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Panorama Vater von getöteter Kalinka hat seinen „Frieden“ gefunden
Nachrichten Panorama Vater von getöteter Kalinka hat seinen „Frieden“ gefunden
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11:52 22.10.2009
„Ich habe mein Ziel erreicht“, sagte der 71-jährige André Bamberski. Quelle: afp
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„Ich habe mein Ziel erreicht“, sagte der 71-jährige André Bamberski der französischen Tageszeitung „Le Parisien/Aujourd’hui en France“ vom Donnerstag. „Der Mörder meiner Tochter wird verurteilt werden.“ Er habe dreißig Jahre lang sein berufliches und privates Leben geopfert, um Gerechtigkeit zu erlangen, sagte Bamberski. Nun beginne „ein anderer Kampf“. Der Vater der vor 27 Jahren getöteten Kalinka hatte Entführer beauftragt, um den Lindauer Kardiologen Dieter K. nach Frankreich zu verschleppen, wo dieser in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war.

Ein Pariser Richter ordnete am Mittwochabend an, dass der Mediziner - der nach der Entführung noch im Krankenhaus behandelt wird - in Haft bleiben muss. Die Polizei hatte den 74-jährigen Deutschen in der Nacht zum Sonntag gefesselt und geknebelt in der Nähe eines Gerichtsgebäudes im ostfranzösischen Mülhausen gefunden. Der Kardiologe war 1995 in Frankreich verurteilt worden, weil er Bamberskis Tochter - die seine Stieftochter war - eine tödliche Spritze verabreicht haben soll. Die deutsche Justiz stellte das Verfahren dagegen ein, weil sich die Todesursache ihrer Einschätzung nach nicht klar nachweisen ließ.

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Bamberski wirft dem deutschen Mediziner vor, seine Tochter betäubt und vergewaltigt zu haben. Die gerichtsmedizinische Untersuchung der Leiche habe der Arzt von einem befreundeten Kollegen machen lassen, um die Vergewaltigung zu vertuschen. Bei einer Exhumierung des Mädchens im Jahr 1985 habe sich herausgestellt, dass bei der Autopsie sämtliche Geschlechtsteile entfernt worden seien - und damit die Beweise für den Missbrauch seiner Tochter.

K. hatte seine Zulassung als Arzt in Deutschland 1997 wegen sexuellen Missbrauchs verloren. Das Landgericht Kempten befand ihn für schuldig, eine 16-jährige Patientin unter Narkose vergewaltigt zu haben. Er bekam dafür zwei Jahre Haft auf Bewährung, übte seinen Beruf aber illegal weiter aus. Was die Verurteilung in Frankreich angeht, argumentiert K.s Anwalt, sie sei ungültig. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte das französische Verfahren demnach 2001 für unzulässig erklärt. Dem französischen Gesetz zufolge müsste der Mediziner jetzt neu verurteilt werden, nachdem der Haftbefehl von 1993 gegen ihn vollstreckt werden konnte.

afp