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Panorama Zeugin im Landgericht von Angeklagtem erstochen
Nachrichten Panorama Zeugin im Landgericht von Angeklagtem erstochen
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23:07 01.07.2009
Polizisten und Sanitäter nach der Messerstecherei im Landgericht Dresden. Quelle: Ove Landgraf/ddp
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Während der Berufungsverhandlung, in der es um eine Geldstrafe von knapp 800 Euro wegen Beleidigung ging, sei es zu dem „tätlichen Angriff“ gekommen, teilte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius mit. Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU), der wenige Stunden nach der Tat den Tatort besichtigte, sprach von einer „Tragödie“.

Der genaue Ablauf und die Hintergründe blieben zunächst unklar. Eine Gerichtssprecherin sagte, der in Russland geborene Alex W. sei zuvor vom Amtsgericht Dresden zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 13 Euro verurteilt worden. Er hatte im August 2008 eine Frau auf einem Dresdner Spielplatz als „Islamistin und Terroristin“ beschimpft. Ob das Opfer diese Frau war oder lediglich deren Aussage bestätigte, und ob die Zeugin vor Gericht bereits ausgesagt hatte - dazu gaben die Ermittler zunächst keine Auskünfte.

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Bestätigt wurde lediglich, dass der Angeklagte die Zeugin im Gerichtssaal mit einem Messer angriff und sie mit mehreren Stichen schwer verletzte. Sie erlag wenig später ihren Verletzungen. Laut Oberstaatsanwalt Avenarius wurde der Mann anschließend überwältigt und von den Ermittlern vernommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Totschlags.

Bei der Überwältigung und Festnahme des Angeklagten wurde auch eine Schusswaffe benutzt. Ein Polizeibeamter habe geschossen, sagte ein Sprecher. Nach Gerichtsangaben soll es mehrere Verletzte gegeben haben. Polizei und Staatsanwaltschaft konnten dies zunächst jedoch nicht bestätigen. Der Tatort wurde abgesperrt. In die Ermittlungen wurde auch das Landeskriminalamt eingeschaltet. Eine Gerichtssprecherin sagte, dass es vor der Verhandlung „keine Personenkontrollen“ gegeben habe, weil dies in solchen Fällen von „Kleinstkriminalität“ nicht üblich sei.

Oberstaatsanwalt Avenarius kündigte an, dass nach dem Tatverdächtigen auch noch die anderen Augenzeugen vernommen werden sollen. Die meisten stünden jedoch unter Schock.

Justizminister Geert Mackenroth (CDU) sagte nach einer Besichtigung des Tatorts, er sei „völlig schockiert und entsetzt über die Tragödie“. Mit der Familie der getöteten jungen Frau habe er „ganz tiefes Mitgefühl“. Zugleich sicherte er zu: „Wir werden alles tun, dass die Hintergründe aufgeklärt werden.“ Derzeit wisse man noch nichts Näheres.

Im Landgericht Dresden wurden am Mittwoch parallel laufende Prozesse abgebrochen oder vertagt. Abgesagt wurde auch die für Nachmittag geplante Eröffnung der Wanderausstellung „Im Namen des Volkes? - Über die Justiz im Staat der SED“ im Foyer des Gerichtssaals.

ddp