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Panorama Tropensturm „Washi“ reißt Hunderte Menschen in den Tod
Nachrichten Panorama Tropensturm „Washi“ reißt Hunderte Menschen in den Tod
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19:49 18.12.2011
Die Sonne scheint, als ob nichts gewesen wäre: Einwohner in den Trümmern ihrer Häuser im Ort Cagayan de Oro auf der Südinsel Mindanao.
Die Sonne scheint, als ob nichts gewesen wäre: Einwohner in den Trümmern ihrer Häuser im Ort Cagayan de Oro auf der Südinsel Mindanao. Quelle: dpa
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Manila

„Es ist Brachland, hier steht nichts mehr“, sagt Pulusan. „Die Fluten haben alles fortgerissen. Selbst große Muldenkipper schwammen im Wasser.“ Bei den verheerenden Sturzfluten sind im Süden der Philippinen Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Das Ausmaß der Naturkatastrophe wurde am Wochenende erst langsam deutlich. Die Zahl der Toten könne auf mehr als 1000 steigen, warnte das Rote Kreuz. Helfer hätten viele Ortschaften noch gar nicht erreicht. Viele Straßen waren von Erdrutschen verschüttet. 35.000 Menschen wurden vorerst in Rettungszentren untergebracht. Am schwersten betroffen waren Cagayan de Oro und Iligan, die wichtigsten Hafenstädte im Norden der bitterarmen Insel Mindanao. Tropensturm „Washi“ war in der Nacht zum Sonnabend über die Insel 800 Kilometer südlich von Manila hereingebrochen. Zwölf Stunden Dauerregen ließen die Flüsse anschwellen. In der Nacht trat das Wasser über die Ufer und rauschte teils meterhoch durch die Straßen und Ortschaften. Die meisten Opfer wurden im Schlaf überrascht.

Polizei, Zivilschutz, Soldaten und freiwilligen Helfern bot sich ein Bild des Grauens: Die Wassermassen haben Schneisen der Verwüstung hinterlassen, die an Tsunami-Schäden erinnern. Über hunderte Meter ist alles fortgerissen: Häuser, Autos, Bäume. Vielerorts türmten sich Schutt und Geröll meterhoch. In einem Leichenschauhaus weigerten sich die Mitarbeiter, die Leichen von zwei Kindern anzunehmen. „Wir können  niemanden mehr nehmen, wir haben nur vier Einbalsamierer“, sagte der Besitzer.

Familienvater Wensito Pulusan konnte sich mit seiner Frau und seiner 20-jährigen Tochter zum Haus seines Bruders retten und aufs Dach klettern. Der ganze Dachstuhl wurde nach seinen Angaben abgerissen und bis an den nahe gelegenen Strand gespült. „Der Herrgott hat uns überleben lassen“, sagte er. Viele seiner Nachbarn seien tot, aufgebahrt in einer Schule. Statt der Siedlung sei weit und breit nur noch Schlamm und Matsch zu sehen, Schutt von zusammengebrochenen Häusern, umgestürzte Bäume und völlig verbeulte Autos.

Viele Bewohner harrten zu lange in ihren Häusern aus, weil sie nicht richtig gewarnt worden waren, berichtete der Zeitung „Inquirer“. Dazu gehörte die Familie Cabillo in der Ortschaft Tambo. Als das Wasser kam und durch das Haus rauschte, war es zu spät. Vater Bryan Cabillo sagte der Zeitung, seine Frau und drei Kinder seien von den Fluten fortgerissen worden. Er habe versucht, sie zu retten, aber gegen die starke Strömung des Wassers keine Chance gehabt.

Jakarta: Vor Indonesien ist ebenfalls in einem schweren Sturm ein völlig überladenes Flüchtlingsboot mit vermutlich 250 Menschen an Bord gesunken. Ein paar Dutzend Menschen seien von Fischern gerettet worden, aber es bestehe wenig Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, teilte die Küstenwache am Sonntag mit. Die See vor Ostjava war rau, das Meer wimmelte vor Haien, und nach Angaben von Überlebenden waren nicht genug Schwimmwesten an Bord. Das Boot war offenbar nur für 100 Menschen zugelassen. Es habe indonesischen Schleppern gehört, die die Flüchtlinge – die meisten aus Afghanistan und dem Iran – auf die zu Australien gehörende Weihnachtsinsel bringen wollten.

Girlie Linao und Christiane Oelrich