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Panorama Zwei Guantánamo-Häftlinge treffen in Hamburg und Rheinland-Pfalz ein
Nachrichten Panorama Zwei Guantánamo-Häftlinge treffen in Hamburg und Rheinland-Pfalz ein
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14:47 16.09.2010
Entlassen aus dem Gefangenenlager Guantánamo: Zwei ehemalige Gefangene kamen am Donnerstag nach Deutschland. Quelle: afp
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Nach acht Jahren Haft in dem US-Lager Guantánamo ist ein Palästinenser freigelassen und am Donnerstag nach Hamburg gebracht worden. Der 34-jährige staatenlose Palästinenser Ayman Mohammad Ahmad S. werde im Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) auf seinen Gesundheitszustand untersucht, sagte ein Sprecher der Innenbehörde am Donnerstag. Wie lange er in der Klinik bleibt, war zunächst unklar. Der Palästinenser hatte seit Januar 2002 in dem US-Gefangenenlager gesessen.

Der 34-Jährige sei am Donnerstag um 7.00 Uhr in Hamburg angekommen, berichtete der Sprecher. Nach dem Flug aus den USA sei er mit einem Auto abgeholt worden - „von wo, das darf ich nicht sagen“. Es seien Beamte dabei gewesen, ein Arzt und sein künftiger Betreuer. Dem ersten Eindruck zufolge wirke der Mann sehr höflich und zuvorkommend. „Er macht einen sympathischen Eindruck und wirkt gebildet.“ Körperlich sei er „in einem ganz guten Zustand“. Bewacht werde er nicht: „Er kann sich frei in der Stadt bewegen.“

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Deutschland hatte den USA im Sommer die Übernahme von zwei Gefangenen zugesagt. Neben Hamburg hatte sich auch Rheinland-Pfalz zur Aufnahme eines Gefangenen bereiterklärt. Auch dort traf am Donnerstag ein Ex-Guantánamo-Häftling ein.

Bereits am Montag hatte Hamburgs Innensenator Heino Vahldieck (CDU) erklärt, die Stadt sei auf die Aufnahme des 34-Jährigen gut vorbereitet. Es gebe ein behördenübergreifendes Konzept, das eine Rundumbetreuung des Mannes vorsehe. „Unser Ehrgeiz ist es, ihn in Hamburg zu integrieren“, sagte Vahldieck.

Die Stadt hat bereits eine Wohnung für den Palästinenser angemietet. Zudem wird dem 34-Jährigen ein arabisch sprechender Betreuer an die Seite gestellt, der sich nur um ihn kümmert und ihm den Weg in den Alltag einer westlichen Großstadt ebnen soll. Leben wird er von Sozialhilfe. Der Aufenthaltsstatus erlaubt es ihm aber auch zu arbeiten. An den Kosten des Integrationskonzeptes im sechsstelligen Bereich beteiligt sich nach Vahldiecks Angaben auch der Bund.

Der Senator geht davon aus, dass der Ex-Häftling keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit mehr darstellt. Die beiden Männer, die Deutschland aufnehme, seien in Guantánamo von Bundesbeamten befragt worden und hätten dem Djihad („Heiligen Krieg“) abgeschworen. „Die Prüfung hat ergeben, dass diese Leute in Ruhe leben wollen.“
Gegen den 34-Jährigen gebe es keine strafrechtlichen Vorwürfe und auch keine Hinweise darauf, dass er terroristische Anschläge begangen habe, sagte Vahldieck. Sollte er sich wieder islamistischen Kreisen zuwenden, werde die Behörde alle notwendigen Maßnahmen ausschöpfen.

Nach Vahldiecks Angaben war der im Dezember 1975 im saudiarabischen Djidda geborene Mann im Sommer 2001 in Richtung Afghanistan gereist, um in den „Heiligen Krieg“ zu ziehen. Er wurde gefangen und im Januar 2002 in das US-Gefangenenlager auf Kuba gebracht.

Vahldieck hatte an die Medien appelliert, die Integrationschancen für den 34-Jährigen nicht durch eine intensive Berichterstattung zu mindern. Fotos etwa von dem Gesicht des Mannes, unter Umständen noch vor seiner Wohnung würden die Bemühungen der Behörden um eine Eingliederung in die Gesellschaft erschweren.

dpa

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