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Panorama Streitschlichter von 20 Jugendlichen bewusstlos geprügelt
Nachrichten Panorama Streitschlichter von 20 Jugendlichen bewusstlos geprügelt
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17:52 22.03.2011
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Anfangs ging es nur um Internetmobbing, dann eskalierte die verbale Hetze zu brutaler Gewalt. In Berlin hat eine Gruppe von Jugendlichen einen 17-Jährigen zusammengeschlagen und ihn krankenhausreif geprügelt. Der junge Mann wollte seine Freundin vor massiven Beleidigungen auf einer berüchtigten Internetplattform durch ihre Mitschülerinnen beschützen und wurde von 20 anderen Jugendlichen überfallen. Sechs der mutmaßlichen Täter nahm die Polizei am Montag fest. Unter den mutmaßlichen Gewalttätern ist auch ein 16-Jähriger, der von der Staatsanwaltschaft als sogenannter Intensivtäter beobachtet wird. Auch die anderen seien der Polizei „nicht unbekannt“.

Die Tat ereignete sich bereits am Samstagabend in Berlin-Wedding. Sie erinnert an Gewalttaten von Jugendbanden in den vergangenen Wochen, etwa an den Überfall auf zwei Handwerker im S-Bahnhof Lichtenberg. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) teilte mit: „Das Netz ist zu Recht kein rechtsfreier Raum. Wir gehen entschieden gegen Beleidigungen, Mobbing und Gewalt in der Schule vor.“

Der 17-jährige Jugendliche litt gemeinsam mit seiner 18-Jährigen Freundin unter den Beleidigungen und Diffamierungen im Internet. Mitschülerinnen einer Sekundarschule in Reinickendorf-Hermsdorf mobbten die 18-Jährige laut Polizei über einen längeren Zeitraum. Ihr Freund wollte die Angriffe beenden und verabredete sich daher zu einer Art Schlichtungsgespräch mit den anderen Schülerinnen am Samstag. Der Versuch scheiterte schnell. Mehrere junge Männer tauchten auf und warfen dem 17-Jährigen vor, ihre Freundinnen zu bedrohen.

Auf dem Heimweg traf der 17-Jährige am U-Bahnhof Osloer Straße erneut auf die Gruppe. Die mittlerweile etwa 20 Jugendlichen zerrten ihn auf einen Parkplatz und schlugen und traten auf ihr Opfer ein. Als der „wütende Mob“ von ihm abließ, habe der 17-Jährige laut Zeugenaussagen bereits bewusstlos auf dem Boden gelegen und sich nicht mehr geregt, so die Polizei. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte ein Schädelhirntrauma und mehrere Blutergüsse am Kopf. Der junge Mann muss länger im Krankenhaus bleiben.

Die Mobbingangriffe auf die Freundin des Opfers erfolgten wohl auf der Seite isharegossip.com, die mittlerweile zu trauriger Berühmtheit gelangte. Neben zahlreichen Beleidigungen gegen Schüler wurden hier auch die Amokdrohungen der vergangenen Woche veröffentlicht, nach denen Schulen in Berlin mehrere Tage geschlossen blieben. Die Betreiber der Seite werben damit, dass die IP-Adressen der Nutzer nicht ermittelt werden und so alle anonym bleiben können.

Zusammen mit dem 16-jährigen Wiederholungstäter sollten am Abend auch ein 15-Jähriger und ein 17-Jähriger einem Richter vorgeführt werden, der über Haftbefehle entscheidet. Zwei 14 und 15 Jahre alte Mädchen sowie ein weiterer junger Mann wurden nach der Festnahme wieder entlassen.

Senator Zöllner erklärte, wer moralische oder strafrechtliche Grenzen überschreite und aus einer vermeintlichen Anonymität heraus beleidige und angreife, erliege einer Scheinsicherheit. „Jeder sollte damit rechnen, dass Straftaten von der Schule und der Polizei geahndet werden.“ In der nächste Woche soll es ein Fachgespräch zwischen Polizei, Schulpsychologie, Schulleitern, Schulräten sowie Schülersprechern geben, um das weitere Vorgehen abzustimmen

Jürgen Gutheil, Referatsleiter in der Senats-Schulverwaltung für Reinickendorf, sagte der dpa über die Internetseite: „Wir erwarten, dass die Betreiber aufgespürt werden und die Seite endlich abgeschaltet wird.“ Schockiert zeigte sich der Berliner CDU-Fraktions- und Landesvorsitzende Frank Henkel: „Die zunehmende Verrohung muss endlich gestoppt werden. Die Straße gehört den Menschen in den Kiezen und nicht gewalttätigen Jugendbanden.“

Für Aufsehen und Entsetzen hatte zuletzt besonders ein Überfall vom 12. Februar gesorgt. Ein 14-jähriger und drei 17-jährige Jugendliche griffen im S-Bahnhof Lichtenberg zwei Handwerker an und verletzten einen von ihnen lebensgefährlich. Die Täter, die noch zur Schule gingen, sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Das Opfer lag lange im Koma und leidet immer noch unter den schweren Gehirnverletzungen. Der Mann kann kaum sprechen, sich schlecht bewegen und wird weiterhin im Krankenhaus behandelt.

dpa