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Panorama Tausende protestieren gegen den Papst
Nachrichten Panorama Tausende protestieren gegen den Papst
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18:11 22.09.2011
Nicht alle Berliner sind vom Besuch des Papstes begeistert. Quelle: dpa
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Berlin

Einige tausend Menschen haben am Donnerstag im Zentrum Berlins gegen den Besuch des Papstes protestiert. Nach einer Auftaktkundgebung wollten die Demonstranten am frühen Abend vom Potsdamer Platz zur Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz, der Hauptkirche der Berliner Katholiken, ziehen. Auch Bundestagsabgeordnete nahmen teil, die die Rede des Papstes im Parlament nicht hören wollten.

Der Abgeordnete Rolf Schwanitz (SPD) sagte: „Ich lasse mich doch nicht einschüchtern, ich bin freier Bundestagsabgeordneter.“ Und weiter: „Ich finde das wichtig, dass man sich nicht wegduckt und ein Zeichen setzt.“ Der Auftritt des Papstes im Bundestag sei eine Verletzung des Neutralitätsgebotes des Staates.

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Zu der Demonstration aufgerufen hatte ein Bündnis aus knapp 70 Organisationen, initiiert hatte es der Lesben- und Schwulenverband (LSVD). Das Motto lautete: „Keine Macht den Dogmen“.

Ein Polizeisprecher sagte: „Bislang verlief alles ohne Störungen.“ Es seien nur einige Platzverweise erteilt worden, weil Demonstranten Absperrungen ignorierten. Ein Demonstrant sei wegen Beleidigung angezeigt worden, weil er ein Plakat mit der Aufschrift „Schweinepriester“ trug. Rund 6000 Polizisten waren im Einsatz, darunter zahlreiche Beamte aus anderen Bundesländern sowie von der Bundespolizei.

Unterdessen füllte sich das Olympiastadion, wo Benedikt XVI. am Abend mit rund 70 000 Gläubigen eine Messe feiern wollte. Um 16 Uhr seien bereits rund 6000 Besucher im Innenraum des Stadions angekommen. Alle mussten sich vorher von der Polizei kontrollieren lassen. Auf den Zufahrtsstraßen standen am Nachmittag zahlreiche Busse aus ganz Deutschland.

„Weniger Religion = mehr Menschenrechte“

Unter den Gegendemonstranten waren Menschen aller Altersstufen. Viele kamen aus der linksalternativen oder homosexuellen Szene. Sie setzten auf bunte Protestformen und verkleideten sich mit lila Hemden oder goldenen Umhängen und Mützen als Priester oder Papst. Ein Jackett trug den Schriftzug: „Gottlos glücklich“. Auf einem Transparent hieß es: „Weniger Religion = mehr Menschenrechte“ und „Wir sind NICHT Papst!“. Auf einer Tasche stand: „Besser bisexuell als bigott.“ Andere Demonstranten verteilten Kondome.

Weitere Demonstrationsteilnehmer hatten ernste Anliegen. Frühere Heimkinder wiesen auf den Missbrauchsskandal hin. Ein Mann trug ein Schild: „Heiliger Vater, ich bin ein Priesterkind, war 14 Jahre im Heim und wurde sexuell misshandelt.“

Am Brandenburger Tor hatten schon am Mittag knapp 100 frühere Heimkinder und Missbrauchsopfer demonstriert. Sie stellten eine überlebensgroße Nonnenfigur aus Pappe auf, die in der einen Hand ein Kreuz, in der anderen einen Stock trug. Auf der Figur stand: „Nie wieder“. Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hatte weltweit Erschütterung und Protest ausgelöst.

Auf der Spree schipperten am Mittag Papst-Gegner auf einem selbstgezimmerten Floß. Ausgerüstet waren sie mit Anti-Papst-Plakaten und Bierkisten. Polizisten stoppten das Floß und durchsuchten es. Junge Männer am Brandenburger Tor trugen weiße Pappmützen, auf denen eine durchgestrichene Papstfigur im Stil des Films „Ghostbusters“ als Geist zu sehen war.

dpa