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Panorama Das trägt Frau im Sommer
Nachrichten Panorama Das trägt Frau im Sommer
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00:16 16.06.2014
Von Johanna Di Blasi
Der Trend: Knöchel-lange Röcke sind die neue Sommermode. Quelle: dpa
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New York

Mit oder ohne Seitenschlitze umspielen diesen Sommergardinenartigen Stoffe Frauenbeine, vorzugsweise in Koralle, Königsblau, Creme oder zartem Rosé, gerne auch plissiert oder als Vokuhila - vorne kurz, hinten lang. Anleihen bei Hippie-Kleidern der siebziger Jahre sind beim neuen Maxi-Look unübersehbar. Statt Blumigkeit und anarchischem Esprit aber herrscht eher ein Streben nach Upper-Class-Eleganz vor, maximalem Chic sozusagen, bei gleichzeitiger Uniformierung. Zu kaufen gibt es die Maximode aus leicht fließendem Chiffon, Satin oder Seide - und noch häufiger aus wenig handschmeichelnden Kunstfasern - sowohl in Billigketten als auch bei Luxusdesignern.

Bereits vor vier Jahren sagte die New Yorker Trendforscherin Sharon Graubard, Mitarbeiterin der Agentur „Stylesight“, voraus, dass wahrscheinlich dieselbe Klientel, die auf Micro-Mini-Shorts stehe, den Maximodetrend mitmachen werde. Genauso ist es gekommen: Junge modebewusste Frauen haben ihre Hotpants von vergangener Saison im Schrank verstaut und stolzieren jetzt mit knöchellangen Röcken herum - in freiwilliger Selbstverschleierung und unbewusster ästhetischer Nähe zu den Roben muslimischer Frauen.

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Bodenlanger Stoff bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius mag widersinnig erscheinen, doch die Trägerinnen schwärmen, wie luftig und vor allem praktisch der Maxilook sei: „Man kann ihn in der Klasse tragen und direkt zu einer Party oder einem Date gehen und es sieht immer umwerfend aus“, sagt die amerikanische Studentin und Modebloggerin Natalie Roytman. Kommentatoren der deutschen Lifestyle-Plattform „erdbeerlounge.de“ aber sind hin- und hergerissen zwischen: mit „Bauernklamotten“ sei nichts anzufangen und „is so hippie-like, ich mag’s total“.

Die Berliner Modebloggerin Nelly Negret kombiniert lange, ultrafeminine Röcke mit Netzoberteilen und schwarzen Boots, und balanciert so bewusst das Prinzessinenhafte der Beinschleier aus. Taschen, verspielte Sandalen oder die aktuellen Blogger Ketten aus glänzenden Steinen und Perlen kommen durch Maximode besonders zur Geltung. Auffallende Accessoires lenken zudem von der Schlichtheit der Röcke ab. Näher(isch) betrachtet handelt es sich um eine Schwundstufe der Schneiderkunst.

Trendsetter beim Maximodeboom waren einmal mehr die Stars. Das Magazin „Gala“ zählte kürzlich auf, wer alles Maxi von Louis Vuitton über Ann Demeulemeester bis Salvatore Ferragamo trägt: Teresa Palmer, Elsa Pataky, Gwen Stefani, Mena Suvari, Jessica Alba, Ali Larter, Jennifer Lopez, Paris Hilton, Beyoncé Knowles, Kylie Minogue.

Psychologisch betrachtet sind lange, bauschige Röcke mehrdeutig. In seinem Roman „Wide Sargasso Sea“ beschreibt der britisch-karibische Autor Jean Rhys lange, bergende Röcke als Symbol für weibliche Gluckenhaftigkeit, das Behüten der Kücken. Ein Dienstmädchen, dass den Rocksaum hebe und stolz hinaus marschiere, drückt nach Rhys dagegen Selbstbewusstsein aus. Maximode kann auch einen monastischen Touch haben, etwas bei den langen strengen Roben der frühen neunziger Jahre.

Gesellschaftlich ist die Saumlänge von Röcken nicht ganz ohne Belang. Im „Elle-Modelexikon“ steht: „Demoskopisch gesehen senkten sich die Rocksäume immer dann, wenn die konjunkturellen Aussichten schlecht waren.“ Da kann man eigentlich nur auf eine rasche Trendwende hin zur Minimode hoffen.