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Panorama Zollitsch warnt vor „Generalverdacht“ bei Missbrauchsfällen
Nachrichten Panorama Zollitsch warnt vor „Generalverdacht“ bei Missbrauchsfällen
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15:34 03.04.2010
Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz: Robert Zollitsch Quelle: ap (Archiv)
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Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat die Aufklärung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche zugesichert, zugleich aber vor einem „Generalverdacht“ gegen Priester gewarnt. In einem Osterbrief an Seelsorger zeigte sich der Freiburger Erzbischof am Sonnabend erneut „bestürzt“ über die „schrecklichen Taten“, die „gewaltig an unserer Glaubwürdigkeit als Kirche zehren“.

Zollitsch hob in seinem Brief an Priester, Diakone und alle Mitarbeiter in der Seelsorge des Erzbistums Freiburg hervor, dass von der Kirche zu Recht „Aufklärung und Transparenz“ verlangt würden, auch in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft. Er sei selbst „schockiert, beschämt und bisweilen sprachlos“ über solch „abscheuliche Verbrechen“. Er rief die Seelsorger auf, bei Hinweisen auf sexuellen Missbrauch die Angebote der katholischen Kirche zu nutzen und tätig zu werden. Durch ihren Dienst würden sie generell mithelfen, „dass unsere Kirche die notwendige Glaubwürdigkeit zurückgewinnt“.

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Zollitsch fügte auch hinzu: „Wir alle haben unter dem zu leiden, was einige wenige getan haben.“ Aber „Vorverurteilungen sowie eine Vermischung von Vermutungen und Fakten“ führten nicht weiter. „Verdacht heißt nicht Beweis“, schrieb er und warnte vor einem „generellen Misstrauen gegenüber allen kirchlichen Mitarbeiterinnen“.

Laut Zollitsch sind im Erzbistum Freiburg in den vergangenen Wochen Beschuldigungen gegen 31 Menschen wegen sexueller Übergriffe eingegangen. Diese richteten sich in 16 Fällen gegen Diözesanpriester - neun von ihnen seien bereits verstorben, sechs im Ruhestand, einer im aktiven Dienst. Vier Anzeigen würden gegen Ordenspriester vorliegen - zwei davon im Dienst, zwei verstorben sowie zwei Anzeigen gegen Ordensbrüder. Die Übrigen würden noch geprüft. Alle neu gemeldeten Vorfälle beziehen sich demnach auf die Zeit von 1950 bis 1980.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sieht durch die Missbrauchsfälle eine „fundamentale Erschütterung“ für die katholische Kirche. Es gebe eine große Verunsicherung bei Eltern, aber auch bei Priestern und kirchlichen Mitarbeitern, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Samstag. Auch er sicherte Aufklärung zu, wandte sich aber ebenfalls gegen „Generalverdacht“.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) rief die katholische Kirche auf, bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen ein Vorbild zu sein. Die Kirche müsse zeigen, wie ehrlich, konsequent, nachdenklich und selbstkritisch damit umgegangen werden könne, sagte das Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken der „Berliner Zeitung“ vom Sonnabend.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warf der katholischen Kirche in der „Welt am Sonntag“ mangelnde Aufklärungsbereitschaft vor. Nötig seien unabhängige Untersuchungen, der Staat müsse hier mehr Druck ausüben, forderte sie. Auch den Runden Tisch der Bundesregierung lehnte sie ab, vielmehr seien „eine unabhängige Kommission des Bundestages und ein Entschädigungsfonds“ nötig.

Der Augsburger Bischof Walter Mixa erneuerte indes sein Gesprächsangebot an Heimkinder, die ihm Schläge und Misshandlungen in den 70er und 80er Jahren während seiner Zeit als Pfarrer in Schrobenhausen vorgeworfen haben. Mixa hob in der „Bild am Sonntag“ erneut hervor, dass sein „Credo“ als Lehrer und Erzieher immer gewesen sei: „Ich bin gut zu euch, seid bitte auch gut zu mir.“

Die katholische Kirche in Deutschland wird derzeit von einem Skandal über Misshandlungs- und Missbrauchsfälle in ihren Kinder- und Jugendeinrichtungen erschüttert, die meist über Jahrzehnte verschwiegen worden waren. In den Karfreitags-Gottesdiensten war dies in vielen Bistümern thematisiert worden.

afp

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