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Panorama Tödlicher Unfall: Gefängnis für 64-Jährigen
Nachrichten Panorama Tödlicher Unfall: Gefängnis für 64-Jährigen
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15:16 28.01.2011
Das Amtsgericht Stadthagen hat den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Quelle: dpa (Archiv)
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Bei einem riskanten Überholmanöver schneidet ein 64-Jähriger ein Familienauto und verursacht einen Unfall mit drei Toten: Das Amtsgericht Stadthagen hat den Angeklagten am Freitag wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. „Rücksichtsloses Lückenspringen bringt das Gesamtverhalten des Angeklagten auf den Punkt“, sagte der Vorsitzende Richter Kai Oliver Stumpe in seiner Urteilsbegründung. Bei dem Unfall auf einer Bundesstraße nahe Bad Nenndorf waren im vergangenen April drei Menschen gestorben und drei weitere verletzt worden.

„Trotz Gegenverkehrs hat der Angeklagte mehrfach riskant überholt und andere Autofahrer geschnitten“, stellte der Vorsitzende Richter fest. Dafür gebe es übereinstimmende Zeugenaussagen. Zudem sei der Angeklagte viel zu schnell unterwegs gewesen. Das Gericht schloss aber auch nicht aus, dass der Fahrer des verunglückten Autos mit zum Unfall beigetragen hat, da er ebenfalls zu schnell gefahren war. Zunächst war auch gegen ihn wegen fahrlässiger Tötung ermittelt worden, das Verfahren wurde jedoch eingestellt.

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Der Familienvater war kurz nach dem Überholmanöver des Angeklagten mit seinem Wagen nach rechts von der Straße abgekommen und mit rund 110 Stundenkilometern gegen einen Baum geprallt. Das Fahrzeug riss auseinander und schleuderte auf die Straße zurück. Seine 24 Jahre alte Ehefrau, sein kleiner Sohn und seine 16 Jahre alte Schwägerin starben in den Trümmern des Autos. Ein entgegenkommender Motorradfahrer, der Familienvater selbst und seine dreijährige Tochter wurden schwer verletzt.

Der Angeklagte, der 30 Jahre lang als Lastwagenfahrer gearbeitet hatte, erklärte vor Gericht, dass der Fahrer des überholten Autos Gas gegeben hatte, als er direkt neben ihm war. Deshalb habe auch er beschleunigen müssen, um sich noch rechtzeitig vor dem Gegenverkehr wieder einzuordnen. Er habe das Fahrzeug weder touchiert noch abgedrängt. Ihm hätten die Hände gezittert, als er weitergefahren sei. Von dem Unfall hat der 64-Jährige nach eigenen Aussagen nichts bemerkt - er fuhr mit seinem Cabrio offen und hörte Musik. Einige Zeugen hatten von einem lauten Knall gesprochen, als das Auto gegen den Baum krachte.

Der Fahrer des Unfallautos konnte sich vor Gericht nicht mehr an die Geschehnisse erinnern. Beschleunigt habe er aber nicht, als er überholt wurde, das wisse er genau, hatte der 30-Jährige erklärt. Diese Aussage sah das Gericht als sehr kritisch an, da der junge Mann sonst keine Erinnerung hatte.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von drei Jahren gefordert hatte. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch und kündigte noch im Gerichtssaal an, in Berufung zu gehen.

dpa