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Panorama Viele Unfälle auf den Straßen - Verspätungen im Bahnverkehr
Nachrichten Panorama Viele Unfälle auf den Straßen - Verspätungen im Bahnverkehr
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14:46 23.12.2010
Wegen der Unfälle kam es auf den Autobahnen zu längeren Staus. Quelle: Tim Schaarschmidt (Symbolbild)
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Blitzeis und neuer Schneefall haben am Donnerstagsmorgen den Straßenverkehr in Niedersachsen teilweise lahm gelegt. Besonders im Großraum Braunschweig habe Eisregen zu erheblichen Problemen auf den Autobahnen 2 und 39 geführt, sagte ein Sprecher der Verkehrsmanagementzentrale. „Für zwei Stunden galt auf der A2 zwischen Hämelerwald und der Landesgrenze Sachsen-Anhalt ein Fahrverbot für Lastwagen ab 7,5 Tonnen“, sagte ein Sprecher der Autobahnpolizei. Zwischen Peine und der Landesgrenze hatte sich der Verkehr auf etwa 60 Kilometer nur noch im Schritttempo voranbewegt. Lkw-Fahrer fuhren die nächsten Parkplätze an oder stoppten kurzerhand auf dem Standstreifen. Auch weiterhin muss in Niedersachsen und im ganzen Norden Deutschlands mit witterungsbedingten Beeinträchtigungen im Straßenverkehr gerechnet werden.

Zum Teil habe sich eine zwei Zentimeter dicke Eisschicht auf den Fahrbahnen gebildet. „Wer nicht fahren muss, sollte das Auto unbedingt stehenlassen.“ Zahlreiche Lastwagen hatten sich am Morgen an Steigungen quergestellt. Lkw-Fahrer wurden daher gebeten, umgehend die nächsten Parkplätze anzufahren oder notfalls auf dem Standstreifen zu stoppen. Bei Lehrte verließen zahlreiche Autofahrer die Autobahn wegen Blitzeis - und fuhren auf die Raststätte Lehrter See. Dort staute sich der Verkehr.

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Die A39 musste am Morgen zwischen Braunschweig Süd und Wolfsburg komplett gesperrt werden, um den Streudienst voranzuschicken. „Es ist einfach zu gefährlich für den normalen Verkehr“, hieß es.

Die Autofahrer mussten viel Geduld mitbringen, blieben aber insgesamt gelassen. „Meckern bringt nicht. Davon geht der Schnee auch nicht weg“, sagte Kevin Hübner, der mit seinem Lastwagen seit 6.00 Uhr auf der A2 bei Hannover unterwegs war. Größere Sorgen hatte Silvana Schulze, die mit ihren zwei Kindern schon seit Stunden unterwegs auf dem Weg nach Berlin war. „Noch ist die Stimmung gut. Mal sehen, wie lange die Kinder noch durchhalten.“

Streusalz wird knapp

Die Aussichten für die kommenden Tage sind dabei alles andere als rosig, weil das Streusalz allmählich knapp wird. „Auf den Autobahnen werden nur noch die Hauptfahrstreifen gestreut. Die Bundes- und Landesstraßen werden erstmal gar nicht mehr gestreut, sondern nur noch geräumt“, sagte Heike Haltermann von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hannover. Bislang seien etwa 90 000 Tonnen Streusalz verbraucht, so viel wie in einem gesamten normalen Winter.

Verspätungen und Ausfälle im Bahnverkehr

Auch die Deutsche Bahn kam am Donnerstag nicht ungeschoren davon. „Im Fernverkehr kam es am Morgen zu Verspätungen von bis zu 30 Minuten und einigen Zugausfällen“, sagte eine Bahn-Sprecherin. Der Nahverkehr sei aber recht reibungslos verlaufen. Ob Ihr Zug pünktlich ist, erfahren Sie hier.

Lage am Flughafen Hannover

Am Flughafen Hannover gab es nach Angaben eines Sprechers am Morgen kaum Behinderungen. „Wegen der Enteisung der Start- und Landebahnen kommt es nur zu geringfügigen Verspätungen von bis zu 20 Minuten“, sagte ein Flughafensprecher.

