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Panorama Sein Liebesbrief rührt die Welt
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14:54 19.11.2015
Antoine Leiris verlor beim Massaker im Pariser Musikclub seine Frau. Auf Facebook hat er einen Liebesbrief veröffentlicht, der um die Welt geht. Quelle: Action Press
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Paris

Mehr als 200.000 Mal ist Antoine Leiris' Post geteilt worden, viele hinterlassen Kommentare voller Anteilnahme. Denn Leiris hat bei dem Massaker der Islamisten im Pariser Club Bataclan seine Frau verloren. Hélène Muyal-Leiris wollte sich einen schönen Abend auf dem Konzert der Eagles of Death Metal machen – zurück kam sie nicht. Die Terroristen haben sie erschossen.

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"Ihr bekommt meinen Hass nicht", schriebt ihr Mann jetzt. Obwohl er allen Grund dazu hätte. Zwölf Jahre hatte er mit seiner Frau zusammengelebt, vor 17 Monaten erst war ihr gemeinsamer Sohn geboren worden.

Der Journalist wendet sich direkt an die Islamisten: "Ich weiss nicht, wer ihr seid und ich will es nicht wissen, ihr seid tote Seelen. Wenn dieser Gott, für den ihr blindlings tötet, uns nach seinem Bild gemacht hat, dann muss jede Kugel im Körper meiner Frau eine Wunde in sein Herz gerissen haben", schreibt er. Er werde ihnen deshalb nicht das Geschenk machen, Angst zu haben und seine Mitmenschen mit Misstrauen zu begegnen, weil er seine Freiheit der Sicherheit opfere.

Sie wird immer bei ihnen sein

Leiris habe die Leiche seiner Frau am Montagmorgen gesehen. "Sie war noch genauso schön wie an dem Freitagabend, an dem sie ausging. Noch genauso schön wie vor zwölf Jahren, als ich mich hoffnungslos in sie verliebte." Natürlich sei er vor Kummer am Boden zerstört, diesen kleinen Sieg muss er den Terroristen zugestehen. Doch das werde nicht lang anhalten, glaubt Leiris. Denn er wisse, dass seine Frau immer bei ihm und dem kleinen Melvil sein werde und sie sich im Paradies der freien Seelen wiedersehen würden. In das die Terroristen nie hineinkämen.

Er müsse nun Schluss machen, der kleine Melvil sei aus seinem Mittagsschlaf erwacht, beendet Leiris seinen emotionalen Post. Und fügt seinen eigenen Triumph über den Terrorismus hinzu: "Er wird seinen Brei essen wie jeden Tag, dann werden wir zusammen spielen, wie jeden Tag. Sein ganzes Leben wird dieser kleine Junge eine Beleidigung für euch sein, weil er frei und glücklich lebt. Deshalb bekommt ihr auch seinen Hass nicht."

isc

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