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Panorama Womöglich noch mehr Hühnerfutter mit Dioxin belastet
Nachrichten Panorama Womöglich noch mehr Hühnerfutter mit Dioxin belastet
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17:54 30.12.2010
Quelle: Udo Heuer (Symbolbild)
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Die Belastung von Hühnerfutter mit Dioxin in mehreren Bundesländern hat möglicherweise ein noch größeres Ausmaß als bisher bekannt. Mindestens neun Mischfutter-Unternehmen in Niedersachsen, Hamburg und Sachsen-Anhalt hätten nach vorläufigen Erkenntnissen mit dem Umweltgift verunreinigte Fette verarbeitet, teilte das Verbraucherschutzministerium von Nordrhein-Westfalen am Donnerstag in Düsseldorf mit. Die Hersteller belieferten demnach Landwirtschaftsbetriebe in der ganzen Bundesrepublik.

Erst kürzlich hatte auch ein Hühnerfutter-Produzent aus Dinklage (Kreis Vechta) bei Eigenkontrollen leicht erhöhte Dioxinwerte in seiner Ware entdeckt. Die Firma versorgte nach Angaben des Agrarministerium in Hannover im November rund 20 Legehennen-Betriebe. Unklar blieb zunächst, wie viele Eier von den mit belasteter Ware gefütterten Hühnern in den Handel gelangten. „Es ist äußerst wahrscheinlich, dass die schon verzehrt sind“, sagte ein Sprecher.

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In Nordrhein-Westfalen wurden unterdessen im Landkreis Soest drei Ställe für Legehennen gesperrt. Ursache der Verunreinigung des Mischfutters sind nach Angaben der NRW-Behörden pflanzliche Futterfette eines Betriebs im niedersächsischen Ort Bösel, der wiederum zu einer Unternehmensgruppe in Uetersen (Schleswig-Holstein) gehöre. Die belasteten Fette seien mehrere Wochen lang an die Mischfutterbetriebe ausgeliefert worden.

„Für uns ist derzeit nicht klar, ob es sich um ein menschliches Fehlverhalten oder um Vorsatz handelt“, sagte NRW- Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne). Für die Aufklärung sei das Land Niedersachsen zuständig. Bisher warte NRW noch auf Unterlagen, „die uns helfen, Klarheit in diesen Fall zu bringen“. Niedersachsen habe bislang auch nicht die vollständige Liste der Lieferadressen übermittelt, an die das belastete Futter gegangen sei.

„Wir teilen die Einschätzung der niedersächsischen Landesregierung nicht, dass der Dioxin-Fall nur eine untergeordnete Bedeutung hat“, meinte Remmel. Für dieses Urteil lägen noch zu wenige Informationen vor. Bisher könne nicht ausgeschlossen werden, dass deutlich mehr Hühnerbetriebe in der Bundesrepublik davon betroffen seien.

Auch die niedersächsischen Grünen hatten die Einschätzung des hannoverschen Agrarministeriums zuvor kritisiert. Dieses hatte erklärt, ein Verzehr der belasteten Eier sei „unproblematisch“, weil die Erhöhung der Dioxinwerte nur gering sei.

dpa