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Panorama Wegen Missbrauchs verurteilter Lehrer wird versetzt
Nachrichten Panorama Wegen Missbrauchs verurteilter Lehrer wird versetzt
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23:06 16.09.2010
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Nach dem Wirbel der vergangenen Tage habe es „keine andere Lösung mehr gegeben“. Nicht zuletzt den Lehrer Hartmut B. (Name von der Redaktion geändert) habe die Situation sehr belastet, er müsse jetzt „selber Ruhe finden“, sagte der Schulleiter. Man habe am Donnerstag auch den Schulvorstand und das Lehrerkollegium informiert. Wegen der anonymisierten Berichterstattung habe bislang – bis auf wenige Vertrauenspersonen – niemand an der Schule Bescheid gewusst, dass der Fall hier spiele: „Ich bin froh, dass der Schulfrieden gewahrt werden konnte.“

Hartmut B. war 2008 wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen zu einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen verurteilt worden. Er wurde an eine andere Schule etwa 90 Kilometer von seiner alten Arbeitsstelle versetzt. Nachdem der Fall im Juni durch einen Bericht der HAZ bekannt geworden war, hatte B. trotz diverser Proteste von Lehrer- und Elternverbänden seinen Dienst wieder aufgenommen. Er sei strafrechtlich und disziplinarisch hinreichend bestraft, fand das Kultusministerium.

Der 59-jährige Pädagoge habe zuvor schon vor allem in der Lehrerausbildung gearbeitet, sagte der Leiter der Schule, an die B. versetzt worden war. Weil der Lehrer zudem viele Überstunden angehäuft hatte, habe sein Unterrichtseinsatz weiter reduziert werden können. Er sei sich sicher, dass B. an seiner Schule nicht erneut straffällig geworden sei, sagte der Direktor: „Aus meiner Sicht war die Gefahr eines Rückfalls nicht gegeben.“

Nachdem bekannt geworden war, dass B. der Schulbehörde eine Herabstufung um zwei Dienstgerade als disziplinarische Maßnahme angeboten hatte und dadurch einer Entlassung entgangen war, hatten Politiker und Kinderschutzverbände gefordert, dass er nicht mehr unterrichten dürfe. Daraufhin veranlasste das Ministerium seine Versetzung in die Verwaltung. Auch die Anwältin des Opfers begrüßte dies. Sie hoffe, dass jetzt der Opferschutz mehr in den Blick der Schulbehörden gerate.

Vor Kurzem hat das Ministerium für die Schulen eine neue Handreichung herausgegeben, wie sie sich bei Verdacht eines sexuellen Missbrauchs verhalten sollen. GEW-Vorsitzender Eberhard Brandt hatte gefordert, Junglehrer mehr zu dem Thema zu schulen. Dass sie von verurteilten Sexualstraftätern ausgebildet werden könnten, hatte er sicher nicht gemeint.

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