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Panorama Tote und Chaos nach schwerem Beben in Neuseeland
Nachrichten Panorama Tote und Chaos nach schwerem Beben in Neuseeland
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17:55 22.02.2011
Ein schweres Erdbeben hat in der Stadt Christchurch verheerende Schäden angerichtet.
Ein schweres Erdbeben hat in der Stadt Christchurch verheerende Schäden angerichtet. Quelle: dpa
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Bei einem schweren Erdbeben sind in Neuseeland mindestens 65 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte Verschüttete waren am Dienstag noch in den Trümmern eingeschlossen. Die Regierung rechnete mit weiteren Opfern. Die Innenstadt von Christchurch auf der Südinsel wurde teilweise zerstört.

Die Stadt erlebte mehr als 30 teils heftige Nachbeben. Mehr als 2000 Einwohner trauten sich nicht in ihre Häuser zurück und gingen in Notunterkünfte. Die Einwohner sprachen von Chaos und Panik. Tausende rannten schreiend ins Freie. Eingeschlossene riefen aus den Trümmern um Hilfe. Blutüberströmte Menschen liefen orientierungslos herum.

Die Behörden konnten keine Angaben über ausländische Opfer machen. Es sei leider zu erwarten, dass Touristen und ausländische Studenten betroffen seien, sagte der stellvertretende Regierungschef Bill English.

Queen Elizabeth II. sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Sie sei „zutiefst betroffen“ über das Unglück, erklärte sie in einem Schreiben an Premierminister John Key. Die Europäische Union (EU) bot der neuseeländischen Regierung Hilfe und Unterstützung an.

Das Beben der Stärke 6,3 hatte Christchurch, die zweitgrößte neuseeländische Stadt mit etwa 390.000 Einwohnern, um 12.51 Uhr Ortszeit erschüttert. In den Büros und Geschäften herrschte Hochbetrieb. Es stürzten auch Gebäude ein, die nach neuesten Standards für Erdbebensicherheit gebaut worden waren, wie English sagte. Auch der Turm der mehr als 100 Jahre alten Kathedrale hielt den Naturgewalten nicht stand.

Erst im September war Neuseeland von einem Erdbeben der Stärke 7,1 erschüttert worden. Damals starb nur ein Mensch. Die Region im Südpazifik ist stark erdbebengefährdet. Die Indo-Australische und Pazifische Platte der Erde reiben sich dort aneinander.

Die aus Bochum-Wattenscheid stammende Häusermaklerin Sabine Cook war am Dienstag im Auto unterwegs, als das Beben passierte. „Es war unbeschreiblich! Als wenn ein Riese das Auto packt. Man verliert völlig die Gewalt“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Sie sah weitreichende Zerstörung. „Kamine sind auf die Straßen gestürzt. Schaufensterscheiben waren kaputt und das Glas lag auf der Straße, Mauern waren eingestürzt und Zäune platt“, schilderte sie. „Die Zerstörung ist unbeschreiblich.“

Helfer waren mit Baggern und Kränen im Einsatz, um Eingeschlossenen zu helfen. Nach einer ersten Bilanz von Bürgermeister Bob Parker konnten 120 Menschen gerettet werden. Mehr als 100 wurden gegen Mitternacht (Ortszeit) aber noch in den Trümmern vermutet. „Es könnte die dunkelste Stunde Neuseelands sein“, warnte Regierungschef Key.

Im Forsyth Barr-Gebäude saß Gary Moore zusammen mit etwa 20 Kollegen in der 12. Etage fest. „Beide Treppenhäuser sind eingestürzt, wir schauen in einen tiefen Abgrund“, erzählte er per Telefon im Fernsehen. „Wir können auch nicht auf das Dach kommen.“ Er wurde später gerettet. Auch im TV-Gebäude saßen am Abend noch 50 Menschen fest. Zunächst konnten nur sechs gerettet werden, berichtete das neuseeländische Fernsehen.

In der Innenstadt von Christchurch brach an mehreren Stellen Feuer aus. Zahlreiche Straßen waren überflutet, weil Rohre geborsten waren. Nach Angaben von Augenzeugen hatte sich der Boden teilweise um bis zu einem Meter gehoben. Die Rettungsdienste hatten nicht genügend Krankenwagen. Lieferwagen waren im Einsatz, um Verletzte zu transportieren. Sanitäter öffneten Krankenstationen zur Notversorgung am Straßenrand. Rund 80 Prozent der Stadt waren zeitweise ohne Strom. Auch die Wasserversorgung brach zusammen.

Es handelt sich um eines der folgenschwersten Erdbeben in Neuseelands Geschichte. 1931 kamen bei einem 7,9-Beben in der Hawke-Bucht 256 Menschen ums Leben. Die Folgen waren so verheerend, weil das Beben sich nur fünf Kilometer unter der Erdoberfläche ereignete und das Epizentrum nur zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt lag.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Imre Grimm 21.02.2011
21.02.2011