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Panorama Zugkollision mit 16 Verletzten: Strecke Braunschweig-Hannover gesperrt
Nachrichten Panorama Zugkollision mit 16 Verletzten: Strecke Braunschweig-Hannover gesperrt
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17:18 17.06.2010
Die Lok und die ersten beiden Doppelstockwagen des Personenzuges wurden durch die Wucht des Zusammenpralls aus den Gleisen gehoben. Quelle: dpa

Ein Millionenschaden und 16 Verletzte sind die Bilanz des Zusammenstoßes eines Personenzuges mit einem entgleisten Güterzug bei Peine. Mit hohem Tempo war der Regionalexpress am späten Mittwochabend in die entgleisten Waggons eines Kieszuges gekracht, teilte die Deutsche Bahn mit.

Die Lok und die ersten beiden Doppelstockwagen des Personenzuges wurden durch die Wucht des Zusammenpralls aus den Gleisen gehoben und kippten in einen Garten. Der Lokführer kam schwer verletzt in eine Klinik, die 15 leicht verletzten Reisenden konnten nach ambulanter Behandlung nach Hause. Die vielbefahrene Bahnstrecke Hannover-Braunschweig bleibt bis Dienstag gesperrt, Reisende müssen sich auf erhebliche Verspätungen einstellen.

Der Regionalexpress Rheine-Braunschweig mit rund 65 Reisenden prallte um 23.23 Uhr kurz vor einer Brücke bei Peine in den verunglückten Güterzug der Mittelweserbahn, der vom Harz ins Emsland unterwegs war. Wie die Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle in Bonn mitteilte, hatten Bahnarbeiter in Peine bei der Durchfahrt des Güterzuges Unregelmäßigkeiten bemerkt und den Lokführer zum Halten aufgefordert. Noch während der Zug bremste, löste sich ein Teil der 50 Waggons, einige sprangen aus der Spur. Direkt in diesem Moment kam in Gegenrichtung der Regionalexpress und es kam zur Kollision. Ein Fahrgast alarmierte daraufhin vom Zug aus Polizei und Feuerwehr. Sechs Minuten später trafen die Rettungskräfte am Unglücksort ein.

Die Unfallermittler gehen davon aus, dass zunächst ein Waggon des Güterzuges entgleiste und damit das Unglück auslöste. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf mögliche Schäden an dem Waggon des privaten Bahnunternehmens. Konkret könne die Unfallursache noch nicht benannt werden. Erst wenn die Ermittler ihre Arbeit abgeschlossen haben, kann die Deutsche Bahn mit den Aufräumarbeiten beginnen. Sowohl die Gleise als auch die Oberleitung wurden erheblich beschädigt.

Nun ist die Strecke bis voraussichtlich Dienstag gesperrt. Die Intercity-Züge zwischen Hannover und Leipzig werden über Wolfsburg umgeleitet, teilte die Deutsche Bahn mit. Die Regionalzüge müssen über Hildesheim fahren. Für die Stationen unterwegs wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Reisende müssen sich auf erhebliche Verspätungen einstellen. Wegen Bauarbeiten an einer anderen Stelle gibt es ohnehin bereits Verzögerungen auf der wichtigen Ost-Weststrecke Hannover-Magdeburg.

Zuletzt war vor knapp fünf Monaten auf der Verbindung ein Güterzug entgleist. Damals war es bei hohem Sachschaden geblieben. Ursache für das Entgleisen von Zügen sind nach Angaben des Eisenbahnbundesamtes meist defekte Schienen oder Wagen sowie Stellwerksfehler. 2009 entgleisten in Deutschland 21 Züge, 15 davon waren Güterzüge. 2008 kam es zu 27 Entgleisungen, in 22 Fällen waren Güterzüge betroffen.

Im Garten liegt ein Zug

Rauschen, Quietschen - und dann ein unheimlicher, dumpfer Knall, gefolgt von Blitzen. „Ich habe erst gedacht, es ist ein Gewitter“, sagt Michaela Schneider. Der Schreck sitzt ihr noch immer in den Knochen: In ihrem Garten liegt am Donnerstagmorgen ein riesiger roter Zug. Es ist die Regionalbahn von Hannover nach Braunschweig, die kurz vor Mitternacht in Peine mit einem Güterzug kollidierte.

