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Panorama Spanien erlebt schlimme Dürre
Nachrichten Panorama Spanien erlebt schlimme Dürre
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17:10 14.03.2012
Cespedosa-Damm in Salamanca: Dürre macht den Spaniern zu schaffen. Quelle: dpa
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Madrid

Solche Nachrichten gibt es gewöhnlich im Hochsommer: verheerende Waldbrände, verdorrende Ernten, sinkende Wasserstände in den Stauseen. All das erlebt Spanien gerade jetzt, im zu Ende gehenden Winter. In den vergangenen Monaten hat es so gut wie nicht geregnet. In der Hauptstadt Madrid fielen von Dezember bis Februar so wenig Niederschläge wie noch nie, seit darüber Buch geführt wird: seit 1893. Im Rest des Landes sieht es nicht viel besser aus. Es ist der trockenste Winter seit siebzig Jahren. Ein hartnäckiges Hochdruckgebiet über der Iberischen Halbinsel verhindert, dass vom Atlantik Regenwolken nach Spanien einziehen, um dem Durst ein Ende zu bereiten.

Am schlimmsten hat es in den vergangenen Tagen die Pyrenäen erwischt. Am Donnerstag brach in der Nähe des Dorfes Castanesa in der Region Aragón ein Feuer aus, das bis zum Montag in einer der schönsten Gegenden Spaniens 1600 Hektar Wald- und Buschland vernichtet hatte. Waldbrände, die sich über mehr als 500 Hektar ausbreiten, werden als Katastrophe eingestuft. Davon gibt es in Spanien jedes Jahr etwa drei Dutzend - doch gewöhnlich nicht im Winter.

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Der Brand in Aragón breitete sich auch auf das benachbarte katalanische Provinz Lérida aus, wo er am Wochenende das 800-Einwohner-Dorf Vilaller bedrohte. Etliche Häuser mussten evakuiert werden, doch zum Glück kamen am Ende weder Menschen noch Gebäude zu Schaden. In Katalonien brachen in den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres bereits 230 Feuer aus und verbrannten mehr als 1500 Hektar Fläche - siebenmal mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Eine gute Nachricht unter all den Katastrophenmeldungen versuchte gestern der Innenminister Aragóns, Antonio Suárez, zu verbreiten: Die Koordination der Einsatzkräfte habe bestens funktioniert. Dass das Feuer in den Pyrenäen trotzdem bis gestern noch nicht vollständig gelöscht werden konnte, sei dem starken Wind geschuldet, der in den ersten Stunden den Einsatz von Löschflugzeugen unmöglich gemacht habe.

Der spanische Katastrophenschutz hat wohl oder übel Erfahrung mit Großbränden. Die Feuerwehren sind trainiert und gut ausgestattet, aber die Flammen sind ein harter Gegner. Die Statistiken belegen mäßige Erfolge: Während in den neunziger Jahren im Durchschnitt noch jährlich 150000 Hektar Wald- und Buschland verbrannten, waren es im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts rund 125000 Hektar - das entspricht der Hälfte des Saarlandes. Für die Waldbrände ist nicht die Trockenheit verantwortlich, sondern der Mensch. Fehlender Regen wie jetzt schafft bloß die idealen Voraussetzungen dafür, dass menschliche Unachtsamkeit in die Katastrophe führt. In Spanien ist es normal, Gartenabfälle oder Buschwerk zu verbrennen, selbst wenn ein blauer Himmel zur Vorsicht gemahnen sollte.

Die winterliche Trockenheit erhöht nicht nur die Waldbrandgefahr. In den Städten genießen die Menschen Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen, aber zugleich ächzen sie unter der schlechten Luft. Über Madrid, Barcelona und Sevilla wölben sich von weit her sichtbare Abgashauben, doch die Kommunalpolitiker trauen sich nicht, den Autoverkehr einzuschränken. Sie hoffen auf reinigende Regengüsse, die nicht kommen wollen.

Martin Dahms