Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Zum Prozessauftakt gesteht Angeklagter
Nachrichten Panorama Zum Prozessauftakt gesteht Angeklagter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:12 08.12.2009
Ralf M. vor Gericht in Heidelberg.
Ralf M. vor Gericht in Heidelberg. Quelle: ddp
Anzeige

Der Inhaber einer Speditionsfirma aus Gemmingen im Landkreis Heilbronn. „Ich habe die Briefe selbst verfasst“, gestand der 43-jährige Angeklagte Ralf M. zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Heidelberg.

Er habe als Einzelperson gehandelt, sagte er. Es gebe „keine Organisation“ und auch keinen „großen Unbekannten“ im Hintergrund. Die Vorwürfe gegen ihn selbst träfen zu. Laut Anklage hatte der Mann zwischen Ende August und Anfang September in drei Briefen von Hopp insgesamt 5,5 Millionen Euro verlangt. Diese sollten in fünf Sporttaschen zu je 1,1 Millionen Euro in Scheinen übergeben werden. Andernfalls – so drohte er – würden Hopps Ehefrau und dessen zwei Söhne zu Tode kommen.

Um den Verdacht von sich zu lenken, erfand er ein kompliziertes Geflecht: Die eigentlichen Erpresser waren angeblich Unbekannte aus Osteuropa. Er selbst habe per Fax die Erpresserschreiben erhalten, um als Mittler für den Geldtransport zu agieren. Selbst seine Frau und die beiden Söhne ahnten offenbar nichts von seinem Tun und hatten Angst vor einem unbekannten Erpresser. Doch die Polizei kam Ralf M. nach drei Wochen über einen verdeckten Ermittler, der sich als Berater von Hopp ausgab, auf die Schliche. Am 5. September wurde er festgenommen. Zu einer Geldübergabe kam es nicht.

Vor Gericht nannte der Spediteur wirtschaftliche Schwierigkeiten seiner Firma als Tatmotiv. Er habe dringend 30.000 Euro gebraucht, weil er von den Banken zur Rückzahlung eines Kredits gedrängt worden sei. Die Idee, Hopp zu erpressen, sei ihm gekommen, als er an der Rhein-Neckar-Arena vorbeifuhr – dem Stadion des Fußball-Bundesligavereins TSG 1899 Hoffenheim, als dessen Geldgeber Hopp Furore gemacht hatte. „Der Herr Hopp müsste ja Geld haben“, habe er sich gedacht. Auf die Frage des Richters, warum er nicht nur die benötigten 30.000 Euro gefordert habe, sondern gleich 5,5 Millionen Euro, sagte der Angeklagte, bei 30.000 Euro hätte ihn niemand ernst genommen. Letztlich, betonte der Mann, habe er aber „die ganze Sache nicht zu Ende gedacht“. Heute sei ihm klar, „dass es von Anfang an nicht gut gehen konnte“. In den Briefen hieß es zwar: „Wir verstehen keinen Spaß.“ Er habe aber „niemals die Absicht“ gehabt, die Drohungen in die Tat umzusetzen. Er habe zwar eine Waffe bei sich im Lastwagen. Diese sei aber nur „für den Notfall“ gedacht, falls er selbst überfallen werde.

Der Angeklagte entschuldigte sich „für die Ängste und Sorgen“, die er Hopp und dessen Familie verursacht habe. „Es war ein großer Fehler“, sagte er. „Es tut mir auch herzlich leid.“ Dem 43-Jährigen wird versuchte räuberische Erpressung zur Last gelegt. Ihm droht eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr. Das Urteil soll am heutigen Mittwoch verkündet werden.

Dem 69-jährigen Hopp wurde eine Vernehmung als Zeuge erspart. „Herr Hopp ist froh, dass er heute nicht hier erscheinen muss“, sagte sein Anwalt Alexander Keller in einer Verhandlungspause. Die Situation sei für Hopp und dessen Familie „sehr belastend“ gewesen. Hopp habe die Briefe „sehr ernst genommen“. Es sei aber für den Milliardär von Anfang an klar gewesen, auf den Erpressungsversuch nicht einzugehen. Keller betonte: „Potenzielle Nachahmungstäter haben auch in Zukunft nicht die geringste Chance.“

ddp