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Panorama Tom Cruise ist schwer vermittelbar
Nachrichten Panorama Tom Cruise ist schwer vermittelbar
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06:15 05.07.2012
Von Stefan Stosch
Tom Cruise auf der Premiere von „Rock of Ages“ in Hollywood. Quelle: dpa
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Los Angeles

So möchte der Hollywoodschauspieler gerne gesehen werden: Er ist der Sunnyboy, der schwierigste Aufgaben mit Blend-a-med-Gebiss weglächelt.

Aber so sieht ihn kaum jemand, und das ist das große Drama im Leben des Tom Cruise, der am Dienstag seinen 50. Geburtstag begeht. In jedem Augenblick scheint die Anstrengung spürbar, die es Cruise kostet, den Platz ganz oben zu behaupten, wo die Luft dünn und die Gefahr des Absturzes groß ist. Trotzdem hockt er dort oben schon seit mehr als drei Jahrzehnten. Knapp drei Milliarden Dollar haben seine Filme eingespielt. Doch je lockerer er sich gibt, desto verkrampfter wirkt er. Das hat seinen Grund vielleicht auch, aber gewiss nicht nur darin, dass Cruise mit 1,70 Meter Körpergröße nicht unbedingt den Idealnormen eines Hollywoodstars entspricht.

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Zum 50. Geburtstag des US-amerikanischen Schauspielers Tom Cruise wirft HAZ.de einen kurzen Blick auf die Karriere des Hollywoodstars.

Mit festgemeißeltem Grinsen zieht Cruise durch die Welt. Dabei riskiert er schon mal den medialen Overkill: Affenartig hopste er vor ein paar Jahren auf Oprah Winfreys Talkshowsofa herum und stieß Liebesschwüre für Katie Holmes aus – die sich nach knapp sechs Jahren nun gerade von ihm scheiden lässt und das alleinige Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Suri beantragt hat. Oder er kritisierte seine Kollegin Brooke Shields, weil die ihre postnatalen Depressionen mit Medikamenten behandeln ließ. Bekennende Scientologen und Selbstoptimierer wie er sind es gewohnt, sich am eigenen Schopf aus einem psychischen Tief zu ziehen.

Nach solchen Eskapaden wurde in den USA darüber debattiert, ob Cruise womöglich den Verstand verloren habe. Das Filmstudio Paramount, mit dem er 14 Jahre lang zusammengearbeitet hatte, nutzte die Gelegenheit, um sich von ihm zu trennen. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmte nicht mehr. Filme mit Cruise waren schon wegen dessen Gehaltsforderungen – allein mit „Mission Impossible 2“ soll er insgesamt 75 Millionen Dollar verdient haben – exorbitant teuer. Dem Zugpferd wurde nicht mehr genug Zugkraft zugetraut.
„Mission Impossible 4“ hat allerdings die Kassen wieder rekordverdächtig klingeln lassen. Und doch heißt der einzige gut erhaltene Fünfzigjährige, der dank seines Charmes als zuverlässige Investition gilt, George Clooney. Aber der ist auch nicht im Actionfach tätig, und seine Filme sind viel günstiger zu haben.

In Europa gilt Cruise gewissermaßen als schwer vermittelbar. Er sei Vizechef der Scientology-Sekte, behauptete Biograf Andrew Morton (der allerdings ebenso darüber spekulierte, ob Cruise’ zukünftige Exehefrau Holmes Sperma des verstorbenen Scientology-Gründers L. Ron Hubbard eingesetzt worden sei). Auf größtes Misstrauen stieß der Star, als er sich daran machte, den Hitler-Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu spielen. Andererseits: Die Kompatibilität von Kinorolle und Privatleben wird bei Lindsay Lohan oder Robert Downey Jr. ja auch nicht zur Voraussetzung gemacht.

Am Ende erfüllte „Operation Walküre“ nicht den dringlichen Wunsch des Hollywoodstars: von der Dauerbuchung als Actionheld wegzukommen. Auch wer mit 50 noch so besessen an seiner Form trainiert, muss sich allmählich aufs Älterwerden einstellen.

Am meisten wird Cruise immer dann gelobt, wenn er sein eigenes Image ironisch bricht. Als abgedrehter Sexguru in „Magnolia“ machte er Furore, momentan ist er als durchgeknallter Rocker mit lackierten Fingernägeln und Pelzjacke in „Rock of Ages“ eine Wucht. Aber solche wundersamen Auftritte gönnt sich der perfektionistische Cruise in jedem Jahrzehnt ungefähr nur einmal.
Vielleicht gab es ja tatsächlich einmal jene Lockerheit im Leben des Tom Cruise, nach der er sich sehnt. Als Kampfflieger in „Top Gun“ (1986) lachte er Tod und Teufel ins Gesicht und katapultierte sich ganz nach oben in Hollywood – von dem Cockpit-Abenteuer soll es nun eine Fortsetzung mit ihm geben. Danach reihte Cruise Erfolge wie auf einer Perlenkette aneinander, egal, ob diese „Rain Man“, „Geboren am 4. Juli“, „Eine Frage der Ehre“, „Interview mit einem Vampir“ oder „Jerry Maguire“ hießen. All das ist verdammt lang her.

Seinen 50. Geburtstag wollte Cruise nach bisherigem Stand mit Freunden in Island feiern. Dort dreht er zur Zeit den Actionthriller „Oblivion“, der nächstes Jahr in die Kinos kommen soll. Eine geräumige Villa habe er bereits angemietet, berichteten isländische Medien. An seinem Ehrentag wollte er mit Frau und Kindern durch die isländische Natur wandern. Daraus wird jetzt nichts. Sollte sich also am 3. Juli ein nicht allzu großer Mann irgendwo in Island an eine Felsspitze klammern und aufs Meer hinausgrinsen, ruhig mal winken. Es könnte Tom Cruise sein.