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Panorama Verkehrsminister fordert Notfahrplan
Nachrichten Panorama Verkehrsminister fordert Notfahrplan
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21:55 20.12.2010
In Hannover gestrandete Reisende, die von New York und Neu-Delhi nach London fliegen wollten, kämpfen sich mit ihrem Gepäck zur Abflughalle vor. Quelle: dpa
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Reisende müssen auch zu Weihnachten mit starken Behinderungen im Bahnverkehr rechnen. „Die Bahn ist stark abhängig vom Wetter. Bei Winterwitterung ist mit deutlichen Verzögerungen zu rechnen“, sagte ein Bahnsprecher in Hamburg. Die Bahn rät daher, früher als bisher geplant abzufahren und auf Züge zu verzichten, bei denen die Sitzplätze bereits ausgebucht sind. Verspätungen von „60 Minuten und mehr“ seien im Fernverkehr derzeit normal.

Vage Reiseinformationen wie diese führen zu immer lauterer Kritik an der Bahn – bei allem Verständnis für Schwierigkeiten bei extremen Witterungen. „Moderne Technik ist im Winter nun einmal anfällig, aber man kann dann nicht einfach alles so weiterlaufen lassen“, sagte Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) am Montag im Gespräch. Er forderte die Bahn auf, einen eingeschränkten, aber dafür verlässlicheren Sonderfahrplan für extreme Witterungen zu erarbeiten. „Eine Art Notfahrplan wäre eine Überlegung wert.“

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Auch aus Berlin gab es Kritik an der Bahn. Patrick Döring, Verkehrsexperte der FDP-Bundestagsfraktion, kritisierte, der Wagenpark sei „auf Kante genäht“. Wegen des umfangreichen Wartungsprogramms, das nach Pannen im Frühjahr vom Eisenbahnbundesamt angeordnet worden sei, gebe es keine Reserven mehr, sagte Döring.

Auch im Luftverkehr könnte harsches Winterwetter den Reiseverkehr zu Weihnachten beeinträchtigen. Die Lufthansa rechnet zwar damit, ab Dienstagabend schrittweise wieder den regulären Flugplan hochzufahren. „Allerdings muss Petrus da ein bisschen mitspielen“, räumte Sprecher Wolfgang Weber Montag ein. Dies allerdings ist eher unwahrscheinlich. Meteorologen erwarten zwar für Donnerstag leichtes Tauwetter, für Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage aber wieder Frost und Schnee. Die Fluggesellschaft hofft, wie auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, auf Ausnahmen beim Nachtflugverbot. „Eine entsprechende Genehmigung der Länder wäre hilfreich“, sagte der Sprecher.

Allein am Frankfurter Flughafen wurden am Montag wegen der Schneefälle 340 von 1362 Verbindungen gestrichen – allerdings nur deshalb, weil auf den Drehkreuz-Flughäfen in London und Paris der Flugbetrieb immer noch weitgehend brach lag. Die Nacht zum Montag mussten 800 Passagiere auf Feldbetten im Terminal verbringen. In Paris stoppten am Montag erneut starke Schneefälle den Luftverkehr; am Londoner Flughafen Heathrow starteten lediglich 60 Maschinen – ein Bruchteil des Normalbetriebs.

Auch in Hannover kam es trotz geräumter Rollfelder erneut zu Ausfällen. Vor allem Verbindungen von und nach Frankfurt, London und Paris fielen aus. Eine Sprecherin riet allen Fluggästen, sich vor Reiseantritt bei ihren Fluggesellschaften zu informieren.

Dirk Schmaler 
und Alexander Dahl