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Panorama Wer zum Grab von Karl Marx will, muss zahlen
Nachrichten Panorama Wer zum Grab von Karl Marx will, muss zahlen
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00:17 08.11.2015
Beliebtes Touristenziel: Die Karl-Marx-Statue auf dem Londoner Highgate Cemetery. Quelle: Thomas Burmeister dpa/lrs
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London

Sorgsam legt die Frau den Blumenstrauß auf den Marmor. Die Chinesin geht einen Schritt zurück, faltet die Hände wie zum Gebet und blickt den riesigen Sockel empor, der über dem Grabstein thront. Von dort schaut Karl Marx in Bronze und mit Rauschebart mürrisch herab, unter ihm stehen in goldener Schrift die Worte "Proletarier aller Länder, vereinigt euch".

Auf dem Highgate Cemetery in London ist der 1883 verstorbene deutsche Philosoph ebenso begraben wie seine Frau und seine Tochter. Die Instandhaltung der historischen Begräbnisstätte, die im Mai 1839 als Folge der steigenden Einwohnerzahl Londons eröffnete, übernimmt seit 1981 der Förderverein "Friends of Highgate Cemetery" – und rettete so die Nekropole vor dem Verfall.

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Kritik von neuer Sozialisten-Generation

Doch immer wieder brandet von einer Seite Kritik auf. Denn wer die letzte Ruhestätte des berühmten Kapitalismus-Kritikers Marx besuchen will, muss Kapital mitbringen. 4 Pfund kostet der Eintritt seit Anfang der Neunzigerjahre – ein Umstand, der offenbar die neue Generation der Sozialisten zum Toben bringt.

Und die melden sich seit der Wahl des Marx-Bewunderers Jeremy Corbyn zum Chef der oppositionellen Labour-Partei vermehrt zu Wort. "Ich persönlich finde es widerlich", äußerte sich ein politischer Aktivist gegenüber Medien. Es gebe hinsichtlich der Ironie oder auch des schlechten Geschmacks keine Grenze, "wie tief Kapitalisten sinken würden, wenn sie denken, Geld machen zu können", sagte der 24-Jährige dem "Wall Street Journal".

Geld fließt in Indstandhaltung

Der Förderverein betont, das eingenommene Eintrittsgeld fließe direkt in die Instandhaltung des Friedhofs, auf dem rund 170.000 Menschen ihre letzte Ruhe finden. Der Großteil der Besucher, sagt einer der freiwilligen Friedhof-Arbeiter, komme aus China und Russland. "Das Original-Grab von Marx liegt da runter links", ruft er noch. Etwa 100 Meter vom Bronzekopf entfernt, ein Stein mit Rissen, die Buchstaben vom Wetter zersetzt – die Stätte, noch immer Eigentum der Marx-Familie, passt für viele eher zum Kommunisten als der Granitkubus, unter dem seine Gebeine seit 1956 liegen.

Das neue Grabmal wurde von der kommunistischen Partei Großbritanniens gestiftet – um dem Gelehrten eine ihrer Ansicht nach würdigere Ruhestätte zu gewähren.

Von Katrin Pribyl

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