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Panorama Shaun der Star
Nachrichten Panorama Shaun der Star
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00:16 23.03.2015
Von Michael Pohl
Foto: Kein Schaf ist wie dieses: Kaum ist der Bauer eingenickt, nutzt Shaun (l.) die Gelegenheit für einen spontanen Ausflug mit seinen Freunden.
Kein Schaf ist wie dieses: Kaum ist der Bauer eingenickt, nutzt Shaun (l.) die Gelegenheit für einen spontanen Ausflug mit seinen Freunden. Quelle: Studio Canal
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Eigentlich hatte der britische Trickfilmer Nick Park nur einen schnellen Gag im Sinn, als er 1995 ein Knetschaf namens Shaun erfand: Im „Wallace and Gromit“-Film „Unter Schafen“ tauchte es auf, wurde geschert, mähte ein paar Mal, aber hatte sonst keine erkennbaren Ambitionen auf eine Filmkarriere.

20 Jahre später ist Shaun unwiderruflich der Star - bei Kindern wie Erwachsenen. Nach insgesamt 130 Kurzfilmen ist in dieser Woche in Deutschland der erste Kinofilm mit dem kleinen klugen Schaf angelaufen. Und nicht nur hier: Parkers Produktionsfirma Aardman aus dem südenglischen Bristol hat „Shaun der Film“ in 170 Länder weltweit verkauft. In Großbritannien spielte er bis vergangene Woche bereits umgerechnet rund 17 Millionen Euro ein. Rund eine Milliarde Schafe gibt es weltweit, haben Statistiker errechnet - wieso stürzen sich alle ausgerechnet auf dieses eine? Ganz einfach: Weil „Shaun“ einen Teil von uns allen beinhaltet.

Wie bei Aardmans erstem großen Hit „Wallace and Gromit“ sind die Erlebnisse des Schafes auf einem Bauernhof irgendwo in England derart aus dem Alltag gegriffen, dass sich dabei auch Erwachsene unterhalten fühlen. Shaun repariert Dächer, sorgt für Essen und veralbert einen Hütehund namens Bitzer - der wiederum mit seinem strengen Blick, Wollmütze und Trillerpfeife wie eine Mischung aus Feldwebel und Fußballtrainer daherkommt. Trickfilmer Richard Goleszowski, der so etwas wie der Adoptivvater von Shaun ist und Parks Idee zur Serienreife brachte, beschrieb das unlängst so: „Wenn Shaun einen Knopf sieht, auf dem steht: ,Bitte nicht drücken!‘, ist er jemand, der ziemlich sicher drückt.“ Das Schaf ist aus Sicht der Trickfilmer wie ein Mensch - ein zwölfjähriger Junge, mit all seinen liebenswerten und weniger liebenswerten Eigenschaften.

Auch wenn Kinder die fortwährenden Anspielungen in der Serie auf andere Spielfilme kaum verstehen dürften - gerade dies hält die Eltern bei der Stange. Bei einer Duschszene muss man unweigerlich an Hitchcocks „Psycho“ denken, Trainingsphasen des stark fettleibigen Schafes Shirley erinnern an „Rocky“ und eine Flugszene vor dem Mond ist mehr oder weniger aus „E.T.“ adaptiert. Die Mitarbeiter von Aardman machen daraus keine große Sache, wie sie einmal im Londoner „Guardian“ berichteten: „Wir versuchen einfach nur, lustig zu sein.“

Nicht ganz unwichtig ist auch die Produktionsweise: Während heutzutage computeranimierte Spezialeffekte die großen Spielfilme dominieren, werden die Stars aus „Shaun“ und „Wallace and Gromit“ nach wie vor aus Ton und Knetgummi handgeformt, die Filme in Einzelbildern aufgenommen. Claymation, Knetanimation, nennen das die Fachleute, und Aardman gehört in diesem Genre ganz klar zur Weltspitze.

In Shauns Heimat Bristol sind die Figuren der Produktionsfirma längst fester Bestandteil der Stadtkultur. Kaum ein großes Fest vergeht, bei dem nicht irgendeine Figur des Studios Verwendung findet - schließlich begann die Firma hier bereits Anfang der Siebzigerjahre mit ersten Gehversuchen und ist somit eng mit der Entwicklung der Stadt verwoben. Unlängst widmete sich sogar das Bristoler Museum M-Shed in einer Sonderausstellung den heimischen Trickfilmern. Und in diesem Juli werden 120 übergroße Schafskulpuren in der ganzen Stadt zu sehen sein, die zuvor noch eine Station in London einlegen.

Eine Ende der Popularität Shauns ist kaum abzusehen - nicht nur in Bristol: In diesen Wochen hat in Land’s End, dem westlichsten Punkt der britischen Insel, eine kleine Touristenattraktion mit ihm als Schwerpunkt eröffnet. Vor einer Bluescreenwand können Besucher hier Teil des Ganzen werden. Und das scheint erst der Beginn: Vom nächsten Jahr an wird in Kent vor den Toren Londons der Freizeitpark „Paramount London“ gebaut und die Betreiber haben gerade eine Lizenzvereinbarung mit Aardman geschlossen. Bis Shaun, Wallace und Gromit hier in Disney-Manier auftauchen werden dauert es allerdings noch ein bisschen: Erst für 2020 ist die Eröffnung geplant. Bis dahin verzaubert Shaun erst einmal die Kinozuschauer - und die Kinderprogramme im Fernsehen. Denn auch ein Ende der Serie ist bislang nicht abzusehen. In Deutschland läuft sie im Kinderkanal und in der „Sendung mit der Maus“.