Schifffahrt gerät ins Stocken

Dagegen bringt das eisige Wetter auch die Schifffahrt ins Stocken. Der Mittellandkanal sollte an Heiligabend mittags von Wolfsburg bis Magdeburg und später bereits ab der Schleuse Hannover-Anderten gesperrt werden. Die Stichkanäle Salzgitter, Linden, Hildesheim und Misburg sowie der Elbe-Seitenkanal waren bereits am Donnerstag unpassierbar. Über die Weihnachtstage wird nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mitte kein Eisbrecher im Einsatz sein.

Zahlreiche Blechschäden bei Unfällen

Bei diversen Glätteunfällen in Niedersachsen gab es in der Nacht zum Donnerstag nach Polizeiangaben aber glücklicherweise überwiegend Blechschäden. Die Autobahn 2 wurde zwischen Kreuz Wolfsburg/Königslutter und Helmstedt-Zentrum von mehreren querstehenden Lkw blockiert. Die A7 musste nach mehreren Unfällen zwischen Göttingen und Hann.Münden- Hedemünden in Richtung Süden voll gesperrt werden. Ebenfalls auf der A7 nahe Dreieck Drammetal wurden nach einem Lasterunfall zwei Fahrstreifen gesperrt. Es kam zu längeren Staus.

„Blitzeis“ legte am frühen Donnerstagmorgen die Autobahn 24 Berlin-Hamburg vollständig lahm. Sie musste nach mehreren Unfällen bei Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) komplett gesperrt werden, wie die Polizei in Potsdam mitteilte. Zwei Menschen, darunter eine Polizistin, seien verletzt worden. In der Nacht zum Donnerstag hatte Regen in ganz Brandenburg zu überfrierender Nässe geführt. Die Autofahrer wurden gebeten, möglichst vorsichtig zu fahren.

Deutscher Wetterdienst: „Unwetterartige Ausmaße“

Der Deutsche Wetterdienst DWD aus Offenbach warnte um 6.30 Uhr: „In Teilen Nord- und Ostdeutschlands Schneefall oder gefrierender Regen, teils mit unwetterartigem Ausmaß.“ An der Ostsee werde es bei kräftig auffrischendem Wind Schneeverwehungen geben. Südlich einer gedachten Linie von Düsseldorf über Erfurt bis nach Dresden sinke hingegen die Gefahr merklich.

So sahen das auch die Polizeidienststellen. „Es regnet Bindfäden und weit genug über Null Grad haben wir es auch“, sagte etwa ein Sprecher in Köln. Praktisch in ganz West-, Mittel- und Süddeutschland hieß es: Tauwetter, Regen und höchstens örtlich Probleme mit Glätte.

Nach den Prognosen des DWD wird sich die Trennlinie zwischen kalter Luft im Norden und milderer weiter südlich bis Heiligabend auflösen: Ein Tiefdruckgebiet vom Atlantik ziehe „in den nächsten Tagen nach Oberitalien. Dann sind in Deutschland regional sehr ergiebige Schneefälle möglich“, sagen die Meteorologen voraus.

Lage am Flughafen Frankfurt entspannt sich

Eine Entspannung deutete sich hingegen am Frankfurter Flughafen an, wo nach dem tagelangen Reisechaos rechtzeitig zu Weihnachten Besserung in Sicht war. „Wir sind guter Hoffnung, dass wir heute zu fast 90 Prozent zum normalen Verkehr zurückkommen“, sagte ein Sprecher der Airportbetreibers Fraport am Donnerstagmorgen.

Bei feuchter, milder Luft und relativ geringen Sichtbehinderungen durch Sprühregen seien keine schwerwiegenden Probleme absehbar. Die verbliebenen Ausfälle resultierten aus gestrichenen Flügen im Ausland, darunter Frankreich, Großbritannien und vereinzelt Polen.

„Wir sind guter Dinge, dass bis Heiligabend alles wieder normal läuft“, sagte der Sprecher. Bedingung dafür sei allerdings, dass sich das Wetter nicht doch noch verschlechtere. Sollte es wieder schneien, wäre der Reiseverkehr über die Festtage gefährdet. Ausfälle in Frankfurt machen sich wegen der fehlenden Rotation der Maschinen in ganz Deutschland bemerkbar.

dpa/mk/tm

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

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