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Panorama Thomas Gottschalk schwelgt bei „Wetten, dass ...?“ in Erinnerungen
Nachrichten Panorama Thomas Gottschalk schwelgt bei „Wetten, dass ...?“ in Erinnerungen
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21:47 09.10.2011
Von Marina Kormbaki
Der elfjährige Hagen (r.) rockt, Peter Maffay tut’s ihm nach, Gottschalk ist entzückt. Quelle: dpa
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Doch während es die CSU vermocht hat, mit der Nichtwahl Peter Gauweilers zu ihrem Vizechef das Abdriften in die Vergangenheit gerade noch so abzuwenden, wähnte man sich bei Gottschalks drittletzter „Wetten, dass ...?“-Ausgabe festgeklebt zwischen den Blättern eines Fotoalbums.

Gottschalks Sendung scheint schon im Moment ihrer Ausstrahlung einen Sepiastich zu haben, was nicht zuletzt an den ewigen Wiederkehrern auf dem Sofa liegt. Peter Maffay ist da, zum 17. Mal. Klar, dass man sich nach so vielen Besuchen nicht mehr viel zu erzählen hat. Gottschalk freut sich trotzdem, schließlich haben seine Zuschauer zuvor eine der vielen „Über sieben Brücken musst du geh’n“-Darbietungen Maffays zu einem ihrer liebsten Showacts gewählt, nur noch getoppt von Take That, wie sie 1995 zu viert „Back for Good“ anstimmten, und Michael Jackson, als er im selben Jahr zu „Earth Song“ gegen Windmaschinen ansang. Die dazugehörigen Nostalgie-Filmchen kündigt Gottschalk mit einem schönen Versprecher an: „Für die Älteren, die sich nicht mehr erinnern können – äh, die Jüngeren.“

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Was gibt’s Neues? Nichts. Also spricht man über die gute, alte Zeit. Damit auch jeder der 9,06 Millionen Zuschauer da draußen begreift, dass hier etwas ganz Großes unwiederbringlich zu Ende geht. Man spricht zum Beispiel über Sarah Connors ersten Auftritt bei „Wetten, dass ...?“ vor zehn Jahren, als die Souldiva aus Delmenhorst in einem arg perforierten Kleidchen auf der Bühne stand. Im Rückblick taugen selbst Peinlichkeiten und Fauxpas als Geschichtskitt. Und so säuselt Michelle Hunziker in einem aufrichtigen Moment der Wehmut ihrem Großmeister zu: „Thomas, mit dir bin ich groß geworden!“ Der weiß die Anerkennung auf die ihm eigene Herrenart zu erwidern und nennt seine Assistentin eine „Granate“. „Granate!“, sagt sie, „oh, danke, Thomas!“

Seinen Gästen lässt Gottschalk nicht so viel Aufmerksamkeit zuteil werden. Dabei ist Komiker Rowan Atkinson alias Mr. Bean mal so richtig in Plau­derlaune (Hunziker: „Thomas, es ist schön, ihn sprechen zu hören!“), und auch die britische Sängerin Jessie J. hat viel Zeit mitgebracht. Wofür?, wird sie sich wohl gefragt haben.

Dass die Sendung dennoch über fast drei Stunden trägt, liegt an den schrägen Wetten des Abends. Zum Wettkönig bringt es ein junger Berliner, der schneller als ein Pferd über einen Parcours springen will. Pferd schlägt Mann, er scheitert knapp. Ein anderer hüpft auf einem sattellosen Rad eine Rolltreppe empor, auch schön. Ein Dritter kann seine Freunde an ihren Schluckgeräuschen unterscheiden. Die Sensation des Abends aber ist zu Gottschalks großer Freude der elfjährige Hagen: Drei Sekunden Gitarrensolo genügen ihm, um zu erkennen, welcher AC/DC-Song gerade läuft. Als sei das nicht schon spektakulär genug, lässt der Elfjährige in Rockerpose auch noch das Gitarrenriff aus „Thunderstruck“ aus den Saiten sprudeln. „Dich hätte ich meinem Nachfolger nicht gegönnt“, raunt Gottschalk dem Jungen zu.

Am Ende der Sendung muss Hagen noch mal ran, zum Hüpfballrennen. Eigentlich wären die Wettverlierer vom Sofa dran, aber Gottschalk hat längst den Überblick verloren, wer Gewinner ist und wer Verlierer. Er schnappt sich kurzerhand Hagen und den Ball. Ein schön anarchischer Moment ist das, als Gottschalk der Nostalgie-Revue in großen Sprüngen davonhüpft.

09.10.2011
09.10.2011