„Das ganze Haus hat gewackelt, das kann man sich nicht vorstellen“, erzählt Nachbarin Nadine Brandtner. Vor mehr als 30 Jahren wurden die schmucken Häuser gebaut. Ihre liebevoll bepflanzten und dekorierten Gärten grenzen direkt an den Bahndamm. Eine Schaukel, ein Trampolin und ein Kletterhäuschen zeugen davon, dass hier am Nachmittag noch Kinder gespielt haben. Nur etwa 20 bis 25 Meter liegen zwischen den Häusern und der vielbefahrenen Bahnstrecke.

„Die Eisenteile sind wie ein Stück Papier zerknickt. Unglaublich“, sagte Pressesprecher Uwe Borchers von der Bundespolizei. Er steht mit einigen Kollegen auf nahen einer Brücke über die Bahnstrecke. Eine vierspurige Straße führt dort über die Gleise. Wäre der Zug nur wenige Meter weiter entgleist, hätte er die Brückenpfeiler gerammt - kaum auszumalen, was dann passiert wäre.

„Das Schlimmste waren die Hilfeschreie“, erzählt die 30-jährige Nadine Brandtner. Sie alarmierte sofort die Feuerwehr. Ihr 24-jähriger Neffe Dennis stürmte aus dem Haus. „Ich habe dann einen Hammer geholt, aber von außen konnte man die Scheiben nicht einschlagen“, erzählt er. Mit Hilfe eines Passagieres konnte er schließlich eine Tür einen Spalt breit öffnen und den Hammer reinreichen. Inzwischen fand ein anderer Fahrgast aber den Nothammer und schlug eine Scheibe ein.

„Man will helfen und weiß nicht, was man machen soll. Es war ja auch dunkel. Ich habe am ganzen Leib gezittert“, erzählt Nadine Brandtner. Mit Taschenlampen kamen dann die Nachbarn. Und ein Krankenwagen, zunächst einer, dann weitere. Vor allem der schwer verletzte Lokführer habe wohl starke Schmerzen gehabt und laut geschrien. Er wurde mit einem Hubschrauber in die Medizinischen Hochschule Hannover gebracht.

Als dann die Rettungskräfte da waren, ging aber alles sehr schnell. Vor dem Haus der Brandtners wurde ein Zelt für die Erstversorgung aufgebaut. „Sieben Fahrgäste mussten im Krankenhaus behandelt werden, die anderen an der Unglücksstelle“, berichtet Polizeisprechers Borchers. Alle anderen Unfallopfer wurden von Angehörigen abgeholt oder mit Taxen nach Hause gefahren.

Oben von der Straßenbrücke aus ist das ganze Chaos zu sehen. Sechs Waggons des mit Kies beladenen Güterzuges sind entgleist. Die Lok fuhr mit einigen Waggons noch einige hundert Meter weiter. In Gegenrichtung stehen die Wagen des Regionalzugs. Er muss unmittelbar nach der Entgleisung des Güterwagens in die Unglücksstelle gefahren sein, anschließend kippte er um.

Zuvor rammte die Lok des Regionalzugs eine Lärmschutzwand und schob sie einige Meter vor sich hin. Im Garten von Michaela Schneider blieben Lok und der erste Wagen des Zugs auf der Seite liegen. Ein blaues Holzhäuschen der Kinder, die in dem Mehrfamilienhaus leben, steht wie zusammengefaltet vor der Lok. Auch bei den Brandtners sieht der Garten wüst aus: Eine Eisenstange liegt dicht vorm Haus, Glasscherben in einem kleinen Swimmingpool.

Ein rot-weißes Band der Polizei versperrt jetzt den Weg zu den Gleisen. Dort liegt eine herausgerissene Achse, die Oberleitung ist gerissen. Der Schaden geht in die Millionen. Und es wird Tage dauern, bevor die Unfallstelle komplett geräumt ist, Gleise und Oberleitung repariert sind.

Informationen über Zugausfälle und Verspätungen erhalten Sie hier.

dpa

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