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Panorama Wütende Bürger beschimpfen Feuerwehrleute
Nachrichten Panorama Wütende Bürger beschimpfen Feuerwehrleute
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07:54 26.08.2011
Von Sören Hendrik Maak
In Bad Salzdetfurth pumpte die Feuerwehr Keller leer, manchem ging es zu langsam. Quelle: Vollmer
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Bad Salzdetfurth

Bad Salzdetfurth. Beschimpfungen gegen freiwillige Feuerwehrleute haben bei den Einsatzkräften in Bad Salzdetfurth (Kreis Hildesheim) für Bestürzung gesorgt. „So etwas haben wir noch nicht erlebt“, sagte Stadtbrandmeister Matthias Bellgardt nach dem Hochwassereinsatz am Wochenbeginn. Insgesamt 140 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr waren am Dienstag zu 50 Einsätzen im Südkreis Hildesheim ausgerückt, um überflutete Keller auszupumpen, Straßen von Hochwasser zu befreien und umgestürzte Bäume zu beseitigen. Über das Arbeitstempo und die Reihenfolge der Einsätze beschwerten sich einige Anwohner lautstark.

„Wir haben uns beeilt, aber es ist nunmal nicht der dran, der am lautesten schreit“, sagt Bellgardt. Zwei Anwohner hätten die Arbeitsweise der ehrenamtlichen Helfer besonders erschwert. In einem Fall soll ein Einsatzfahrzeug die Hauseinfahrt zugeparkt haben, woraufhin sich ein Anwohner lautstark beschwerte. Als besonderes Ärgernis empfand es ein anderer offenbar, dass die Feuerwehrleute Abwasser auf den Bürgersteig gekippt haben.

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„Für unsere Leute ist der Protest demotivierend“, sagt Bellgardt. „Es kann nicht angehen, dass die ehrenamtlichen Helfer, die unentgeltlich ihre Stunden aufbringen, auch noch beleidigt werden.“ Viele hätten sich über Stunden engagiert. Der Einsatz habe um 9 Uhr begonnen und bis 21 Uhr gedauert. Es ist selbstverständlich, dass die freiwilligen Feuerwehrleute auch ihren Arbeitsplatz verlassen, um den Bürgern zu helfen. Die Beschimpfungen vom Dienstag sind indes keine gute Werbung für das ehrenamtliche Engagement bei der Feuerwehr. Die Freiwillige Feuerwehr ist aber optimistisch, dass sich weiterer Nachwuchs findet.

Die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr ist für den Brandschutz in Niedersachsen von großer Bedeutung. „Landesweit gibt es 2800 Berufsfeuerwehrleute und 135.000 freiwillige Feuerwehrleute“, sagt Hans Graulich, Präsident des Landesfeuerwehrverbands. Aktuell gebe es noch keine gravierenden Nachwuchssorgen. Ohne entsprechende Werbung drohe aber in spätestens 20 Jahren ein Personalengpass.

Verbale Angriffe von Bürgern auf ehrenamtliche Helfer sind eine Ausnahmeerscheinung. „Die meisten Bürger sind uns in der Regel sehr dankbar“, sagt Bellgardt. Am Dienstag sei den Feuerwehrleuten immerhin das eine oder andere Stück Kuchen angeboten worden. Einige Anwohner hätten sogar selbst mit angepackt.

Aber auch Hans Graulich vom Landesfeuerwehrverband hat schon seine Erfahrungen mit überzogenem Anspruchsdenken gemacht. „Bei einem Einsatz vor einigen Jahren mussten wir mit drei Pumpen insgesamt 15 Keller entleeren, was natürlich seine Zeit gebraucht hat.“ Deshalb habe die Feuerwehr die Bürger ermuntert, sich selbst eine Pumpe zuzulegen, um im Notfall auch eigenständig reagieren zu können. Einige Zeit später seien die Keller erneut vollgelaufen –„und niemand hatte sich in der Zwischenzeit eine Pumpe besorgt“.