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Richterin umarmt verurteilte Mörderin - und löst heftige Debatte aus

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21:57 07.10.2019
Ein Bruder des Opfers umarmt die wegen Mordes verurteilte Polizistin. Quelle: Tom Fox/Pool The Dallas Morning
Dallas

In Texas hat eine Richterin eine ehemalige Polizistin wegen Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt – die Frau hatte ihren unbewaffneten schwarzen Nachbarn 2018 in dessen Wohnung erschossen. Der Prozess sorgt jetzt für neue Schlagzeilen, denn im Anschluss an das Urteil überreichte die Richterin der Angeklagten eine Bibel und umarmte sie, wie unter anderem die „New York Times“ berichtet.

Zunächst hatte die Richterin nach dem Urteilsspruch die Eltern des Opfers umarmt, anschließend schenkte sie der Verurteilten der Zeitung zufolge ihre persönliche Bibel. Dabei soll sie die Frau auf eine Stelle in der Bibel hingewiesen haben, in der es um Erlösung gehe. Daraufhin habe diese die Arme ausgestreckt und die Richterin sie umarmt. Zuvor hatte bereits der Bruder des Opfers nach Erlaubnis der Richterin die Verurteilte umarmt. Nach Angaben der Zeitung soll sich die Richterin Tränen aus dem Gesicht gewischt haben, als es zu der Umarmung kam.

Der Fernsehsender NBC DFW postete ein Video mit der Szene auf Twitter.

Umarmung löst heftige Debatte aus

Während einige Menschen das Verhalten positiv bewerteten, kritisierten andere die Umarmung und bezeichneten diese als unangemessen oder gar verfassungswidrig. Von einer Gruppe wurde bereits Beschwerde wegen Verletzung der Ethik eingereicht. „Mitgefühl hat die Grenze zum Zwang überschritten“, soll die Gruppe laut „New York Times“ in ihrer Beschwerde geschrieben haben. Es kam zudem die Frage auf, ob ein schwarzer Verurteilter ebenfalls dieses Mitgefühl vermittelt bekommen hätte.

Jan Breland, eine pensionierte Richterin, sagte der „New York Times“ zu dem Vorfall: „Einige Richter scheinen in der Lage zu sein, ihre Emotionen auszuschalten und die Menschheit nicht zu sehen, aber ich war nie fähig, dies zu tun.“ Breland, die in Austin 26 Jahre lang Strafrichterin war, sagte weiter: „Diese Leute, die durch unsere Gerichte kommen, sind Menschen, unabhängig von den Dingen, die sie getan haben.“ Sie habe noch nie eine so emotionale Szene im Gerichtssaal gesehen.

Rechtsexpertin verteidigt das Verhalten

Deborah Rhode, Expertin für Rechtsethik und Direktorin des Zentrums für Rechtsberufe an der Stanford Law School, sagte der „New York Times“, dass das Verhalten der Richterin innerhalb der ethischen Grenzen geblieben sei – vor allem, weil es nach der Verurteilung erfolgte. „Die Richterin hat nur einige Gemeinsamkeiten der Menschheit zum Ausdruck gebracht, und ich denke nicht, dass wir dafür Richter bestrafen sollten“, sagte sie. „Wenn überhaupt, leidet unser Rechtssystem unter einem Mangel an angemessenem Mitgefühl.“

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