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19:45 23.12.2011
Von Gabriele Schulte
Eine Familie hat sich am Heiderand mit 30 Dromedaren und Trampeltieren ihren Lebenstraum erfüllt.
Eine Familie hat sich am Heiderand mit 30 Dromedaren und Trampeltieren ihren Lebenstraum erfüllt. Quelle: Hagemann
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Visselhövede

Zu Weihnachten sind sie als lebende Krippentiere gefragt: Ob Adventsfeier, Weihnachtsmarkt oder Reiterumzug – gern werden echte Kamele vom südwestlichen Rand der Lüneburger Heide bestellt. „Bei Bedarf bringen wir zusätzlich noch Esel mit“, erzählt Andreas Marquard. Er und seine Frau Beke haben sich in Visselhövede-Hiddingen (Kreis Rotenburg) einen Lebenstraum erfüllt. Vor fast 20 Jahren haben sie auf ihrem Hof in dem 580-Einwohner-Ort ein Kamel eingestallt. Inzwischen traben und galoppieren dort 30 der Höckertiere über die Wiesen und treten ansonsten landauf, landab bei Geburtstagen und anderen Festlichkeiten auf.

„Die frieren auch im Winter nicht.“ Beke Marquard gibt diese Antwort immer wieder, wenn Besucher besorgt oder bloß neugierig nachfragen. Zum einen wachse Kamelen bei sinkenden Temperaturen ein dickes Fell. „Außerdem ändern sie ihre Körpertemperatur je nach Wetter“, sagt die Besitzerin und macht es sich zwischen den Höckern von Kalif, einem ihrer Trampeltiere bequem.

Trampeltiere seien im Übrigen die Kamele mit den zwei Höckern, Dromedare die mit nur einem – auch das ist eine Antwort auf eine stets von Neuem gestellte Frage. Während die Dromedare in heißen, nachts aber oft kühlen afrikanischen Wüsten zu Hause sind, leben Trampeltiere beispielsweise in den Steppen Sibiriens. „Da kann es mehr als minus 30 Grad kalt werden“, erzählt Beke Marquard.

Tatsächlich wirkt Kalifs zotteliger Rücken an Wintertagen wie eine Sitzheizung. „Auch Airbag ist beim Kamelreiten inklusive“, scherzt Beke Marquard und meint das weiche, beruhigende Schaukeln, mit dem das Tier sich im Schritttempo bewegt. An diesem Dezembermorgen setzt es sehr vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Denn die Wiese ist nass und ein wenig glatt, die huflosen Sohlen finden da wenig Halt. An solchen Tagen bleiben die Tiere in der Regel in ihrem Offenstall.

Ansonsten dürfen Besucher den Blick aus rund zwei Metern Höhe genießen – entweder bei einem Schnupperritt auf der Wiese, oder in einer kleinen Karawane, die, mit einem Seil verbunden, durch die umgebende Bruch- und Moorlandschaft zuckelt. „Aber alles nur auf Anmeldung“, betont die 40 Jahre alte Visselhövederin. Denn ebenso wie ihr vier Jahre älterer Mann arbeitet sie hauptberuflich in der Vermessungstechnik. Allerdings beide in Teilzeit, denn die 30 Kamele und sechs Esel wollen gefüttert und gepflegt werden, außerdem Kängurus, Zebras, Hunde und diverse andere Tiere.

Zur Familie Marquard gehören noch die 13 Jahre alte Fe und der zehnjährige Marten. Beide helfen regelmäßig mit, reiten auch gern mal „hoch zu Kamel“ mit Freunden aus oder nehmen an Kamelrennen teil. Bei solchen Veranstaltungen, wie sie gelegentlich als Beiprogramm von Pferde-Galopprennen  stattfinden, kann gerade der sonst so behäbig wirkende Kalif richtig Gas geben. Auch durch Hiddingen ist das Trampeltier schon mit 50 Kilometern pro Stunde gedüst. Die Nachbarn, erzählen die Marquards, hätten sich an die Kamele gewöhnt. Auch der Kreisveterinär habe nichts zu beanstanden.

„Schon als Kind habe ich davon geträumt, ein Kamel zu besitzen“, erzählt Andreas Marquard. „Jetzt sind es 30, und sie machen uns beiden Freude“, ergänzt seine Frau Beke. Die 40-Jährige schätzt das meist friedliche Wesen der über Drittländer importierten Wüstentiere – vom Dominanzgehabe der Hengste in der Brunftzeit mal abgesehen. „Die stehen alle im selben Stall, und um das Futter gibt es kein Hauen und Stechen.“ Dumm seien die Tiere nicht, vielmehr an ihrer Umgebung sehr interessiert.

Aber sie sind stur. Beke Marquard konnte das bei einem Ritt von Visselhövede an die Nordsee erleben. Gemeinsam mit einer Freundin war sie tagelang unterwegs; und wenn die Kamele nicht mehr wollten, ging es nicht weiter. Doch dafür zeigt die Besitzerin viel Verständnis. „Sie sind wasserscheu“, sagt Beke Marquard. So brauche es Geduld, sie über Brücken zu locken. Trotz des damals sehr schlechten Wetters kann sie sich eine Kameltour durch Niedersachsen gut noch einmal vorstellen. „Das war ein Abenteuer, und die Leute unterwegs waren alle sehr freundlich.“

Zu Weihnachten aber wird es auch bei Marquards besinnlich. Unter dem Tannenbaum haben sie eine Krippe aus Holz aufgestellt. Die macht keine Arbeit.

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