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Panorama Xavier Naidoo singt für Deutschland
Nachrichten Panorama Xavier Naidoo singt für Deutschland
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13:31 19.11.2015
Xavier Naidoo will beim ESC mit "Herz und Können" antreten - möglicherweise auch mit einem deutschen Song. Quelle: Jörg Carstensen/dpa
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Berlin

Die ARD schickt den umstrittenen Sänger Xavier Naidoo für Deutschland zum Eurovision Song Contest (ESC) 2016. Das deutsche Publikum ist an der Auswahl dieses Mal nicht beteiligt. Die Zuschauer dürfen lediglich bei der Show "Unser Song für Xavier" am 18. Februar über das Lied abstimmen, mit dem der 44-jährige Künstler in Stockholm ins Rennen gehen soll.

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Der Norddeutsche Rundfunk bestätigte am Donnerstag Berichte der "Bild"-Zeitung und der "FAZ". Naidoo war in der Öffentlichkeit mehrmals mit provokanten Äußerungen aufgefallen. Kritiker werfen dem Mannheimer mit indischen und afrikanischen Wurzeln eine Nähe zu Verschwörungstheorien sowie Homophobie vor. Bei Schwulen und Lesben hat der ESC traditionell eine große Fangemeinde.

"Xavier Naidoo ist weder rechtspopulistisch noch homophob oder antisemitisch", sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. Die Entscheidung stieß in sozialen Netzwerken auf heftige Kritik. Schreiber verteidigte auf eurovision.de das Vorgehen: "Zum einen wollen wir die Auswahl der Lieder stärker in den Vordergrund stellen und weniger die Sympathien für einzelne Kandidaten entscheiden lassen. Zum anderen haben wir jemanden gesucht, der im Jahre sechs nach Lenas Sieg in Oslo den Mut hat, in Stockholm anzutreten - nach einem letzten Platz und null Punkten beim ESC in Wien."

Reichlich Kritik bei Twitter

Deutschland hatte zuletzt Titelverteidigerin Lena Meyer-Landrut ohne vorheriges Votum zum ESC 2011 in Düsseldorf geschickt. 2015 war Deutschland mit null Punkten auf dem letzten Platz gelandet.

Bei Twitter häuften sich nach Bekanntwerden der Entscheidung die kritischen Äußerungen. "Naidoo wird der erste esc-Kandidat mit eigener Gegendemo bei der @ndr -Übertragung auf dem Spielbudenplatz", schrieb Nutzer Mithos09. "Naidoo zum ESC zu schicken ist konsequent in Zeiten von PEGIDA", hinterließ User Lars Oberg. Nutzer Duesselsimon twitterte: "Mit seinen Ansichten ist der Mann einfach nicht tragbar. Hat sich damit jemand auseinandergesetzt?" Die NDR-Satiresendung "extra3" ätzte in Anspielung auf Äußerungen des Bundesinnenministers: "Warum ausgerechnet Xavier Naidoo Deutschland vertritt? Ein Teil dieser Antwort würde uns ganz sicher verunsichern!"

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Auch unter dem Hashtag #einliedfürxavier spötteln Twitter-User mächtig über die Wahl: "Verschwörungstheorien flyin' over your head / if you wanna wahnwichtel, get out of bed. / You're in the Mahnwache now", schreibt @astefanowitsch. Und @trebond09 legt nach: "Ich geh mit meiner Pegida und meine Pegida mit mir. Über uns leuchten die Ängste und unter uns gilt mein Hass dir."

Homo-Verband kritisiert die Wahl

Auch bei Facebook dominierten ablehnende Äußerungen. Mehrfach hat Naidoo Diskussionen ausgelöst - etwa, als er am Tag der Deutschen Einheit vor rechtspopulistischen sogenannten Reichsbürgern sprach, die Deutschland nicht als souveränen Staat anerkennen. 2011 hatte er in der ARD erklärt: "Wir sind nicht frei. Wir sind immer noch ein besetztes Land." 2012 sorgte der Text des Liedes "Wo sind" von Naidoo und Kool Savas für Ärger. Dort geht es in sehr vulgärer Sprache um Kindermorde - Passagen wurden als schwulenfeindlich kritisiert, Homosexuelle würden mit Pädophilen gleichgesetzt.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hatte 2012 zudem Anzeige wegen eines Liedes von Naidoo und dem Rapper Kool Savas erstattet, weil das Stück aus Sicht des Verbands schwulenfeindlich war. Entsprechend groß war die Entrüstung: Über Naidoos ESC-Teilnahme sei man "mehr als unglücklich", so LSVD-Bundesvorstand Tobias Zimmermann. und weiter: "Jeder hat eine zweite Chance verdient. Ich sehe aber nicht, dass er sich von dem rechten Gesinnungsgut distanziert hat."

Naidoo will "das Ding" nach Hause holen

Naidoo, der vielen Zuschauern aus den TV-Shows "The Voice of Germany" und "Sing meinen Song" bekannt ist, äußerte große Vorfreude: "Ich hab richtig Lust auf den ESC! Dieser völkerverbindende Wettbewerb ist für mich etwas ganz Besonderes. Und klar, ich trete an, um das Ding nach Hause zu holen." Er kündigte an: "Ich verspreche, so schön und so gut zu singen wie noch nie in meinem Leben. Ich will in den drei Minuten auf der Bühne zeigen, dass wir auch in Deutschland Musik mit Leidenschaft machen. Und zeigen, wofür ich stehe - für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander", sagte Naidoo weiter.

Bisher gab es mit wenigen Ausnahmen einen Wettbewerb, aus dem der deutsche ESC-Kandidat hervorging. Vergangenes Mal hatte Sieger Andreas Kümmert die Wahl nicht angenommen, so dass die zweitplatzierte Ann-Sophie in Österreich antrat. Naidoo hat seine Alben in Deutschland millionenfach verkauft. Mit "Dieser Weg" lieferte er 2006 den Hit zum Fußball-Sommermärchen. Den Echo bekam er sechs Mal, zuletzt in diesem Jahr. Das nächste Finale findet im Mai 2016 in Stockholm statt, nachdem der Schwede Måns Zelmerlöw dieses Jahr mit seinem Song "Heroes" gewonnen hatte. Zelmerlöw hatte ebenfalls mit Homophobie-Vorwürfen zu kämpfen.

dpa

Imre Grimm 18.11.2015
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