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Panorama Schlangen und Tumult am Frankfurter Flughafen
Nachrichten Panorama Schlangen und Tumult am Frankfurter Flughafen
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14:54 18.12.2010
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Am Frankfurter Flughafen liegen die Nerven blank. Polizeibeamte vor der Gepäckabfertigung der Lufthansa, eine schier endlose Warteschlange im Terminal 1, die wenigen Ansprechpartner der Fluglinie sichtlich überfordert - so haben sich hunderte Fluggäste ihren Start in die Winterferien am Samstag sicher nicht vorgestellt.

Auch David Michel nicht, der seit 6 Uhr am Samstagmorgen darauf wartet, seinen Flug nach London antreten zu können. „Mein eigentlicher Flug sollte um 7.30 Uhr gehen und wurde gestrichen. Dann wurde ich in eine Schlange geschickt, von der es nach zwei Stunden hieß, es sei die falsche“, berichtet der junge Mann erstaunlich gelassen.

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Gegen Mittag keimt bei Michel Hoffnung auf, um 13 Uhr über Hannover doch noch an sein Reiseziel zu gelangen. Und da er sich nur etwa 200 Meter von der Gepäckabfertigung entfernt in der Schlange befindet, stehen seine Chancen vergleichsweise günstig.

Weit weniger entspannt zeigt sich Andrea Behi, die nach Florida will und bereits am Freitagmorgen am Bremer Flughafen ihr Reiseglück versucht hatte. „Nach fünf Stunden wurden wir umgebucht, dann wurde dieser Flug gestrichen, und wir bekamen Bahntickets“, erzählt sie sichtlich aufgebracht. Da aber auch kein Zug fuhr, sei sie mit einem Mietwagen nach Frankfurt gekommen, wo sie seit Samstagmorgen um 8 Uhr warte.

„Die Lufthansa ist eine Katastrophe. Die sagt nur, das sei eben so und man buche ja um. Es sind kaum Ansprechpartner da und viel zu wenige Schalter besetzt“, schimpft Behi. Sie glaube nicht mehr daran, dass sie am Wochenende noch eine Maschine nach Florida bekommt.

„Wir versuchen, unseren Passagieren bestmöglich zu helfen. Es wird nicht nur eingecheckt, sondern auch umgebucht, deswegen dauert es länger“, sagt eine Lufthansa-Sprecherin. Die Fluggesellschaft ruft Passagiere dazu auf, nur dann zum Flughafen anzureisen, wenn ihr Flug bestätigt wurde. Inlandsreisenden rät die Lufthansa, auf die Bahn umzusteigen.

In einer einzigen Schlange stehen die Lufthansa-Passagiere gemeinsam für die Gepäckabfertigung und die Umbuchung annullierter Flüge an. „Alle in einer Schlange, das ist eine miserable Organisation“, meint Fluggast Daniel Elfering, der schon am Freitag über Paris nach Indien reisen wollte. Nach vier Stunden Warten wurde sein Flug gestrichen, am Samstag hat er sich wieder angestellt.

Was Elfering nicht ahnt: Hunderte Meter weiter vor ihm, direkt vor der Gepäckabfertigung, spielen sich tumultartige Szenen ab. Polizeikräfte müssen aufgebrachte Passagiere zur Ruhe bringen, die sich hitzige Debatten liefern: Eine zweite Schlange hat sich dort gebildet, weil Fluggäste ihre regulär startenden Maschinen erreichen und sich zur Gepäckaufgabe vordrängeln wollen. Das wollen diejenigen, die sich seit Stunden die Beine in den Bauch gestanden haben, nicht zulassen und tun das lautstark kund.

Bis zum Samstagmittag wurden am größten deutschen Flughafen 172 Flüge gestrichen, wie ein Flughafen-Sprecher mitteilt. Und es könnten durchaus noch mehr werden: „Der Flugplan ist komplett aus den Fugen geraten“, hieß es vom Betreiber Fraport schon am frühen Morgen.

dpa

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