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Panorama Snoopy bekommt einen Stern in Hollywood
Nachrichten Panorama Snoopy bekommt einen Stern in Hollywood
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00:23 05.11.2015
Von Imre Grimm
Ein Stern für einen berühmten Beagle: Ein überlebensgroßer Snoopy mit Schlappohren in einem schwarz-weißen Kostüm posierte für die Fotografen und Fans auf dem "Walk of Fame" in Hollywood. Quelle: EPA/MIKE NELSON
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Los Angeles

Sie träumen ja alle vom Ruhm in Los Angeles, von diesem diffusen Sehnsuchtszustand, der zum Monster werden kann. Kellnerinnen, Chauffeure, Tellerwäscher. Auch Carol Burnett träumte mit, damals 18 Jahre alt, Kinoplatzanweiserin im Warner Brothers Theatre am Hollywood Boulevard, Ecke Wilcox Avenue. 1951 lief dort Alfred Hitchcocks "Der Fremde im Zug".

Burnett hatte den Film schon zweimal gesehen – und riet zwei zu früh kommenden Besuchern, sich nicht das Ende anzusehen, sondern auf die nächste Vorführung zu warten, der Spannung wegen. Das Paar beschwerte sich – und Burnetts Chef feuerte sie auf der Stelle. Wegen "Ungehorsams". Noch in der Lobby riss er ihr die Epauletten von der Uniform. Eine Demütigung, die sie nie vergaß.

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26 Jahre später war Carol Burnett ein gefeierter Film- und Fernsehstar. Auf die Frage, wo ihr Stern auf dem Walk of Fame enthüllt werden solle, hatte sie nur eine Antwort: "Hollywood Boulevard, Ecke Wilcox." Exakt dort, wo einst das Kino stand. Die späte Rache der Platzanweiserin.

Mythen und Legenden ranken sich um die berühmteste Sternenstraße auf Erden, die unterhalb der Hollywood Hills über 2,1 Kilometer durch die Filmmetropole verläuft. Wie die Geschichte von Boxlegende Muhammad Ali, der darauf bestand, dass sein Stern nicht im Boden, sondern im Mauerwerk des Dolby Theatre installiert wird, weil "niemand auf mir herumtrampeln soll".

Von Ed O’Neill, dessen Stern – in Erinnerung an seine Al-Bundy-Rolle in "Eine schrecklich nette Familie“ – vor einem Schuhladen enthüllt wurde. Von Julia Louis-Dreyfus’ ("Seinfeld"), deren Name falsch auf dem Stern stand: "Julia Luis Dreyfus". Von der Gruppe älterer Damen, die sich bis zum heutigen Tag alle vier Wochen trifft, um den Stern von Startenor Julio Iglesias auf Hochglanz zu polieren.

Von der wachsenden Schar kostümierter Star-Doppelgänger, die sich im Streit um ein paar Touristen-Dollar neulich wieder prügelten. Von den trauernden Fans, die 2009 nach dem Tod von Michael Jackson ihre Blumen am falschen Jackson-Stern ablegten – dem von Radiostar Michael Jackson, der sich im Alter von 81 Jahren bester Gesundheit erfreut. Oder wie damals 1994 beim U-Bahn-Bau Elvis Presley, Marilyn Monroe, Walt Disney, Bob Hope, Groucho Marx, Gene Kelly und Arnold Schwarzenegger umziehen mussten.

Gestern Abend nun hat – als Geehrter Nummer 2563 – auch Comic-Hund Snoopy einen Stern bekommen, der kleine Beagle mit dem großen Herzen; Flieger, "Joe Cool", Poet, Träumer und bester Freund von Charlie Brown im erfolgreichsten Comicstrip aller Zeiten mit 355 Millionen Lesern in 75 Ländern. 30.000 Dollar kostet eine Sternenzeremonie, zu bezahlen vom Geehrten selbst oder dessen Management.

Für Snoopys Studio 20th Century Fox waren das aber eher, nun ja, Peanuts. Snoopy ist erst der vierte Hund mit Stern – nach Lassie, Rin Tin Tin und Strongheart (alle 1960). Sein Kommentar laut offizieller Pressemitteilung war eher kurz und sachorientiert: "Woof."

Zehn Millionen Besucher jährlich schieben sich über den schmalen Bürgersteig, auf dem nun auch Snoopy mit seinem eigenen, 126 Kilogramm schweren, rötlichen Stern aus geschliffenem Terrazzo-Beton mit Messingkante zu finden ist. Der "Walk of Fame" ist eine der brillantesten Stadtmarketingideen aller Zeiten.

