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Panorama Urlauber fliehen aus dem Urlaubsparadies Tunesien
Nachrichten Panorama Urlauber fliehen aus dem Urlaubsparadies Tunesien
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14:03 15.01.2011
Quelle: dpa
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Eigentlich hatten sich die Urlauber auf sonnige Tage in Tunesien gefreut. Doch als die Krise in dem Mittelmeerland eskalierte, war an Entspannung am Pool oder am Strand nicht mehr zu denken. Mitunter waren schon Schüsse zu hören, als die Urlauber Hals über Kopf ihre Sachen packten und die Hotels verlassen mussten, um nach Deutschland ausgeflogen zu werden. Müde und erleichtert kamen die ersten Touristen am Freitagabend an den Flughäfen in Düsseldorf und Berlin an. Manchen stand der Schock ins Gesicht geschrieben.

„Ich bin froh, dass ich daheim bin. Nur schnell raus. Es sind Schüsse gefallen“, berichtete Claus Kraft (36) aus Murr am Neckar nach seiner Landung in Düsseldorf. Er hatte in der Küstenstadt Zarzis Urlaub gemacht. „In der Stadt war überall Polizei.“ Die Schüsse seien auf dem Markt der Stadt gefallen, später habe er erfahren, dass dort vier Menschen ums Leben gekommen seien - darunter auch ein Mitarbeiter der Hotelrezeption.

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Eckard Meyer (71) aus Hamburg wollte ursprünglich 14 Tage Urlaub in Zarzis machen. Durch die schnelle Abreise wurden daraus nur vier. Traurig ist er deswegen nicht, er wollte das Land schnell verlassen. „Nur schnell raus hier“, habe er gedacht, als sich Demonstranten und Polizisten in seinem Urlaubsort gegenüberstanden. Andere Hotelgäste hätten den Urlaub allerdings auf eigene Gefahr fortgesetzt und seien trotz Warnungen im Hotel geblieben.

Rückkehrer Rudolf Schmidt-Kasper (55) aus Memmingen lag am Morgen noch am Pool. Auch er hatte die Demonstrationen am Markt in Zarzis mitbekommen. Der Tourist Hans aus Essen wäre gerne noch länger geblieben. Der 75-Jährige, der seinen Nachnamen nicht sagen wollte, hatte den Nachmittag noch am Strand verbracht. Als er zurückkam, habe der Hotelchef ihm gesagt, dass er seine Sachen packen müsse. Danach ging es zum Flughafen. Ähnlich erging es Rückkehrer Guido Hinnenberger (66) aus Landau in der Pfalz. Der Rücktransport sei gut gelaufen. „Das war gut organisiert“, lobt er den Veranstalter.

Ilse Gwiasda berichte nach der Rückkehr in Berlin: Als sie auf ihr Hotelzimmer zurückkehrte, fand sie einen Zettel mit der Nachricht, dass sie in wenigen Minuten in der Hotelhalle sein solle, um zum Flughafen zu fahren. Sie saß in einer von zwei Maschinen, die am Freitagabend in Berlin landeten. Mit an Bord auch Passagiere aus Frankfurt, Hannover, Detmold und zahlreichen anderen Städten. Manche Touristen hatten erst an Bord des Fliegers aus der Zeitung vom Ausmaß der Proteste erfahren.

Unter den Heimkehrern befand sich auch Ali Khechine (65). Der Programmierer hatte Verwandte besucht. Dass die Proteste so ausarteten, habe er gar nicht gemerkt. „Es ist aber gut, dass der Präsident weg ist“, meinte er nach seiner Landung.

dpa

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