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Panorama Schüler bekommen 1000 Euro – wenn sie sich einen Monat lang nicht betrinken
Nachrichten Panorama Schüler bekommen 1000 Euro – wenn sie sich einen Monat lang nicht betrinken
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09:39 20.03.2019
Keine Macht dem Komasaufen: In Mecklenburg-Vorpommern werden Schüler dafür belohnt, dass sie sich nicht betrinken. Quelle: Jens Büttner/dpa
Rostock

Soll man minderjährige Schüler dafür belohnen, dass sie sich vier Wochen lang nicht betrinken? Diese Frage treibt derzeit Lehrer und Eltern in Mecklenburg-Vorpommern um. 21 Schulen im Land haben am Programm „Klar bleiben“ teilgenommen, in dem sich die Jugendlichen ab der 10. Klasse dazu verpflichteten, einen Monat lang auf „riskanten“ Alkoholkonsum zu verzichten – zumindest 90 Prozent von ihnen.

Und selbst das haben neun der Schulen nicht geschafft. Die anderen erhielten ein Preisgeld bis zu 1000 Euro. „Eigentlich ist mir ja jedes Mittel recht, das Jugendliche davon abhält, Dummes zu tun. Aber warum muss man sie mit Geld dazu motivieren, wenig zu trinken?“, fragt Kay Czerwinski, Vorsitzender des Landeselternrats.

Alkohol auf Partys – oft mit Einverständnis der Eltern

Die Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (Lakost) im Land unterstützt jedoch die Aktion: „Es ist sinnvoll, in diesem Alter mit der Alkoholprävention anzufangen“, sagt Sprecherin Birgit Grämke. „Viele Jugendliche haben bei der Jugendweihe oder der Konfirmationsfeier zum ersten Mal Kontakt mit Alkohol, mit 15 oder 16 gehen sie dann oft zu Partys, bei denen getrunken wird – oft mit Einverständnis der Eltern.“

Grämke verteidigt auch, dass bei „Klar bleiben“ weiterhin getrunken werden darf – nur eben nicht im Übermaß: „Man darf die Latte nicht zu hoch legen. Nur mit Verboten und Abschreckung kommt man nicht weiter.“

Schüler nach Alkoholmissbrauch gestorben

Das sieht allerdings Jörg Seifert, Vorsitzender des Gymnasiallehrerverbandes, anders: „So eine Aktion ist eigentlich traurig. Selbst das Zulassen von wenig Alkohol in diesem Alter geht gar nicht.“ An seiner eigenen Schule, dem Gymnasium Friderico-Francisceum in Bad Doberan, gelte eine Null-Toleranz-Schwelle bei Alkohol, auch bei Klassenfahrten.

„Ein 16-jähriger Schüler ist vor einiger Zeit gestorben, nachdem er bei einer Party so viel getrunken hat, dass er an seinem Erbrochenen erstickt ist“, mahnt Seifert. Er hält es für besser, den Schülern anhand von Beispielen klarzumachen, wohin Alkoholmissbrauch führt.

Birgit Grämke von der Lakost betont: „Unser Ziel bleibt, dass Jugendliche in diesem Alter gar nicht trinken.“ Mit der Aktion sollen die Schüler vor allem sensibilisiert werden. „Sie merken, wie hoch der Gruppendruck auf Jugendliche sein kann, die nichts trinken.“ Manchen werde so auch bewusst, dass andere in ihrer Altersgruppe nicht so viel trinken wie sie selbst.

Wichtige Tipps für den Vollsuff

Da nicht damit zu rechnen ist, dass alle Jugendlichen nach Ende der Aktion zur Vernunft kommen, gibt es auch wichtige Tipps für den Vollsuff: „Man sollte stark Betrunkene nicht liegen lassen, sondern nach Hause bringen“, rät Grämke. Wenn das nicht mehr möglich ist, sollten Komasäufer wenigstens in die stabile Seitenlage gebracht werden, damit sie nicht an Erbrochenem ersticken.

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Von Axel Büssem/RND

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