Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Tiere suchen kein Zuhause
Nachrichten Panorama Tiere suchen kein Zuhause
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:29 24.11.2011
Von Stefanie Nickel
Männchen machen: Für viele Zirkusse sind Elefanten, Affen und Löwen ein Publikumsmagnet. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Die Berufsbezeichnung Zirkusdompteur könnte bald der Vergangenheit angehören. Zumindest wenn es nach dem Willen der Bundesländer und der Tierschutzorganisationen ginge. Vor rund zwei Wochen hatte der vertraulich tagende Agrarausschuss des Bundesrats einstimmig für ein Wildtierverbot votiert. Am Freitag will der Bundesrat nun über das Verbot abstimmen. Sie könnten also bald vorbei sein, die Zeiten, in denen Elefanten im Schummerlicht der Zirkusmanege Männchen machen, Löwen auf Trapezen balancieren und in Fracks gehüllte Affen den Spaßmacher mimen.

Massiven Protest gegen die Haltung von Wildtieren hatte es zuletzt in Hamburg gegeben, wo der Münchener Circus Krone im Oktober gastierte. Der Hamburger Senat hatte daraufhin eine Bundesratsinitiative für ein Wildtierverbot in deutschen Zirkussen auf den Weg gebracht – der zweite Anlauf nach einer Initiative 2003.

Anzeige

Der Deutsche Tierschutzbund hält es für längst überfällig, dass Affen, Elefanten, Giraffen und Nashörner aus der Manege verbannt werden. „Wir erwarten ein starkes Signal aus dem Bundesrat und gehen davon aus, dass die Bundesregierung sich bei diesem Thema dann endlich bewegt“, sagt der Präsident des Tierschutzbundes, Thomas Schröder.

Schließlich sei die artgerechte Haltung von Wildtieren im Zirkus vollkommen unmöglich. Der ständige Transport und die ungenügende Unterbringung seien inakzeptabel. Auch die bayerische Staatsregierung unterstützt die Bundesratsinitiative. „Diese Tiere haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang und ein hoch entwickeltes Sozialverhalten“, sagt der für den Tierschutz verantwortliche Umweltminister Marcel Huber (CSU).

Der Münchener Circus Krone hingegen befindet ein Verbot für „unnötig“. Deutschland habe ein hervorragendes Tierschutzgesetz, sagt Frank Keller, Sprecher und Tierbeauftragter von Circus Krone. Es gebe zwar Zirkusse, die ihre Tiere weniger gut behandelten, aber die Behörden müssten in diesen Fällen eingreifen. Zustimmung findet Keller bei dem Freiburger Verhaltensforscher Immanuel Birmelin.

Er glaubt, dass die Tiere ebenso gern in Gefangenschaft wie in freier Wildbahn leben. Untersuchungen auf das Stresshormon Cortisol bei Löwen hätten ergeben, dass die Tiere sich in der Obhut des Menschen genauso wohlfühlten wie in der freien Wildbahn. Einem Verbot fehle die wissenschaftliche Grundlage, meint der Verhaltensforscher. Auch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) steht einem Wildtierverbot skeptisch gegenüber, weil das ein Berufsverbot für Dompteure bedeuten würde und damit verfassungswidrig sei.

Um die Zukunft der Zirkusse sorgt sich Thomas Schröder, Präsident des Tierschutzbundes, nicht. „Es gibt genügend Beispiele, wie ein Zirkus auch ohne Wildtiere funktionieren kann“, sagt er. Ein Verbot von Wildtieren sei nicht mit dem Aussterben von Zirkussen gleichzusetzen. Daher greife auch das Argument nicht, dass mit einem Verbot die durch das Grundgesetz garantierte Berufsfreiheit eingeschränkt werde.

Nach Informationen des Tierschutzbundes haben bereits 13 europäische Staaten ein vollständiges oder teilweises Verbot von Wildtieren in Zirkussen erlassen. Auch der Bundesrat hatte bereits 2003 einem Entschließungsantrag zugestimmt, wonach ein zentrales Zirkusregister eingeführt werden und ein Haltungsverbot für Affen, Elefanten und Großbären gelten sollte. Das Zirkusregister gibt es inzwischen, das Verbot wurde von der Bundesregierung bisher aber nicht ausgesprochen.

mit dapd 

Mehr zum Thema

Seit Jahren kämpfen Tierschützer für ein Verbot der Auftritte von Bären und Elefanten in deutschen Zirkussen. Eine Empfehlung der Bundesländer bringt sie nun ihrem Ziel deutlich näher.

08.11.2011
Aus der Stadt Debatte um Wildtierhaltung - Zirkus in Bedrängnis

Ab dem 19. Oktober gastiert der Circus Krone wieder einmal in Hannover. In diesem Jahr stellt das Unternehmen sein Programm zum 100-jährigen Jubiläum vor. Begleitet wird die Zirkuskunst von einer Debatte über die Haltung von Wildtieren.

07.10.2011
Panorama Verdacht auf Verstoß gegen Tierschutzgesetz - Circus Krone wird Tierquälerei vorgeworfen

Dem Münchener Circus Krone wird Tierquälerei vorgeworfen. Einem Bericht des ARD-Magazins „Report Mainz“ zufolge soll der Circus auf seiner diesjährigen Tournee gegen das deutsche Tierschutzgesetz und die Zirkusleitlinien verstoßen haben.

22.12.2008