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Panorama Unbekannte verschandeln Moschee mit Tierblut
Nachrichten Panorama Unbekannte verschandeln Moschee mit Tierblut
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17:44 25.10.2009
Der Rohbau der Moschee im unterfränkischen Elsenfeld. Quelle: ddp
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Das Tierblut sei von den Tätern in etwa ein Dutzend Luftballons gefüllt worden, die dann gegen die Fassade der Moschee geworfen worden seien, sagt Yavoz Güzel, Vorstandsmitglied des Deutsch-Türkischen Kulturverein Elsenfeld Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland zeigte sich entsetzt über die Tat.

Es war ein Aufschrei von Kindern, durch den Güzel am Sonnabendmorgen auf die Verschandelung des künftigen Gotteshauses aufmerksam wurde. Güzel und den Kindern, die sich auf dem Weg zum Koranunterricht in das alte Gemeindezentrum befanden, bot sich ein ekelerregender Anblick: An vielen Stellen rann Blut über die Mauer des Rohbaus des künftigen Gemeindezentrums mit Gebetsraum, vor der Tür lagen zwischen Blutspritzern fast drei Dutzend Tieraugen verstreut. „Mir dreht sich wirklich der Magen um“, sagte Güzel beim Anblick der künftigen Moschee. „Wer so etwas macht, muss ein kranker Mensch sein.“

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Laut Polizei wurde zwar noch nicht in einem Labor nachgewiesen, dass es sich bei der roten Flüssigkeit um Blut handle, es deute aber alles darauf hin. Die Hintergründe der Tat seien noch völlig unklar. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, hieß es. Sicherheitshalber würden Polizeistreifen häufiger an dem Gebäude vorbeifahren.

Das neu gebaute Vereinsheim mit Gebetsraum wird noch nicht benutzt, es soll bis zum Frühjahr fertiggestellt werden. Die bisherige Moschee befindet sich aber in unmittelbarer Nähe des Gebäudes im Kellergeschoss unter einem Lebensmittelgeschäft. Durch den Neubau wolle die Gemeinde in der Öffentlichkeit präsenter werden und seine Tätigkeit transparenter machen, erläuterte Güzel. In dem Gebäude solle neben einer Moschee ein Kulturzentrum untergebracht werden mit Räumen für Nachhilfeunterricht für Migrantenkinder, für Sprachförderkurse und den Koranunterricht.

Zwar habe es vor längerer Zeit eine Unterschriftenkampagne gegen den Neubau gegeben, durch einen Tag der offenen Moschee seien aber kürzlich viele Vorurteile abgebaut worden, betonte Güzel. Selbst einstige Gegner des Projekts hätten ihre Meinung mittlerweile geändert.

Der Islamrat nannte den Zeitpunkt der Tat „sehr fatal“. Sie stehe damit in einem Zusammenhang mit „den ganzen Debatten“ der vergangenen Wochen, sagte Islamrat-Sprecher Engin Karahan unter anderem mit Blick die umstrittenen Äußerungen des Bundesbankvorstands und Berlins Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) über Türken und Araber.

Angesichts der wiederholten Kritik an Muslimen und Türken „wundert es uns nicht unbedingt, dass sich Spinner animiert fühlen, Worte in Taten umzusetzen“, betonte Karahan. Der Politik könne er daher eine Mitverantwortung für den Anschlag „nicht absprechen“. Die Tat sei getragen von „einer gewissen Atmosphäre“, die derzeit herrsche. Die Anfeindungen hätten mittlerweile ein Niveau erreicht, „das wirklich kaum auszuhalten ist“.

Güzel vermutet eine Gruppe von Rechtsradikalen oder Antiislamisten hinter der „empörenden“ Tat. Entmutigen lassen wolle sich der Deutsch-Türkische Kulturverein davon aber nicht, darüber sei man sich im Vorstand einig: „Wir werden uns nicht nach dieser Attacke zurückziehen. Wir wissen, dass viele Mitbürger in Elsenfeld für diesen Bau sind.“ Er selbst empfinde nach diesem Anschlag zwar keine Angst, natürlich mache sich manch einer aber jetzt Sorgen: „Was ist, wenn das jetzt nur ein Warnzeichen war und noch etwas Schlimmeres kommen könnte?“

ddp