Hollywood war ein düsteres Pflaster in den Fünfzigerjahren, als die Idee geboren wurde. Die großen Fernsehstudios verabschiedeten sich Richtung US-Ostküste, die Angelenos selbst zog es in die Innenstadt. Leere Häuser, Drogengangs und Pfandleihen beherrschten den vermeintlichen Glamourstadtteil.

Bis heute ist das Filmherz der Welt ja erstaunlich grau und höhepunktarm, voller Flachbauten und Hochstapler. Eine Attraktion musste her, eine Idee, die "den Ruhm dieser Kommune mehrt, deren Name in allen vier Ecken der Welt für Glamour und Aufregung steht", wie E. M. Stuart 1953 sagte, damals Hollywoods Handelskammerpräsident.

Sieben Jahre später war Produzent Stanley Kramer dann der Erste, der mit Füßen getreten wurde. Es ist die simulierte Nähe zum Objekt der Begierde, die den Reiz des "Walks" ausmacht. Das Wissen um die körperliche Anwesenheit der Superstars lädt die ansonsten wertlosen Sternlein mit einer Aura der Einzigartigkeit auf, ähnlich wie nebenan, bei den rund 200 Hand- und Schuhabdrücken vor dem "Chinese Theatre".

Die Strahlkraft verringert sich jedoch angesichts einer explodierenden Vielfalt von Walks of Fame in aller Welt zu allen Anlässen. In den USA buhlen mehr als 200 "Halls" und mindestens 26 "Walks" um Aufmerksamkeit, vom "Aerospace Walk of Honor" in Lancaster (Kalifornien) bis zum "Milwaukee Brewers Walk of Fame“ in Lansing (Michigan), vom "Long Beach Motorsports Walk of Fame" bis zur "National Gay and Lesbian Sports Hall of Fame" in Chicago. Allein New York verfügt über nicht weniger als sieben Halls und Walks im Stadtgebiet.

Weltweit herrscht kein Mangel an Fußwegen zur Mehrung des Ruhms: von der "Kazan Alley of Tatar Stars" in der russischen Teilrepublik Tatarstan bis zum Walk of Fame für die Preisträger des Paul-Lincke-Rings der Stadt Goslar auf dem Marktplatz in der Harzgemeinde Hahnenklee-Bockswiese. Vom "Wein Walk of Fame" am Deutschen Weintor in Schweigen-Rechtenbach bis zum "Walk of Fame des Kabaretts" in der Fußgängerzone von Mainz.

Erst vor wenigen Wochen eröffneten im schweizerischen Mürren im Berner Oberland zu Ehren James Bonds ein weiterer "007 Walk of Fame" sowie ein "Sports Legend Walk of Fame" auf den Bahamas. Hätte sich E.M. Stuart seine Idee 1953 patentieren lassen – er hätte sich einen Stern auf dem noch zu gründenden "Stadtmarketing Walk of Fame" verdient. Nun also hat auch Snoopy einen Stern, der seinen Namen trägt.

Hintergrund

2563 Sterne im Abstand von 1,80 Metern sind auf dem "Hollywood Walk of Fame" versammelt. Etwa 20 kommen jedes Jahr dazu, sie sind aufgeteilt in fünf Kategorien: "Film", "Fernsehen", "Musik", "Radio" und "Liveauftritte". Einzig Gene Autry hat einen Stern in allen fünf Kategorien.

Die Entscheidung fällt ein Gremium der Handelskammer von Hollywood. Vier Monde repräsentieren (als einzige Ausnahme) die drei Astronauten der "Appollo 11" Mission und das Datum der ersten Mondlandung am 20. Juli 1969.

Einziger Star mit je einem Stern in allen fünf Kategorien ist Gene Autry. Jüngste Geehrte waren bisher die Zwillinge Mary-Kate und Ashley Olsen, die 2004 im Alter von 18 Jahren einen gemeinsamen Stern bekamen.
15 fiktionale Figuren wurden bisher neben Snoopy geehrt, darunter Bugs Bunny (1985), Micky Maus (1978), Kermit, der Frosch (2002), die Simpsons (2000) und Godzilla (2004). Vorschlagen darf jeder jeden. Anmeldeformulare gibt’s bei der Hollywood Chamber of Commerce, 7018 Hollywood Boulevard, Hollywood, CA 90028. gri

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