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Panorama Schweres Erdbeben verwüstet Hauptstadt von Haiti
Nachrichten Panorama Schweres Erdbeben verwüstet Hauptstadt von Haiti
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14:53 13.01.2010
Ein schweres Erdbeben hat Haiti erschüttert. Quelle: afp
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Durch ein schweres Erdbeben sind im bitterarmen Karibikstaat Haiti vermutlich mehrere tausend Menschen ums Leben gekommen. Die Straßen der Hauptstadt Port-au-Prince waren beim ersten Morgenlicht am Mittwoch mit Leichen übersät, auch der Chef der UN-Mission MINUSTAH sowie zahlreiche UN-Mitarbeiter wurden vermisst. International lief ein massiver Hilfseinsatz an.

Das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,0 lag nur 15 Kilometer von Port-au-Prince entfernt, wo durch die Erschütterungen der mehr als dreißig Nachbeben reihenweise Gebäude einstürzten, darunter das UN-Hauptquartier. „Die Informationen über das volle Ausmaß der Schäden sind noch sehr dürftig“, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon am Mittwoch in New York. „Wir haben es mit einer großen humanitären Notsituation zu tun, die einen umfassenden Hilfseinsatz erfordert.“

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Das schwerste Erdbeben seit mehr als 200 Jahren in Haiti hat weite Teile der Hauptstadt Port-au-Prince verwüstet und zehntausende Bewohner obdachlos gemacht.

Wegen der zahlreichen Nachbeben brach Panik unter den Menschen aus, blutüberströmte und staubbedeckte Verletzte rannten schreiend durch die Straßen, in denen zahlreiche Tote lagen. Das Hotel Montana in der Hauptstadt stürzte völlig ein und begrub nach Angaben des französischen Entwicklungsstaatssekretärs rund 200 Menschen unter sich. Im Vorort Pétionville stürzte ein Krankenhaus ein, auch Ministerien, Schulen, Villen und Armensiedlungen wurden zerstört.

Im UN-Hauptquartier wurden nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon mindestens fünf UN-Mitarbeiter getötet, rund hundert weitere wurden vermisst, darunter auch Missionschef Hedi Annabi, ein Tunesier. Nach Angaben aus Brasilien, China und Jordanien wurden mindestens 15 UN-Blauhelme getötet. Der Mission MINUSTAH gehören rund 9000 Soldaten, 2000 Polizisten und 2000 weitere Mitarbeiter an, es ist eine der größten UN-Missionen weltweit.

Die US-Geophysikerin Susan Potter sagte in einer Telefonpressekonferenz der Hilfsorganisation World Vision, ein so starkes Beben habe es in Haiti zum letzen Mal 1770 gegeben. Ein humanitärer Helfer in Port-au-Prince beschrieb Szenen der Zerstörung, achtstöckige Gebäude seien eingestürzt und zu Trümmerhaufen geworden. Auch der haitianische Präsidentenpalast, einer der wenigen soliden Bauten, wurde schwer beschädigt, Präsident René Préval und seine Familie blieben aber unversehrt.

Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt und wurde in den vergangenen Jahren mehrfach von Naturkatastrophen heimgesucht. Viele Hilfsorganisationen sind dort dauerhaft im Einsatz. Zahlreiche Staaten und Organisationen kündigten umgehend Nothilfe an. Deutschland sagte 1,5 Millionen Euro zu, die EU gewährte drei Millionen Euro, auch Spanien versprach drei Millionen Euro. Viele Staaten, darunter Frankreich und Großbritannien, schickten Flugzeuge mit Helfern und Hilfsgütern.

Eine Sprecherin der UNO in Genf nannte die Hilfsanstrengungen einen „Wettlauf mit der Zeit“. Aus dem globalen Netzwerk der UNO wurden 37 Such- und Spürtrupps mobilisiert, die sich so schnell wie möglich auf den Weg in die Karibik machen sollten. Die desolate Infrastruktur vor Ort sei dabei ein wesentliches Problem, sagte UN-Generalsekretär Ban: „Grundlegende Dienstleistungen wie die Versorgung mit Wasser und Strom sind fast vollständig zusammengebrochen.“

Auch in der benachbarten Dominikanischen Republik bebte die Erde, es gab nach Behördenangaben aber keine Schäden. Ausläufer waren nach Angaben der US-Armee selbst im 300 Kilometer entfernten Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba zu spüren. Ein zunächst ausgelöster Tsunami-Alarm wurde später aufgehoben.

ap