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Panorama Vermisster Oldenburger Student tot an einem Bach gefunden
Nachrichten Panorama Vermisster Oldenburger Student tot an einem Bach gefunden
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12:01 20.11.2010
Ermittler sichern am Freitagnachmittag die Spuren an dem gefundenen Fahrrad. Noch ist völlig unklar, wie Student Ole H. ums Leben gekommen ist.
Ermittler sichern am Freitagnachmittag die Spuren an dem gefundenen Fahrrad. Noch ist völlig unklar, wie Student Ole H. ums Leben gekommen ist. Quelle: Thorsten Helmerichs
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Ein seit knapp einer Woche vermisster 28-jähriger Student aus Petersfehn bei Oldenburg ist gestern Nachmittag tot aufgefunden worden. Passanten hatten ein Fahrrad aus einem Bach unweit einer schwer zugänglichen Böschung ragen sehen und die Polizei alarmiert. Die Beamten entdeckten neben dem Rad erst eine Jacke und später den Leichnam.

Noch sei völlig unklar, wie Ole H. gestorben ist, sagte ein Polizeisprecher. Auf den ersten Blick gebe es keine ersichtlichen Hinweise auf ein Verbrechen wie Schusswunden oder Stichverletzungen. Spekulationen darüber, dass der junge Mann möglicherweise auf dem nassen Radweg ins Straucheln kam und dann die Böschung herunterfiel, wollte der Polizeisprecher nicht kommentieren. Der Radweg neben der Autobahn gilt als Schleichweg von Oldenburg nach Petersfehn. Nähere Erkenntnisse über die Todesursache soll eine Obduktion bringen.

Der 28-jährige Vater eines zweijähriges Sohns hatte in Hildesheim Metalldesign studiert, aber in Petersfehn gewohnt. Er war zuletzt am Sonnabendnachmittag lebend gesehen worden. Seine Lebensgefährtin berichtete gestern, dass er am Abend zuvor mit dem Zug nach Hannover gefahren sei, um dort den Geburtstag eines Freundes zu feiern. Am nächsten Tag fuhr er mit einem Freund wieder zurück nach Oldenburg. Gegen 15.30 Uhr stieg er am Bahnhof auf sein Fahrrad, um nach Hause zu fahren. Doch dort kam er nie an.

Gegen 14.45 Uhr hatte er noch mit seiner Lebensgefährtin telefoniert. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass irgendwas nicht in Ordnung war“, sagte sie. „Sein Verschwinden ist unerklärlich gewesen.“ Freunde und Verwandte hatten seit seinem Verschwinden fieberhaft nach Ole H. gesucht. Über StudiVZ und Facebook gab es Fahndungsaufrufe, sogar eine eigene Internetseite wurde eingerichtet. Ursprünglich war für heute noch eine große private Suchaktion geplant gewesen.

Mehr als 9600 Mitglieder hatten sich in der StudiVZ-Gruppe zur Suche des Vermissten anmeldet. Ab dem Zeitpunkt des Leichenfunds überschlugen sich die Onlineeinträge mit Neuigkeiten und vor allem Mutmaßungen. Bis sich schließlich ein Streit darüber entspann, ob es pietätlos sei, wenn die Internetnutzer sich über ihre Vermutungen auf der öffentlichen Plattform austauschen, die auch von Familienangehörigen eingesehen würde. Nach der Mitteilung, dass es sich bei der Leiche um Ole handelt, bekundeten viele ihr Beileid online und teilten mit, dass sie Kerzen an die Unglücksstelle stellen würden. „Wir sind gerührt, wie viel Einsatz gezeigt wurde und wie viele Menschen mitfühlen. Auch so viele, die Ole gar nicht kannten“, schreibt eine Angehörige. „Bitte diskutiert nicht mehr darüber, warum und wieso das passiert ist. Ich denke, es ist grausam genug, und alle möchten jetzt gerne ein wenig Ruhe finden.“

Saskia Döhner 
und Diane Baatani

Der Artikel wurde aktualisiert.