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Panorama Viele Schulen bleiben am Mittwoch in Niedersachsen dicht - auch in Hannover
Nachrichten Panorama Viele Schulen bleiben am Mittwoch in Niedersachsen dicht - auch in Hannover
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11:55 03.02.2010
Schulfrei: Zahlreiche Schüler dürfen am Mittwoch den Schnee genießen. Quelle: lni
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Am Mittwoch fällt wegen des anhaltenden Winterwetters vielerorst die Schule aus. Betroffen sind zahlreiche Landkreise, darunter die Region Hannover, Hildesheim, Peine und Celle.

Hier finden Sie eine aktuelle Liste der geschlossenen Schulen

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Am Dienstag gab es in Niedersachsen weit über 100 Unfälle, viele davon auf Autobahnen, aber auch in Stadtgebieten. Aufgrund der unsicheren Straßensituation fuhren Busse in vielen Städten und Landkreisen entweder gar nicht oder nur eingeschränkt.

"Erstmals seit über zwanzig Jahren konnte kein Fahrzeug das Betriebsgelände verlassen“, sagte ein Sprecher des Regionalverkehrs Hildesheim. Die Straßen seien spiegelglatt und vereist, so dass die schweren Fahrzeuge nicht mehr sicher gesteuert werden könnten.

Auch das Celler Unternehmen Cebus ließ den Busverkehr am Dienstag ruhen. Ein Sprecher erklärte: „Die Sicherheit war nicht gewährleistet.“ Ebenso im Landkreis Vechta, wo die Busse aufgrund einer millimeterhohen Eisschicht auf den Straßen nicht mehr sicher unterwegs sein konnten. Im Landkreis Osnabrück mussten die Busse zwar auch über Stunden pausieren, im Laufe des Nachmittags wurde aber ein Notverkehr eingerichtet. „Die bergigen Strecken können nach wie vor nicht angefahren werden“, sagte Kreissprecher Jürgen Menkhaus. Auch in den Städten Lüneburg, Oldenburg und Leer standen die Busse zweitweise still.

Das Tief „Miriam“ hat weiteren kräftigen Schneefall nach Deutschland gebracht. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor Unwettern bis in die Nacht zum Mittwoch. Aber in den nächsten Tagen sieht es für das Flachland nach Tauwetter aus. Darum schnell noch mal ein Blick auf die verschneite Winterlandschaft.

Der Grund für die rutschigen Straßen waren vielerorts die mangelnden Salzvorräte. „Unser Lager ist komplett leer“, sagte Osnabrücks Kreissprecher Menkhaus. Bei der Stadt Hildesheim ist sogar das minderwertige B-Salz ausgegangen, das schnell verklumpt und nur von zwei Traktoren mit Düngerstreuern ausgefahren werden kann. Am Dienstag hat sich die Stadt mit Betongranulat beholfen, das aufgrund seiner Größe ebenfalls von den Traktoren ausgefahren werden muss. „Da uns nur zwei Fahrzeuge zur Verfügung stehen, konnten wir nur die Hauptverkehrsstraßen und die Verbindungen zu Krankenhäusern abstreuen“, bedauerte Stadtsprecher Horst Richter.

Inzwischen sind auch die Salzvorräte des Landes Niedersachsen so knapp geworden, „dass auf den Autobahnen der Winterdienst eingeschränkt wird“, sagte Heike Haltermann, Sprecherin der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Auf Bundes- und Landesstraßen werde schon gar nicht mehr gestreut, sondern nur noch geräumt. „Mit den Lieferungen leben wir von der Hand in den Mund“, sagt Haltermann. Nur dauerhaft trockenes Wetter könne die Lage verbessern.

Trocken soll es zwar nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes heute nicht werden. „Aber immerhin kann es im westlichen Teil Niedersachsen auflockern“, prognostizierte der Meteorologe Marcus Beyer. Im Laufe des Tages werde sich in ganz Niedersachsen die Wetterlage „zunehmend entspannen“, und Niederschlag und Wind werden laut Beyer nachlassen. Ganz anders am Dienstag, als vor allem in Höhen ab 400 Metern kräftiger Schneefall in Verbindung mit Wind zu Schneeverwehungen führte. Orkanböen von 140 Kilometer pro Stunde wurden auf dem Brocken gemessen. Um die Mittagszeit musste sogar das Brockenhotel evakuiert werden.

Auch einige Loipen waren im niedersächsischen Teil des Harzes weiterhin gesperrt. Der Sprecher niedersächsischen Landesforsten, Dirk Strauch, mahnt Sportler und Spaziergänger auch in anderen Wäldern, in denen viel Schnee gefallen ist, zur Vorsicht. „So ein Ast kann immer mal runterfallen.“ Besonders akut werde die Schneebruchgefahr, wenn der Schnee auf den Bäumen bei einsetzendem Tauwetter nass und schwer wird. Strauch rät abzuwarten, bis der Wind den Schnee von den Bäumen gefegt hat, um Unfälle zu verhinden.

Im Straßenverkehr schienen Unfälle am Dienstag hingegen fast unvermeidlich. Die Polizei Hildesheim meldete alleine bis zum Mittag eine Rekordzahl von 53 Unfällen im Stadtgebiet. Auch in Osnabrück ereigneten sich bereits am Morgen 17 Unfälle. Betroffen waren auch die Autobahnen: Auf der A 27 bei Langwedel stellte sich ein Laster quer und etliche Autos rutschten ineinander. Gleich mehrere Lastwagen standen an der Auffahrt Maschen an der A 250 quer und blockierten den Verkehr in beide Richtungen. Auf den Autobahnen 30 und 31 kam es zu einer Serie von etwa 20 Unfällen. Verletzt wurde dabei ein Lkw-Fahrer. Stundenlang wurde die A 30 gesperrt.

Damit den Schülern auf ihrem Weg zur Schule nichts zustößt, fällt heute in mehreren Landkreisen wie Peine, Celle, Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg der Unterricht aus. Voraussichtlich werden auch Schüler in mehreren westlichen Kreisen des Landes nicht zur Schule gehen müssen. „Die Schulen sind aber geöffnet, so dass die Betreuung gewährleistet ist“, sagte die Lüneburger Kreissprecherin.

Bereits am Dienstag hatten in den Städten und Gemeinden im Calenberger Land und am Deister nicht nur die Autofahrer massive Probleme. Auch die RegioBus kam mit ihren Fahrzeugen wegen Eis- und Schneeglätte teilweise nicht durch. Der Fahrplan geriet den ganzen Tag über schwer aus den Fugen. Je nach Wetterlage droht am Mittwoch Ähnliches – im Extremfall muss das Unternehmen nach Angaben von Sprecher Tolga Otkun den Busverkehr sogar komplett einstellen. Sollte es nur zu einzelnen Ausfällen kommen, könne man über diese nicht im Internet oder per Telefonhotline informieren: „Es sind zu viele Linien, außerdem fallen die Entscheidungen kurzfristig.“

Julia Henke, Bernd Haase und Frerk Schenker