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Panorama Jennifer Lawrence, das Mädchen mit Mumm
Nachrichten Panorama Jennifer Lawrence, das Mädchen mit Mumm
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22:54 03.11.2015
Von Stefan Stosch
Am Mittwoch ist die Weltpremiere von "Mockingjay Teil 2": Im letzten Film der "Tribute von Panem"-Saga führt Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen die Revolution gegen das herrschende System an. Quelle: ANDY RAIN
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Berlin

Jennifer Lawrence hat ihre Offenheit schon manches Mal bereut, aber es passiert ihr immer wieder: Die Schauspielerin redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Das ist ungewöhnlich in Hollywood. Wer zum Beispiel der ähnlich erfolgreichen Kollegin Rooney Mara zuhört, wundert sich bald, wie man in ganzen Sätzen reden und doch so wenig Substanzielles über die Lippen bringen kann.

Klar, es gibt Ausnahmen, George Clooney oder Kate Winslet verkünden auch in politischen Dingen ihre Meinung. Quentin Tarantino ist jüngst bei einer New Yorker Demo gegen Polizeigewalt mitgelaufen – seitdem hat er es mit Boykottaufrufen gegen seinen nächsten Film zu tun.

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Katniss Everdeen ist ihre erfolgreichste Rolle

Jennifer Lawrence, gerade 25 Jahre alt, bezieht Stellung, egal was später im wahrheitsverdrehenden Internet darüber zu lesen ist, vor dem sich die meisten Stars fürchten. Ungerührt hat sie kürzlich zum Besten gegeben: Würde Donald Trump US-Präsident, wäre dies das "Ende der Welt". Und dann hat sie in "Entertainment Weekly" den Verdacht nachgeschoben, dass der republikanische Poltergeist nur eine Kunstfigur ist: "Ich glaube wirklich, dass das Reality-Fernsehen mittlerweile so weit gekommen ist, dass selbst solche Dinge möglicherweise allein zur Unterhaltung gedacht sind."

Mit Reality-TV kennt sich Lawrence aus. Ihre erfolgreichste Rolle ist die der Katniss Everdeen, die in einer mörderischen Unterhaltungsshow als Gladiatorin in die Arena geschickt wird. In Berlin bewirbt Lawrence gerade den abschließenden vierten Teil der dystopischen "Tribute von Panem"-Reihe. Mit ihr sind Julianne Moore, Donald Sutherland und Josh Hutcherson zur heutigen Weltpremiere angereist. Die hochgewachsene Lawrence fällt sofort ins Auge.

Im großen Finale "Mockingjay Teil 2" (Kinostart: 19. November) hat sich Katniss Everdeen zur Anführerin der Revolution gegen das herrschende System gemausert – eine Aufgabe, die Lawrence gut steht. Denn auch im wirklichen Leben ist sie dank ihrer erfrischenden Offenheit eine Ausnahmeerscheinung.

Sie weiß genau, dass ihre größten Fans nicht unbedingt zwischen Filmfigur und Realität unterscheiden. Sie könne gar nicht anders, als diese Vorbildrolle anzunehmen, sagt sie. Mit den "Tributen" ist Lawrence zur selbstbewussten Persönlichkeit gereift. So ähnlich hat das Emma Watson alias Hermine Granger mit den "Harry Potter"-Filmen hinbekommen.

Oscar für "Silver Linings"

Schon ihre erste aufsehenerregende Rolle war die eines Mädchens mit Mumm. In "Winter’s Bone" (2010) spielte Lawrence eine Teenagerin, die unter Hinterwäldlern in den amerikanischen Bergen ihren Vater sucht. Dafür gabs eine Oscar-Nominierung. Die Trophäe in Händen hielt sie dann für "Silver Linings" (2012). An der Seite ihres Lieblingsfilmpartners Bradley Cooper war sie als manisch-depressive Frau zu sehen. Zeigt ihre Karriere also allein in Richtung Sterne? Nicht ganz: Beworben hatte sie sich auch für die Rolle der Bella in der Vampirsaga "Twilight" – und war abgeblitzt.

Bis heute plaudert sie ungeniert über Stripclub-Besuche, ihre Rekorde im Weitpinkeln oder über die Nachstellungen von Paparazzi. Auch wenn es um die Benachteiligung von Frauen in Hollywood geht, nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Die "glücklichen Typen mit Schwanz", wie sie sich ausdrückt, würden einfach besser bezahlt. "Müssen wir Frauen uns gesellschaftlich bedingt unterordnen?", hat sie auf der feministischen Onlineplattform "Lenny" gefragt. "Könnte es sein, dass wir unsere Meinung aus Gewohnheit so kundtun, dass sie Männer nicht beleidigt oder erschreckt?"

Die bestbezahlte Schauspielerin der Welt

Als Beleg diente ihr die Komödie "American Hustle" (2013). Sie habe nicht so hart verhandelt wie Christian Bale oder Bradley Cooper und sich mit einer geringeren Gage zufriedengegeben. Unter Geldnot dürfte Lawrence tatsächlich nicht leiden: Nach Angaben des Magazins "Forbes" war sie im Vorjahr mit 52 Millionen Dollar die bestbezahlte Schauspielerin weltweit. Ihr männliches Gegenüber Robert Downey Jr. verbuchte allerdings 30 Millionen mehr auf seinem Konto.

Die Zeit der "Tribute von Panem" ist für Jennifer Lawrence beinahe vorüber. "Das ist traurig, ich liebe diese Rolle", sagte sie in Berlin. Aber natürlich ist sie schon ein paar Filme weiter. Ende des Jahres spielt sie die Teleshopping-Queen "Joy", die es dank eines sich selbst auswringenden Wischmops zur Multimillionärin bringt. Männer dürften in dem Film ganz ordentlich abgewatscht werden.

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