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Panorama Sitzstreik im Billigflieger
Nachrichten Panorama Sitzstreik im Billigflieger
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14:39 17.11.2010
Verspätung und Umleitung: Passagiere eines Ryanair-Flugs protestieren mit einem Sitzstreik.
Verspätung und Umleitung: Passagiere eines Ryanair-Flugs protestieren mit einem Sitzstreik. Quelle: dpa (Archiv)
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Erst hatte ihr Flug Verspätung, dann landete er mitten in der Nacht statt in der Nähe von Paris im belgischen Lüttich - da platzte den Passagieren der Billigfluggesellschaft Ryanair endgültig der Kragen: Mit einem stundenlangen Sitzstreik in der Maschine machten sie ihrem Frust Luft. In einer ersten Reaktion nannte Ryanair das Verhalten „unvernünftig“.

Mit drei Stunden Verspätung war der Flieger am Dienstag erst um 19.15 Uhr Ortszeit im marokkanischen Fes abgehoben, wie Passagiere in der Nacht zum Mittwoch berichteten. Die Maschine landete demnach kurz vor Mitternacht in Lüttich statt in Beauvais - der kleine Flughafen nördlich von Paris hatte nicht mehr geöffnet. Aus Wut über die unangekündigte Änderung blieben mehr als 100 Passagiere, meist französische Touristen auf der Heimreise, einfach sitzen.

Wie Polizei und Feuerwehr am Mittwochmorgen mitteilten, verließen sie erst nach vierstündigen Verhandlungen die Maschine. Die Crew hatte die meuternde Menge schon Stunden zuvor im dunklen Passagierraum ohne Getränke und mit verschlossenen Toiletten zurückgelassen. Trotzdem blieben auch Familien mit kleinen Kindern an Bord.
„Das ist nicht hinnehmbar“, sagte Kundin Mylène Netange. „Ohne uns zu warnen, ist das Flugzeug nicht in Beauvais, sondern in Lüttich gelandet.“ Der Geschäftsmann Reda Yahiyaoui, der mit seiner Frau und zwei Kindern unterwegs war, sagte, die Piloten hätten die Maschine einfach verlassen und dabei demonstrativ die Tür zum Cockpit offengelassen.
„Die Verhandlungen waren so schwierig, dass wir nicht sicher waren, ob sie überhaupt rauskommen würden“, sagte ein Feuerwehrmann der Nachrichtenagentur AFP. Die Leute seien „sehr wütend“ gewesen. Aber schließlich hätten die Passagiere doch überzeugt werden können, das Flugzeug zu verlassen und im Flughafengebäude auf einen Bus zu warten, der sie nach Beauvais bringen sollte.

Ryanair-Sprecher Stephen McNamara konnte den Frust der Passagiere nicht nachvollziehen. Nach seinen Angaben war der Flughafen von Beauvais wegen Nebels geschlossen. Deshalb hätten alle Flüge nach Lüttich umgeleitet werden müssen. Die Passagiere von drei der vier Maschinen seien widerspruchlos ausgestiegen, um von Bussen nach Beauvais gebracht zu werden. Nur die eine Gruppe habe aufbegehrt. Laut dem Sprecher handelte es sich bei der Umleitung um eine „reine Routinemaßnahme“. Wären die Passagiere den Anweisungen der Besatzung gefolgt, wären sie nach McNamaras Angaben schon viel früher mit Bussen nach Hause gebracht worden.

Die irische Billigfluglinie und ihr Chef Michael O’Leary sorgen immer wieder mit unorthodoxen Sparvorschlägen für Schlagzeilen und Unmut: Unter anderem dachte O’Leary bereits über die Einführung einer Toilettengebühr an Bord und Übergewichtszuschläge nach; mal will er eine Art dritte Klasse mit Sitzhockern einführen, dann wieder den Copiloten abschaffen.

afp