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Panorama Sieben Jahre Haft für Kinderzimmer-Dealer
Nachrichten Panorama Sieben Jahre Haft für Kinderzimmer-Dealer
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17:30 02.11.2015
Sieben Jahre Jugendhaft für Leipziger Kinderzimmer-Dealer: Maximilian S. hatte den Drogenhandel im Prozess zugegeben. Quelle: Peter Endig/dpa
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Leipzig

Maximilian S. (20) soll insgesamt 914 Kilogramm Drogen von seinem Kinderzimmer aus bis ins Ausland verkauft haben, darunter Haschisch, Ecstasy-Tabletten, Kokain, LSD und verschreibungspflichtige Tabletten. Er habe "mit hoher krimineller Energie" gehandelt, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. Er bezeichnete den Angeklagten als "Verbrecher". Andererseits sei dieser so "naiv" gewesen zu denken, dass er nicht erwischt werde.

Maximilian S. folgte der Urteilsbegründung mit fast unbewegter Miene. Der junge Mann mit dem pausbäckigen Gesicht soll Ende 2013 in großem Stil seine Drogengeschäfte aufgezogen haben. Sein Kinderzimmer in der Wohnung seiner Eltern war zugleich Warenlager, Büro und Versandzentrum. Die Geschäfte wickelte er zunächst über das Darknet ab, einen verschlüsselten Bereich des Internets.

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Mutter bekam vom Drogenhandel nichts mit

Zuletzt verkaufte er die Drogen über das offen zugängliche Internet – und zwar über die Plattform "shiny-flakes". Die Ermittler bezifferten die Verkaufserlöse auf insgesamt rund vier Millionen Euro. Als Maximilian S. im Februar dieses Jahres eine neue Lieferung erwartete, griff die Polizei zu. Sein Kinderzimmer war vollgestopft mit mehr als 300 Kilo Drogen – ein Teil der rund 900 Kilo, die er insgesamt verkauft haben soll.

Die Mutter des Angeklagten hatte als Zeugin ausgesagt. Sie beschrieb ihren Sohn als "wildes" Kind. Später habe er sich zunehmend zurückgezogen. Er machte keinen Urlaub, hatte weder Freunde noch Freundin. Eine Lehre als Restaurantfachmann schmiss er hin. In den vergangenen zwei Jahren habe sie keinerlei Zugang mehr zu seinem Zimmer gehabt, sagte die 48-Jährige. Von den Drogengeschäften ihres Sohnes habe sie nichts mitbekommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Jugendstrafe von acht Jahren und acht Monaten gefordert. "Letztlich ging es darum: Er wollte im Internet als Drogenhändler der größte und beste sein", sagte Staatsanwalt André Kuhnert. Die Verteidigung plädierte für eine Jugendstrafe von sechseinhalb Jahren.

afp/dpa

02.11.2015
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