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Panorama TV-Spots sollen Migranten Wege in technische Berufe aufzeigen
Nachrichten Panorama TV-Spots sollen Migranten Wege in technische Berufe aufzeigen
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13:47 23.07.2009
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Nejdet Niflioglu ist einer, der es geschafft hat. Der 46-jährige Türke hat in Deutschland eine steile Karriere hingelegt und arbeitet seit mehr als 19 Jahren in der Logistik bei Daimler. Der Betriebswirt hat vor 17 Jahren das Mitarbeiternetzwerk Türk-Treff seines Unternehmens gegründet. Er dient vielen Landsleuten als Vorbild. Menschen wie Niflioglu sollen künftig auch andere Türkischstämmige dazu motivieren, nach anspruchsvollen Berufen zu streben oder ihre Kinder zu einem solchen Bildungsweg zu animieren.

Niflioglu findet die Idee „großartig“. Zum ersten Mal gehe jemand „in die Wohnzimmer der Menschen“ und spreche „die Familie als soziale Einheit an“, sagt er. In der türkischen Gesellschaft sei die „Familie ein hohes Gut“ und treffe alle wichtigen Entscheidungen mit.

Ziel ist es, sozial abgeschlossene, bildungsferne und traditionell ausgerichtete Gruppen zu erreichen, sagt ZKM-Leiter Michael Mangold. Die Spots sind in türkischer Sprache mit deutschen Untertiteln, im Internet gibt es weitere Informationen zu den Berufswegen. Die Spots stellen vor allem Berufe vor, in denen der Fachkräftemangel gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt verspricht. Dabei soll gezeigt werden, wie man etwa mit Realschulabschluss noch Wirtschaftsingenieur werden kann. Die Einführung übernehmen Familienmitglieder, was den Filmen eine noch persönlichere Note verleiht.

Niflioglu macht bei seinen Landsleuten durchaus „Lücken“ aus, was das Wissen über die Möglichkeiten im Bildungssystem angeht. Türken hätten große Hochachtung vor gebildeten Menschen. Die Eltern nähmen gerne am Bildungsleben teil, hätten aber manchmal Scheu, etwa mit Lehrern in Kontakt zu treten, sagt er. „Diese Scheu muss man ihnen nehmen.“ Zugleich seien sie „sehr stolz auf die eigene Landsmannschaft“. Gerade Menschen, „die es hier geschafft haben“, könnten als Vorbild dienen.

Die Porträts zeigen laut Niflioglu „ganz unterschiedliche Menschen, die sehr offen und persönlich und glaubwürdig berichten“. Es werde „sehr behutsam“ auf die jeweilige familiäre Situation eingegangen.

Besonders wichtig findet es der zweifache Familienvater, dass über die Spots die Karrieremöglichkeiten über den zweiten Bildungsweg aufgezeigt werden. Dies zeige, dass „im Familienrat getroffene Entscheidungen noch gewandelt werden können“.

Das Medienkonzept basiert auf jahrelangen wissenschaftlichen Untersuchungen, wie Mangold erläutert. „Das Fernsehen ist im türkischen Kontext noch immer unangefochten das Hauptmedium.“ Zudem sei die türkische Kultur eine „Erzählkultur“. Wissen werde dort in erster Linie erzählerisch weitergegeben. Am besten funktioniere der erzählende Zugang, wenn auch persönliche Hintergründe eingebracht werden.

Überwiegend werden in den Spots „sehr komplizierte Berufswege“ vorgestellt, die die Beispielgebenden mit „enorm viel persönlichem Einsatz“ bewältigt haben. Einer etwa zeigt den Weg vom Hauptschul- bis zum Studienabschluss nach. Die Filme sollen das Bewusstsein vermitteln, dass es „reale Möglichkeiten“ gibt, mit viel Fleiß am Ende sein Diplom in der Tasche zu haben. „Eltern sollen Chancen für ihre Kinder sehen“, betont Mangold.

Beim Sender TGRT-EU wurde die Idee positiv aufgenommen. „Die verspüren eine große Verpflichtung gegenüber ihren Leuten“, berichtet Mangold. Und die Zusammenarbeit klappe „wesentlich reibungsloser, schneller und unbürokratischer als mit deutschen Sendern“. Noch im Juli sollen täglich zwei, drei Spots bundesweit laufen.

ddp