteiligten bis zum 17. August über die Höhe der Geldbuße und den Empfänger geeinigt haben, will das Gericht am 25. August offiziell die Einstellung des Verfahrens verkünden. Die Prozesskosten einschließlich der Gebühren des Pflichtverteidigers müsste der Staat tragen.

Heftige Kritik an dem möglichen Ende des Verfahrens übte die Deutsche Kinderhilfe und sprach von einem „beschämenden Kuhhandel“. „Verzögerung, Verschleppung und Vertuschung“ zögen sich wie ein roter Faden durch den Fall Kevin. Die Ermittlungen gegen den Amtsvormund und den zuständigen Fallarbeiter seien hinausgezögert worden.

Eckhard Stengel