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Panorama Weltweit gibt es bald sieben Milliarden Menschen
Nachrichten Panorama Weltweit gibt es bald sieben Milliarden Menschen
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22:40 28.12.2010
Von Nicola Zellmer
Die in Hannover ansässige Deutsche Stiftung Weltbevölkerung geht davon aus, dass jede Sekunde im Schnitt 2,6 Menschen zur Welt kommen. Quelle: dpa
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In jeder Sekunde wächst die Weltbevölkerung um durchschnittlich 2,6 Köpfe. Aktuell leben bereits 6,9 Milliarden Menschen auf unserem Planeten – mehr als jemals zuvor. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) in Hannover rechnet damit, dass bis zum Jahr 2050 noch mehrere Milliarden Menschen hinzukommen werden. Vor allem in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara wächst die Bevölkerung rasant. Hochrechnungen zufolge werden auf dem afrikanischen Kontinent im Jahr 2050 rund die Hälfte aller Menschen leben.

Das Problem: Afrika kann seine Bevölkerung schon heute nicht mehr versorgen. Mehr Kinder bedeuten demnach auch mehr Armut, mehr Hunger, mehr unbehandelte Krankheiten in den betroffenen Ländern. Mit Projekten zur Familienplanung und Gesundheitsaufklärung versucht die DSW hier gegenzusteuern. In Tansania beispielsweise bekommt jede Frau durchschnittlich sechs Kinder; 58 von 1000 Neugeborenen sterben. Zugang zu Verhütungsmitteln hat nur ein Viertel der dort lebenden Frauen. Die Bildungs- und Berufschancen für Mädchen seien so schlecht, dass die meisten heiraten müssten, um versorgt zu sein, erklärt DSW-Sprecherin Ute Stallmeister.

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Im EU-Projekt „Fit for the future“ (Fit für die Zukunft) lernen junge Frauen schneidern, kochen oder fertigen Kunsthandwerksgegenstände aus landestypischen Materialien. „Dadurch können sie später eigene Produkte auf dem Markt verkaufen und werden unabhängiger“, erklärt Stallmeister. Gleichzeitig klärt die DSW mit ihren „Youth Trucks“, mit Musikanlagen bestückten Jeeps oder Bussen, über Familienplanung und sexuell übertragbare Krankheiten auf. Gerade in ländlichen Gegenden ist der Truck stets schnell von Jugendlichen umringt, es werden Stühle im Kreis aufgestellt, und einheimische DSW-Mitarbeiter erklären den Gebrauch von Kondomen und Pille.

„Noch immer werden jedes Jahr 75 Millionen Frauen in den Entwicklungsländern ungewollt schwanger“, sagt DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. „In den Ländern südlich der Sahara bekommt eine Frau durchschnittlich fünf Kinder. Eins davon ist ungewollt“, erläutert Ute Stallmeister. Gelänge es, nur die unerwünschten Schwangerschaften im südlichen Afrika durch Aufklärung zu vermeiden, ließe sich das Bevölkerungswachstum um ein Fünftel verringern“, rechnet die DSW-Sprecherin vor.

In den Projektionen der Weltgesundheitsorganisation WHO machen solche Erfolge letztlich den Unterschied zwischen unterschiedlichen Wachstumsvarianten aus. Bleibt die Kinderzahl pro Frau bis 2050 bei den derzeitigen 2,5, wird es 2050 voraussichtlich 11,9 Milliarden Menschen geben. Sinkt die Kinderzahl jedoch knapp unter das sogenannte Ersatzniveau von 2,1 Kindern, zählt die Weltbevölkerung 2050 nur 9,1 Milliarden Menschen. Mit Rollenspielen und jugendlichen Tutoren informiert die DSW die jungen Afrikaner daher in Äthiopien, Tansania, oder Kenia über Verhütung und Aids-Gefahr.

„In Tansania haben die Jugendberater unter anderem ein Musikstück zu Aids mit wirklich pfiffiger Rapmusik entwickelt“, sagt Stallmeister. „So etwas zieht auch viele Jugendliche an, die nur zufällig in der Gegend sind, und man kommt ins Gespräch.“ In anderen Ländern wie Uganda, das mit knapp sieben Geburten pro Frau das höchste Bevölkerungswachstum weltweit aufweist, müssen die DSW-Helfer dagegen vor allem die Zehn- bis 14-Jährigen ansprechen. „Viele Jugendliche haben dort schon vor dem 14. Lebensjahr Sex“, so Stallmeister.

Dass die Kampagnen wirken, zeige die stiftungseigene Evaluation, sagt die Sprecherin. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Jugendlichen, die über Verhütung informiert waren, in der Projektregion von elf auf 100 Prozent.