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Panorama Stärkster Mann im Armdrücken kommt aus Niedersachsen
Nachrichten Panorama Stärkster Mann im Armdrücken kommt aus Niedersachsen
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14:50 26.02.2012
Oliver Kühn deutscher Meister im Armdrücken. Quelle: dpa
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Langenselbold/Hannover

Wenn das neue Schwergewicht der Szene die Bühne betritt, wird es imposant: 170 Kilogramm wiegt Oliver Kühn und stellt mit seiner Wandschrank-Statur alles in den Schatten. Er hat aber nicht nur Masse - auch Klasse: Der 37-jährige Niedersachse, der für Top-Grip Edemissen aus dem Landkreis Peine startet, triumphierte am Samstagabend bei den 25. Deutschen Meisterschaften im Armwrestling.

In der Klosterberghalle im hessischen Langenselbold gewann er mit links den Titel in der offenen Gewichtsklasse. Die erfolgreichsten Armwrestler kommen allerdings aus Hessen: Die Athleten vom Club „Over the Top“ Hanau gewannen allein zwölf Titel.

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Bekannt wurde Armwrestling in Deutschland erstmals so richtig 1987 mit dem Film „Over the Top“. Muskelmann-Mime Sylvester Stallone mühte sich ganz dramatisch zum Weltmeistertitel bei der speziellen Form des Armdrückens. Oliver Kühn ist erst vor zwei Jahren dazu gekommen:
„Marathonlaufen ist halt nicht mein Ding. Ich habe einen Sport gesucht für Männer, mit Kraft und direktem Duell. Da bin ich beim Googeln im Internet fündig geworden“, sagte Kühn, der mit vier Siegen ungeschlagen Meister wurde.

Bemerkenswert ist auch der Auftritt von Matthias Schlitte, der Student mit dem Kampfnamen „Hellboy“ macht aus einem körperlichen Handicap einen Vorteil im Armdrücken. Wegen eines Gendefekts sei sein rechter Arm viel dicker als der linke, erzählt er freimütig. „Der Knochen ist um ein Drittel größer. Ist aber keine Behinderung.“

Schlittes Bizeps-Umfang rechts misst 44 Zentimeter, links 32 Zentimeter. Mit seiner pfannengroßen Hand scheint er Nüsse knacken zu können. In Hanau gewinnt der 24-Jährige Wolfsburger ungeschlagen seinen siebten DM-Titel. Fernab des Sports ist das Leben mit dem dicken Arm nicht einfach: „Beim Hemdenkaufen gibt’s Schwierigkeiten.“

Die stärksten Frauen kommen allerdings aus Hanau. Bei den Meisterschaften gewannen Camilla Kättström (41, mit rechts) und Danny Hagel (37, mit links) vom gastgebenden Club „Over the Top“ die Titel in den schwersten Frauen-Klassen.

Die Atmosphäre in der Klosterberghalle ist so, wie man sich das vorstellt: Aus den Musikboxen hämmern die Bässe zum Flackerlicht der Scheinwerfer, gespielt wird Rammstein, AC/DC und Dance-Music. Bei der Siegerehrung läuft Musik vom „Rocky“-Soundtrack in der Endlosschleife. Die Pokale werden von einer Schönheit im kurzen Schwarzen mit Küsschen überreicht.

Gleich zwei Pokale - Meister mit links, Meister mit rechts - sahnt Kevin Berberich ab. Der 22-jährige Hanauer ist eine der großen Nachwuchshoffnungen in Deutschland. Der junge Mann muss in der Klasse bis 70 kg vor allem seine Technik einsetzen. In einer Nervenschlacht gegen seinen Bochumer Gegner Philipp Stahlhofen rutschen den Kontrahenten immer wieder die Hände auseinander.

Am Ende müssen die geschundenen Handgelenke der beiden mit einem Nylon-Riemen fixiert werden - und Berberich, das Show-Talent, siegt und posiert mit angespannten Muckis vor den jubelnden Zuschauern. 

dpa