Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Streusalzmangel: Bei Blitzeis drohen Autobahn-Sperrungen
Nachrichten Panorama Streusalzmangel: Bei Blitzeis drohen Autobahn-Sperrungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:19 29.12.2010
In Niedersachsen ist der Winterdienst derzeit nur eingeschränkt möglich. Quelle: dpa
Anzeige

Vielen Städten und Gemeinden in Deutschland geht das Streusalz aus, weil sie sich offenbar nicht an dringende Empfehlungen der Verkehrsministerkonferenz gehalten haben. Die „Rheinische Post“ (Mittwochausgabe) zitiert aus einem internen Strategiepapier des Gremiums unter der Überschrift „Maßnahmen zur Vermeidung eines Salznotstandes“, in dem Experten bereits im August klare Vorgaben für unbedingt notwendige Streusalzmengen auflisteten.

Für vierstreifige Autobahnen sollten die Winterdienste danach mindestens zehn Tonnen Salz pro Kilometer bevorraten, für zweispurige Bundes-, Landes-, Kreis- und innerstädtische Straßen seien mindestens 3,5 Tonnen je Kilometer als Mindestreserve unerlässlich. Nach Stichproben der Zeitung hielten manche Städte aber nicht einmal die Hälfte jener Mindestmengen auf Lager. Im vergangenen Winter hätten gerade 20 Prozent der Städte über ausreichende Mindestvorräte verfügt.

Anzeige

Nach Recherchen von "Spiegel Online" hatten Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg bereits im Sommer rechtzeitig mit dem Bunkern von Streusalz begonnen. Hingegen sei der Streusalzmangel besonders in Niedersachsen eklatant. Dort könnten bei erneutem Blitzeis und weiter schrumpfenden Streusalz-Vorräten im Ernstfall auch die Sperrungen von Autobahnen in Niedersachsen erforderlich sein.

„Wir können das nicht ausschließen, es wäre aber sicher nur die Ultima Ratio“, sagte ein Sprecher des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums am Mittwoch in Hannover. Trotz Lieferengpässen bei einigen Herstellern und eingeschränkten Winterdienstes bemühten sich die Behörden, genügend Salzreserven gegen neue Eisschichten auf den Fernstraßen bereit zu halten. „Wir haben eine außergewöhnliche Situation auch in diesem Winter.“ Derzeit seien noch 7500 Tonnen Salz in den Lagern. Sollte sich die Wetterlage in den kommenden Tagen verschlechtern, könnten in Niedersachsen schon nach Silvester 100.000 Tonnen Streusalz verbraucht sein. „Das wäre bereits die Menge, die wir sonst in einer gesamten normalen Wintersaison benötigen“, hieß es. Gestartet sei man im Spätherbst mit 73.000 Tonnen eingelagerten Salzes.

Der Kritik von Autofahrern, dass auf Autobahnen oft nur die rechte Spur gestreut werde, hielt die niedersächsische Landesregierung die Notwendigkeit von Einsparungen beim Salz entgegen: „Auch in anderen Bundesländern gibt es aktuell einen eingeschränkten Winterdienst. Außerdem sehen die Autofahrer so, dass es auf den anderen Spuren weiter glatt ist.“ Bislang verliefen die meisten Glätteunfälle aus Sicht des Ministeriums glimpflich. Man sei jedoch „weit entfernt“ davon zu sagen, dass sich die Wetter- und Verkehrslage zuletzt entspannt habe.

Der Städte- und Gemeindebund sieht keine Versäumnisse beim Winterdienst in Niedersachsen. Die Forderung, dass Kommunen im Sommer noch mehr Salzvorräte anlegen sollten, sei realitätsfern und nicht finanzierbar, erklärte Sprecher Thorsten Bullerdiek am Mittwoch in Hannover. Salz könne nur maximal ein Jahr gelagert werden und es sei nicht kalkulierbar, wann ein Winter so hart werde. Das Streusalz fresse schon jetzt den Etat der Kommunen auf. Normalerweise koste eine Tonne 60 bis 70 Euro. Aktuell seien es 250 bis 300 Euro. Doch auch die vielen Überstunden im Winterdienst und die Reparaturen der Straßen kosteten viel Geld. Es sei einfach nicht möglich, jede Nebenstraße zu räumen, betonte Bullerdiek. „Daher muss der Bürger auch mal selbst zur Schaufel greifen.“

Trotz des anhaltenden Winterwetters rechnet der ADAC nicht mit einer dramatischen Verkehrslage zum Jahreswechsel. Lediglich der Rückreiseverkehr könnte am Neujahrstag für mehr Verkehr als üblich sorgen. „Wer kann, sollte nicht am Tage, sondern abends oder nachts fahren“, sagte eine ADAC-Sprecherin am Mittwoch. Autofahrer sollten vor der Abfahrt die aktuelle Wettervorhersage beachten. Auf längeren Reisen sollten vorsichtshalber Decken, warme Getränke und Spiele für die Kinder mitgenommen werden.

dpa/dapd/frs

Mehr zum Thema

Der Dauerfrost hält Niedersachsen weiter in seinem eisigen Griff. Während sich die Lage auf den Straßen, den Flughäfen und bei der Bahn aber langsam entspannt, ist nun die Schifffahrt betroffen. Güterschiffe sind festgefroren, der Fährverkehr hat Probleme.

28.12.2010

Auch nach den Weihnachtstagen hat der Winter Niedersachsen fest im Griff: Im Südosten des Landes sind einige Straßen wegen umgeknickter Bäume unpassierbar. Die A1 ist gesperrt: Dort ereignete sich in den Morgenstunden ein Lastwagen-Unfall. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

27.12.2010

Einsetzendes Tauwetter hat der Feuerwehr am Montag viel Arbeit beschert. Im gesamten Stadtgebiet drohten Eiszapfen und Dachlawinen auf die Straße zu fallen. Die Helfer waren mit fünf Drehleitern pausenlos ganztägig unterwegs.

Tobias Morchner 27.12.2010