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Panorama „Mir tut es unendlich leid für Uli“
Nachrichten Panorama „Mir tut es unendlich leid für Uli“
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17:18 13.03.2014
Zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt: Uli Hoeneß. Quelle: dpa
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München

Während es vom FC Bayern München vorerst keine Stellungnahme gab, zeigte sich Heribert Bruchhagen, Vorstandsboss des Liga-Konkurrenten Eintracht Frankfurt, schockiert. "Mir tut es unendlich leid für Uli. Ich bin sehr erschrocken über die Vorstellung, dass Uli für seinen Fehler so heftig büßen muss. Ich bin sehr traurig." 

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach betonte, dass die "großen Verdienste von Uli Hoeneß für Bayern München und den gesamten deutschen Fußball unabhängig von diesem Prozess bestehen bleiben". Die juristische Beurteilung könnten ausschließlich die Gerichte vornehmen – "und da muss für Uli Hoeneß das gleiche Recht wie für jeden anderen gelten", sagte Niersbach.

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Auch Ligapräsident Reinhard Rauball unterstrich in einer ersten Reaktion Hoeneß' Verdienste für den deutschen Fußball. Was das Urteil für den Verein bedeute, wollte er nicht bewerten: Es liege "ausschließlich bei den Verantwortlichen des FC Bayern München, die Thematik mit Blick auf den Klub zu bewerten und damit umzugehen".

Toni Hofreiter, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, forderte Hoeneß hingegen auf, Konsequenzen zu ziehen: "Hoeneß wird als Bayern-Präsident jetzt zurücktreten müssen", sagte er. "Ich halte es für absolut richtig, dass das Urteil so gefallen ist. Es gab weder einen Promi-Bonus noch einen Promi-Malus für Hoeneß. 27 Millionen Euro zu hinterziehen, ist kein Kavaliersdelikt."

Begrüßt wurde das Urteil auch von der Grünen-Politikerin Renate Künast, die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses ist:

Ähnlich äußerte sich Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD): "Das ist ein unüberhörbares Signal an alle, die meinen, dass die Mitfinanzierung unseres Gemeinwesens in ihrem eigenen Belieben steht." Das Urteil sei ein Beleg für die Unabhängigkeit der Justiz - ohne Ansehen von Geld oder Prominenz. Für Schadenfreude gebe es aber keinen Anlass, eher für Ernüchterung. Walter-Borjans hat als Finanzminister bereits mehrfach Datensätze mit Hinweisen auf Schwarzgeld-Konten in der Schweiz angekauft.

Auch Bernd Riexinger, Vorsitzender der Links-Partei, nannte das Urteil gerecht:

Katja Kipping, Co-Vorsitzende der Linken, forderte weitergehende Konsequenzen: „Der Fall Hoeneß muss ein Weckruf sein. Im Prinzip ist er ja nur entdeckt worden, weil er nervös wurde. Der eigentliche Skandal ist doch, dass sich in Deutschland die großen Steuerfische freiwillig oder fahrlässig ins Netz gehen müssen", sagte sie dieser Zeitung. Der Rechtsstaat leiste sich bei dieser besonderen Form der Reichenkriminalität eine nicht hinnehmbare Nachlässigkeit. "Es sollten bundesweit Tausend Millionärssteuerfahnder eingestellt werden, die gezielt und regelmäßig die reichste Million unter die Lupe nehmen. Wir brauchen eine Bundesfinanzpolizei.“

Michael Meister, CDU-Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, hofft auf einen positiven Effekt durch den Richterspruch: "Das Urteil gegen Hoeneß wird die Steuermoral der Bürger stärken. Es zeigt, dass es sich nicht lohnt, Steuern zu hinterziehen."

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wies auf die menschliche Dimension der Verurteilung hin. "Ich bin zuallerst menschlich betroffen, weil eine Freiheitsstrafe natürlich für jeden Menschen, und damit auch für Uli Hoeneß, ein gravierender Eingriff ist", sagte Seehofer am Rande der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin. Als Politiker und Ministerpräsident habe er das Ergebnis eines rechtsstaatlichen Prozesses zu respektieren. Auf die Frage, ob Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratschef von Bayern München noch tragbar sei, betonte Seehofer, nun werde der Verein erst einmal selbst diskutieren und entscheiden. "Ich möchte das als Ministerpräsident nicht begleiten."

Udo Vetter, bekannter Rechtsanwalt und Strafverteidiger sowie Blogger ("Law Blog"), merkt an, dass Hoeneß vorerst ein freier Mann bleiben werde:

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder schickte mahnende Worte an seine Twitter-Follower:

Auch Carl-Edgar Jarchow, Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV, mahnte zur Zurückhaltung. Schadenfreude über das Strafmaß komme bei ihm ganz und gar nicht auf, ergänzte der Präsident des norddeutschen Fußball-Bundesligisten. Auch Ratschläge in Richtung des Ligarivalen FC Bayern München über die Zukunft von Hoeneß will der HSV nicht geben. "Das ist einzig und allein die Entscheidung der Bayern. Wir sind selbst in der Situation, dass selbst ernannte Experten alles kommentieren. Das werde ich nicht tun", betonte Jarchow.

frs/dpa/sid/dw

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