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Panorama Spurensuche nach tödlicher Bombenexplosion in Göttingen
Nachrichten Panorama Spurensuche nach tödlicher Bombenexplosion in Göttingen
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21:17 02.06.2010
Nach der tödlichen Bombenexplosion in Göttingen hat die Spurensuche begonnen. Quelle: dpa

Der dumpfe Knall war in ganz Göttingen zu hören und riss auch die Menschen in den Vororten aus der Abendruhe. Jennifer Kleingärtner war mit ihrer siebenjährigen Tochter Denise in ihrem Gartenhäuschen an einem drei Kilometer entfernten Kiessee, als um 21.37 Uhr plötzlich der Boden bebte. „Mir war sofort klar, dass die Bombe hochgegangen ist“, sagt die 27-Jährige. Wegen der geplanten Bombenentschärfung hatte die Göttingerin nämlich am frühen Dienstagabend ihre Wohnung räumen müssen – wie auch 7000 weitere Anwohner im Bereich des Schützenplatzes.

Am Mittwochmorgen ist die junge Mutter mit ihrer Tochter zurückgekehrt – mit bangen Gefühlen. „Man denkt schon darüber nach, was da noch so alles im Boden rumliegen könnte.“ Besonders besorgt ist die kleine Denise. „Ich hab’ Angst, dass es noch mal so kracht“, sagt das Mädchen.

Weil nicht auszuschließen ist, dass möglicherweise noch weitere Gefahren auf dem Schützenplatz lauern, bleiben zwei Schulen, zwei Kindertagesstätten und ein pharmazeutischer Betrieb in unmittelbarer Nähe bis heute geschlossen; auch zwei Familien durften einstweilen noch nicht in ihre Häuser zurück. Die Polizei vermutet, dass weitere Blindgänger im „zweistelligen Bereich“ auf dem Gelände des Schützenplatzes zu finden sind. Doch Bombenräumung ist eigentlich zur Routine geworden.

Bei der Explosion einer Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg sind am Dienstagabend in Göttingen drei Menschen getötet und zwei schwer verletzt worden. Die Explosion ereignete sich nach Angaben der Feuerwehr während der Vorarbeiten zur Entschärfung der Bombe.

Völlig unklar war daher noch am Mittwoch, wie es zu dem Unglück kommen konnte. „Wir hatten Probleme beim Abpumpen des Grundwassers“, sagte Göttingens Feuerwehrchef auf einer Pressekonferenz. Besondere Schwierigkeiten habe auch der Säurezünder der Zehn-Zentner-Bombe bereitet. Der Detonationsmechanismus ist so angelegt, dass die Bombe erst mit Verzögerung explodiert. Doch die Männer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst in Hannover hatten bereits am vergangenen Donnerstag mit der Entschärfung einer Bombe gleichen Typs bewiesen, dass sie über genügend Erfahrung verfügen, mit solchen Problemen fertig zu werden. „Wir kriegen das Ding schon hin“, sagte einer der Männer vor dem Einsatz. Kurze Zeit später war er tot.

Bekannt ist, dass die Sprengmeister Thomas Gesk (52) und Gerd Ehler (55) und der Vorarbeiter Torsten E. (38) in die sieben Meter tiefe Grube gestiegen waren, um Vorbereitungen für die Entschärfung der Zehn-Zentner-Bombe zu treffen. „Der Sprengkopf sollte mit einem neuartigen, ferngesteuerten Roboter abgetrennt werden, der mit einem Wasserschneider ausgerüstet ist“, sagt Polizeipräsident Robert Kruse. „Dafür musste man natürlich erst mal an die Bombe ran.“ Erst um 22.30 Uhr, wenn die letzten ICE-Züge auf der nahe gelegenen Bahntrasse vorbeigefahren sind, sollte mit der Entschärfung begonnen werden.

Ob Fehler gemacht wurden, untersucht jetzt eine 25-köpfige Sonderkommission. Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat bereits routinemäßig ein Vorermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Es werde geprüft, ob dem Kolonnenführer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes ein strafbares Verhalten vorzuwerfen sei, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Buick. Entscheidend dürften die Aussagen der acht Kollegen der Getöteten sein. Doch zwei erlitten schwere Verletzungen, die übrigen standen noch unter Schock.

Innenminister Uwe Schünemann stattete den Verletzten gestern einen Besuch im Krankenhaus ab. „Ich bin erschüttert, geschockt und fassungslos“, sagt der Minister. „Dass Bombenentschärfungen gefährlich sind, war schon immer klar. Aber bisher konnten wir uns auf die Professionalität unserer Experten verlassen.“

Die Explosion auf dem Göttinger Schützenplatz zeigt jedoch, wie unkontrollierbar die gefährliche Erblast der Weltkriege sein kann. Am Sonnabend fand auf dem Gelände trotz der bereits entdeckten Bomben noch ein Flohmarkt statt.

Heinrich Thies

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