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Panorama Schläger von Hells-Angels-Fürst als Ordnungshüter eingesetzt
Nachrichten Panorama Schläger von Hells-Angels-Fürst als Ordnungshüter eingesetzt
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22:34 04.05.2011
Von Heinrich Thies
Der von Hells-Angels-Fürst Wolfgang Heer unterstützte Fußballklub Germania Walsrode wollte sich nicht bloß auf die Polizei verlassen und engagierte die schwarz gekleideten Security-Leute von Heer. Quelle: Christian Burkert
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Es floss Blut. Zuschauerbänke gingen zu Bruch, Spielfeldbanden wurden zerfetzt, und manch einer verließ den Platz mit einer Schramme, einer Prellung oder einem blauen Auge: Solche Ausschreitungen hatte es bisher in einem Walsroder Stadion noch nicht gegeben. Dabei waren die Verantwortlichen von Germania Walsrode vorgewarnt. Über Facebook hatten Anhänger des TuS Celle schon wochenlang für den Aufmarsch im Walsroder Grünenthal-Stadion getrommelt, um Rache für angebliche Provokationen von Walsroder Fans beim Hinspiel in Celle zu nehmen.

Die Vereinsführung hatte sich daher gut vorbereitet und das Spiel vom 1. Mai auf Freitagabend vorverlegt, um sicherzustellen, dass genügend Einsatzkräfte bereitstanden. Weil sie sich aber nicht nur auf die Polizei verlassen wollte, hatte die Germania-Führung noch eine private Sicherheitsfirma engagiert – die GAB-Security des Walsroder Bordellbetreibers und Hells-Angels-Fürsten Wolfgang Heer. Doch der Einsatz der Security-Leute trug offenkundig nicht zur Befriedung bei, sondern heizte die Stimmung aus Sicht der Polizei noch zusätzlich an.

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„Wir waren da nicht sehr glücklich drüber“, sagt die Polizei-Einsatzleiterin Eva Peukert, die ihre Beamten auf Deeskalation eingestellt hatte. „Die Security-Leute sind sehr resolut vorgegangen und haben eindeutig überreagiert.“ Die schwarz gekleideten Muskelmänner hätten den Block der Celler kurz vor dem Abpfiff eingekreist und sie mit Gewalt aus dem Stadion gedrängt. Es sei auch geprügelt worden. „Dadurch ist die Situation extrem umgeschlagen“, sagt Eva Peukert: „Gewalt erzeugt Gegengewalt.“ Es habe offenkundig an Professionalität gefehlt.

Kritiker monieren, dass der Bock zum Gärtner gemacht wurde. Denn einzelne der sogenannten Sicherheitsleute gelten in Walsrode als stadtbekannte Schläger und sind mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft.

Vorbestraft ist auch Wolfgang Heer, der Chef der Sicherheitsfirma, die im hannoverschen Steintorviertel im Verbund mit Kiezkönig und Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth die Türsteher stellt. Und Heer ließ es sich nicht nehmen, die Aktion seiner Leute persönlich zu betreuen. „Wir hatten gar keine andere Wahl, die hatten doch schon angefangen, alles zu zerschlagen“, sagt der Bordellbetreiber. Bei den Höllenengeln hat er das Amt des Kassenwarts inne, in Walsrode wird er aber allgemein geschätzt, weil er Vereine und karitative Organisationen großzügig mit Spenden bedenkt – auch schon mal den Fußballklub Germania, wie es heißt. „Wenn’s eskaliert, muss geräumt werden, das ist unsere Aufgabe“, betont Security-Chef Heer. „Wir haben nur von unserem Hausrecht Gebrauch gemacht.“

Inzwischen haben etliche Fans aus Celle Strafanzeigen wegen Körperverletzung gegen Heers Leute erstattet. Germania-Präsident Günter Strube allerdings sieht die Hauptschuld bei den Fans, den berüchtigten Celler „Ultras“, und fordert Schadensersatz für die Zerstörungen. Heers Sicherheitsleuten will der Präsident dagegen keinen Vorwurf machen. „Ich habe nur gehört, dass sie überzogen reagiert haben, es aber nicht selbst gesehen.“ Dennoch will Strube „den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen“, wie er sagt: „Wir können diese Security-Firma nicht mehr nehmen, das ist ganz logisch. Der Imageschaden wäre einfach zu groß.“

Für den Walsroder Grünen-Ratsherrn Detlef Gieseke ist die Sache damit noch nicht erledigt. „Das Hauptproblem ist, dass hier vorbestrafte Leute für die Sicherheit in Walsrode sorgen sollen“, sagt der Lehrer. „Da müsste eigentlich das Ordnungsamt einschreiten.“

Es sei eine „unglaubliche Frechheit“, mit welcher Selbstgerechtigkeit der vorbestrafte Chef der Security-Firma sich in der Lönsstadt als Ordnungshüter aufspiele. Im vergangenen Herbst hat Gieseke bereits in einer öffentlichen Veranstaltung in Walsrode dazu aufgerufen, keine Spenden mehr von dem Höllenengel anzunehmen – allerdings mit geringem Erfolg.