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Panorama Sean Connery wird 80 Jahre alt
Nachrichten Panorama Sean Connery wird 80 Jahre alt
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22:47 24.08.2010
Von Stefan Stosch
Quelle: ap (Archiv)
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Sein Name ist Connery, Thomas Connery. Aber unter diesem Namen ist er nicht berühmt geworden, auch nicht als Sean Connery, wie er sich seit der Zeit nennt, als er als junger Komparse auf einer Londoner Bühne stand und als Gardeoffizier mit Gardemaß gebraucht wurde. Bis Mittwoch, an seinem 80. Geburtstag, ist der schottische Schauspieler für viele einfach nur Bond, James Bond. Und dabei liegt sein letzter Auftritt als Geheimagent Ihrer Majestät in „Sag niemals nie“ nun schon 27 Jahre zurück.

Selten wird das Leben eines Schauspielers so sehr mit einer Rolle verknüpft wie bei Connery. Anfang der Sechziger war es für ihn ein Segen, als die Bond-Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli einen James-Bond-Darsteller suchten und auf den Gedanken verfielen, die Leser einer Londoner Zeitung über ihre Kandidaten abstimmen zu lassen. Bis dahin hatte Connery schon alle möglichen Jobs erledigt, war als Marinesoldat, Bodybuilder, Nacktmodell, sogar als Sargpolierer tätig, schauspielerische Erfolge hatte er bis dahin nur im britischen Fernsehen.

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Connery bekam den Job, heimste für sein erstes Abenteuer „007 jagt Dr. No“ (1962) vergleichsweise bescheidene 7300 Euro ein – und gilt seitdem für viele als die einzig mögliche Verkörperung eines britischen Topagenten. Seine Lässigkeit, sein Snobismus und seine Verführungskraft waren unerreichbar für alle Nachfolger. Erst Daniel Craig, der aktuelle Bond, löste sich durch sein knallhartes, unironisches Auftreten von diesen Rollenerwartungen.

Für Connery muss sich der Bond-Segen irgendwann in einen Fluch verwandelt haben. Gewiss, die Gagen vervielfachten sich, für „Diamantenfieber“ (1971) etwa auf umgerechnet eine Million Euro – und obendrauf noch eine Gewinnbeteiligung von 12,5 Prozent, was damals absolut unüblich war.

Doch wenn Sean Connery etwas auszeichnet, dann ist dies das Pochen auf persönliche Freiheit. Und nun blieb er ein Gefangener seines Bond-Ruhms, wovon auch die punktgenau zum Geburtstag von Aaron Smyth herausgegebene, fotografische Hommage zeugt: „Auf der Flucht vor Bond“ oder „Endgültige Befreiung vom Agenten-Image“ heißen Kapitelüberschriften („Sean Connery“, Schwarzkopf und Schwarzkopf).

Schon früh versuchte Connery, aus der Agentenrolle auszubrechen, spielte etwa für Alfred Hitchcock in dem Thriller „Marnie“ (1964). Es half alles nichts. Die Zuschauer wollten ihn als Bond sehen. Noch einmal beugte sich Connery dem Wunsch – und ließ die Produzenten ordentlich bluten. Für „Sag niemals nie“ kehrte er als nunmehr gereifter, 53-jähriger Spion zurück, zeitgleich zu Roger Moores Auftritt in „Octopussy“ – und war vielleicht besser als je zuvor, wenn er mit schmerzenden Knochen die Welt rettete.

Danach begann endlich eine zweite Kinokarriere – als Franziskaner-Mönch William von Baskerville in „Der Name der Rose“ (1986), als Polizist in „Die Unbestechlichen“ (1987), wofür es einen Oscar als bester Nebendarsteller gab, oder als leicht trotteliger Vater von „Indiana Jones“ (1989). Connery kämpfte in „The Rock“ (1996) mit Nicolas Cage und turtelte in „Verlockende Falle“ (1999) mit Catherine Zeta-Jones. Und, ach ja, als 69-Jähriger wurde er mit dem Titel als „Sexiest Man of the Century“ versehen.

Aber was bedeuten all diese schauspielerischen Erfolge, wenn ihn die Leute auf der Straße doch mit Mr. Bond ansprechen? Vielleicht hat sich Connery auch deshalb früher aus dem Filmgeschäft zurückgezogen, als es nötig gewesen wäre, weil er diese dauernden Verwechslungen leid war. Dafür pflegt er andere Interessen: Mit Nachdruck etwa engagiert er sich für die politische Eigenständigkeit Schottlands. Seine Autobiografie trägt den bezeichnenden Titel „Being a Scot“ (auf Deutsch: „Mein Schottland, mein Leben“). Als die Queen ihn zum Ritter schlug, trug er einen Kilt – und auf dem linken Unterarm die Tätowierung „Scotland forever“. Die hatte er allerdings schon seit den fünfziger Jahren.

Sein Umgang mit Geld, so heißt es, entspreche dem Naturell, das Schotten nachgesagt wird – was Connery nicht hindert, der von ihm gegründeten Stiftung für die Ausbildung junger Landsleute Millionen zufließen zu lassen (übrigens auch die gesamte Gage von „Diamantenfieber“). Momentan liegt er mit den spanischen Behörden im Clinch. Er soll in einen Fall von Steuerhinterziehung rund um ein Immobiliengeschäft verwickelt sein. Die Ermittlungen laufen unter dem Namen „Goldfinger“. Sollte es wirklich eng für Connery werden, wird er die spanischen Gesetzeshüter gewiss daran erinnern, dass sie etwas durcheinanderbringen. Er war im Film nicht der Schurke „Goldfinger“, sondern der Mann, der diesen verrückten Schurken zur Strecke brachte. Manchmal ist es doch ganz gut, einen Agentenbonus auf Lebenszeit zu haben.