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Panorama Suche nach Polizistinnen-Mörder geht weiter
Nachrichten Panorama Suche nach Polizistinnen-Mörder geht weiter
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16:28 28.03.2009
Eine DNA-Spur, die an Tatorten in Deutschland und im Ausland gefunden worden war, ist durch verunreinigte Wattestäbchen entstanden. Quelle: Michael Latz/ddp
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Von einem Neuanfang bei den Ermittlungen könne keine Rede sein. Gleichwohl sprach er am Sonnabend von einem „herben Rückschlag“ bei den Ermittlungen. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) kündigte unterdessen an, Konsequenzen aus der Panne zu ziehen.

Am Freitag war bekanntgeworden, dass es das „Phantom“, nach dem die Polizei jahrelang wegen verschiedener Straftaten gesucht hatte, nie gegeben hat. Eine DNA-Spur, die an Tatorten in Deutschland und im Ausland gefunden worden war, war durch verunreinigte Wattestäbchen entstanden. Das Erbgut stammte von einer Verpackerin aus einem Betrieb in Bayern.

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Rech sagte am Samstag am Rande eines CDU-Landesparteitags in Ludwigsburg, es müsse beim Untersuchungsmaterial für DNA-Tests „ein Höchstmaß an Qualitätssicherung“ erreicht werden. Er werde dieses Thema in die Innenministerkonferenz einbringen. Darüber hinaus seien auch organisatorische Änderungen vorstellbar, etwa eine Bündelung kriminaltechnischer Institute.

Rech fügte hinzu, derzeit werde an der Aufklärung des gesamten Vorgangs gearbeitet. Dabei werde unter anderem untersucht, welche Chargen der Probeentnahme-Bestecke wohin geliefert wurden und was in der Produktbeschreibung stand. Am 1. April wolle er den Innenausschuss des baden-württembergischen Landtags unterrichten. Spekulationen, kriminaltechnische Institute hätten aus Kostengründen Wattestäbchen einer minderwertigen Qualität bestellt, wies Rech zurück. Dies könne er sich „nicht vorstellen“.

Schadensersatzforderungen gegen die für die Verunreinigung verantwortliche Firma schloss Rech weiter nicht aus. Auch diese Möglichkeit werde im Rahmen der Überprüfung erörtert. Allerdings müsse man zunächst die Ergebnisse abwarten, bevor sich mögliche Forderungen „qualifizieren und quantifizieren“ ließen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) schloss Konsequenzen ebenfalls nicht aus. Die Ermittlungsbehörden würden sich sicherlich mit dem Vorfall beschäftigen, sagte er am Rande der CDU-Veranstaltung. Zweifel an der Zuverlässigkeit von DNA-Analysen wies er zugleich zurück. Mit einer DNA-Spur lasse sich eine Person identifizieren. Sie sage dagegen nichts darüber aus, was eine Person getan habe. Genau diese Zuverlässigkeit habe sich auch im Fall der verunreinigten Wattestäbchen bestätigt.

Soko-Leiter Huber bezeichnete die Ermittlungspanne als „herben Rückschlag. „Wir hatten die Hoffnung, einen Schritt weiter zu kommen. Diese Hoffnung ist nun begraben“. Gleichwohl sei sein Team hoch motiviert, die Fälle weiter aufzuklären.

Die DNA-Spuren des vermeintlichen „Phantoms“ waren seit 2001 an insgesamt 40 Tatorten gefunden worden, unter anderem im April 2007 bei dem Mord an der Polizistin in Heilbronn. Am Freitag wurde klar, dass es sich nicht um das DNA-Material einer Serientäterin, sondern um das einer Arbeiterin des Betriebs handelt, in dem die für die Spurensicherung verwendeten Wattestäbchen verpackt wurden.

Der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger äußerte sich über die Entdeckung „entsetzt, aber auch erleichtert“. Der Rechtsmediziner Bernd Brinkmann aus Münster wies darauf hin, dass die mögliche DNA-Verunreinigung sterilisierter Wattestäbchen in Fachkreisen seit zehn Jahren bekannt sei.

ddp