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Panorama Zugbegleiterin bespuckt, geschlagen und belästigt
Nachrichten Panorama Zugbegleiterin bespuckt, geschlagen und belästigt
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20:53 21.05.2010
Ein Zug der privaten Eisenbahngesellschaft Metronom auf dem Bahnsteig.
Ein Zug der privaten Eisenbahngesellschaft Metronom auf dem Bahnsteig. Quelle: Nico Herzog (Symbolbild)
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Im Metronom zwischen Hamburg und Bremen ist am frühen Freitagmorgen eine Zugbegleiterin von vier Männern sexuell belästigt und geschlagen worden. Einer der Männer habe die Frau zunächst bespuckt und dann mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen, teilte die Bundespolizei am Freitag mit. Zuvor hatte der Mann vor der 38-Jährigen sein Glied entblößt.

Zu dem Angriff kam es, nachdem die Zugbegleiterin die Männer gegen 5.50 Uhr in Lauenbrück (Kreis Rotenburg/Wümme) aus dem Zug geworfen hatte, weil sie keine Fahrscheine besaßen und auch nicht bereit waren, Fahrkarten zu lösen. Auf dem Bahnsteig eskalierte die Situation.

Nach der Schilderung einer Sprecherin des privaten Eisenbahnunternehmens hat die erfahrene Schaffnerin schwere Verletzungen erlitten. „Ihr geht es nicht gut. Die Augen sind zugeschwollen, sie hat offene Wunden im Gesicht“, sagte Tatjana Festerling. Außerdem sei die Frau schwer traumatisiert. Der Hauptaggressor habe noch zugeschlagen, als sie schon am Boden gelegen habe. Sie musste im Krankenhaus behandelt werden, konnte inzwischen aber nach Hause entlassen werden. Die 38-Jährige ist krankgeschrieben.

Drei der Angreifer wurden in Bremen festgenommen. Sie waren vom Personal des nachfolgenden Metronom erkannt worden. Der vierte, ein Student, der in Besitz eines Semestertickets war, ist flüchtig. Alle drei Männer verweigern die Aussage. „Sie sind polizeibekannt“, erklärte ein Sprecher der Bundespolizei. Ihnen droht eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung sowie wegen sexueller Belästigung.

Die Sprecherin der Metronom GmbH forderte am Freitag Konsequenzen aus dem Vorfall. Dass Schaffner bespuckt, beschimpft oder gegen das Schienbein getreten würden, komme schon regelmäßig vor. „Aber selbst schwere Angriffe wie dieser werden immer häufiger“, sagte Festerling. Die Verkehrsunternehmen würden von der Politik alleingelassen.

„Wir brauchen mehr Bundespolizei entlang den Bahnstrecken“, sagte Festerling dieser Zeitung. „Was nützt es denn, wenn wir die Kommunikation mit dem Beamten verbessern, dann aber bei einem Vorfall hören, die Polizei habe die Kräfte nicht?“ Es gebe Streckenabschnitte, auf denen die Wachen nicht mehr besetzt seien. Außerdem regt sie neue Rechte für Verkehrsunternehmen an: „Wir dürfen selbst uns bekannte Hooligangruppen oder wiederholt aggressive Fahrgäste nicht von der Beförderung ausschließen.“ Dem stehe das Personenbeföderungsgesetz entgegen, das jedem ein Recht auf Mobilität einräume. „Darüber muss man nachdenken“, sagte Festerling.

Karl Doeleke