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Panorama 16-Jährige soll Vater erstochen haben
Nachrichten Panorama 16-Jährige soll Vater erstochen haben
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16:09 16.11.2015
In Vlotho soll eine 16-Jährige ihren Vater erstochen und ihre Mutter schwer verletzt haben. Quelle: Christian Mathiesen/dpa
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Vlotho

Eine 16-Jährige soll im ostwestfälischen Vlotho mit einem Messer auf ihre Eltern eingestochen und ihren Vater getötet haben. Die Mutter wurde bei dem Angriff in der Nacht zum Montag schwer verletzt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mitteilten. Polizeibeamte hätten die Jugendliche festgenommen. Zum Tatmotiv wurde zunächst nichts bekannt.

Schwester wollte Eltern retten

Der 59-jährige Vater sei noch in der Wohnung im Erdgeschoss gestorben, berichtete die Polizei. Die 40 Jahre alte Mutter wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die in dem Zweifamilienhaus lebenden Nachbarn hatten Polizei und Rettungskräfte benachrichtigt.

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Nach Informationen von "Westfalen-Blatt" und "Bild"-Zeitung hatte die elf Jahre alte Schwester noch versucht, die mutmaßliche Angreiferin zu stoppen. Den Berichten zufolge schlug sie der 16-Jährigen dazu mit einer Glasflasche auf den Kopf und verletzte sie dabei. Die Ermittler machten dazu keine Angaben.

Hintergrund bisher unklar

Eine Mordkommission der Polizei in Bielefeld nahm die Ermittlungen auf. Am Vormittag wurden Spuren in dem Zweifamilienhaus gesichert, in dem sich das blutige Drama ereignet hatte. Zu den Hintergründen und Einzelheiten der Tat wollte die Polizei zunächst keine weiteren Angaben machen.

Nach Einschätzung des Kinder- und Jugendtherapeuten Christian Lüdke kommen brutale Angriffe auf die eigenen Eltern im Vergleich zu anderen Delikten sehr selten vor. Auch gehe ihnen stets eine lange Geschichte voraus: "Kein Kind wird über Nacht zum Mörder seiner Eltern. Eine solche Tat steht immer am Ende einer langen psychologischen Entwicklung", sagte Lüdke.

"Gefühl von jahrelanger Ohnmacht"

In vielen Fällen gehe es jugendlichen Tätern bei Angriffen auf die eigene Familie darum, sich von ihren Peinigern zu befreien. "Diese Jugendlichen teilen häufig das Gefühl von jahrelanger Ohnmacht – sei es, weil sie missbraucht wurden oder sich ungeliebt oder permanent gegängelt fühlen", sagte Lüdke. "Durch Gewaltausübung verwandeln sie diese Ohnmacht in Allmacht."

dpa

Hintergrund

Wenn Kinder ihre Eltern töten

Dass Kinder wie jetzt in Vlotho ihre Eltern töten, geschieht eher selten. Einige Fälle:

Juli 2015: Knapp zwei Jahre nach den tödlichen Schüssen auf einen Berliner Steuerberater ist das Mordurteil gegen den Sohn des Opfers rechtskräftig: acht Jahre Jugendhaft. In einem Familienstreit hatte der damals 16-Jährige den Vater 2013 in dessen Kanzlei erschossen.

Februar 2011: Wegen Mordes an seinen Eltern verurteilt das Landgericht Potsdam einen früheren Jura-Studenten (28) zu lebenslanger Haft. Er hatte Vater und Mutter umgebracht, weil sie ihm berufliches Versagen vorwarfen.

Dezember 2009: Weil er seine schlafende Mutter betrunken mit einer Axt ermordet hat, schickt das Landgericht Frankfurt den Sohn acht Jahre hinter Gitter. Die Mutter hatte ihn oft kritisiert, weil er zu viel trank und die Schule abgebrochen hatte. Zur Tatzeit war der Sohn 17 Jahre alt.

April 2009: Aus Habgier erschießt ein 18-Jähriger in Eislingen (Baden-Württemberg) seine Eltern und beide Schwestern. Das Landgericht Ulm verurteilt ihn 2010 zu lebenslanger Haft. Ein Schulfreund, der ihm bei der Tat half, muss zehn Jahre hinter Gitter.

November 2004: Im Streit um schlechte Schulleistungen erschießt ein Zwölfjähriger aus Braunschweig Vater und Mutter. Dann verletzt er sich mit einem Kopfschuss. Da der Junge noch nicht strafmündig ist, wird das Verfahren eingestellt. Anlass war ein Streit um schlechte Zensuren.

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